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F.A.Z. exklusiv : Dieser deutsche Wagniskapitalgeber wird zum Milliardeninvestor

Die Gesamtsumme setzt sich zusammen aus Geld von Privatpersonen und den zwei Tranchen institutioneller Geldgeber. Bild: dpa

Earlybird setzt auf Technologieunternehmen in Europa. Nun hat er eine Rekordsumme für einen neuen Geldtopf eingesammelt.

          Der Risikokapitalgeber Earlybird hat für seinen neuen Geldtopf eine Rekordsumme eingesammelt. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung vorab erfahren hat, wird Earlybird für den neuen IT-Fonds Westeuropa 175 Millionen Euro als eingeworbenes Kapital melden. Damit erreicht die 1997 gegründete Gesellschaft erstmals die Marke von mehr als 1 Milliarde Euro verwaltetem Kapital.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Earlybird gehört zu den größten deutschen Wagniskapitalgebern und ist auf Technologieunternehmen in Europa spezialisiert. Die Gesellschaft hat bisher deutlich mehr als einhundert Transaktionen getätigt, sieben Börsengänge mit auf den Weg gebracht und 22 Unternehmensbeteiligungen direkt verkauft.

          Zuletzt fiel etwa das Börsendebüt des auf Telefonanlagen aus der Cloud spezialisierten Unternehmens Nfon auf. Das Portfoliounternehmen N26, eine Online-Bank, bekam in einer Finanzierungsrunde kürzlich 160 Millionen Dollar. Ein besonders bekannter Name aus der Vergangenheit ist der Berater für private Immobilienfinanzierung Interhyp, den Earlybird 1999 erwarb und im Jahr 2005 an die Börse brachte. Später erwarb ING die Gesellschaft.

          Earlybird hatte bisher fünf Generationen von Fonds aufgelegt: Die ersten vier setzten sich aus Europa-Fonds zusammen, die fünfte war in drei Geldtöpfe aufgeteilt: einen für Medizintechnik und je einen für IT in Westeuropa und Osteuropa. Der IT-Fonds Westeuropa war mit 150 Millionen Euro ausgestattet.

          Mit dem Fundraising am Ziel

          Ein Betrag in dieser Größenordnung war auch für den neuen Fonds IT Westeuropa vorgesehen – stattdessen reizte die Gesellschaft aber den Raum bis zur harten Grenze („hard cap“) von 175 Millionen aus, was alle bisherigen Fonds übersteigt. Für diesen neuen Topf hatte sich Earlybird unter seinem Mitgründer Hendrik Brandis mit zwei weiteren prominenten Akteuren der Wagniskapitalszene zusammengeschlossen: den Gebrüdern Heilemann, bekannt geworden durch den deutschen Schnäppchenanbieter Dailydeal. Der Fonds soll seine Mittel vor allem in „disruptive“ digitale Geschäftsmodelle stecken, also solche, die traditionelle Modelle ins Wanken bringen oder ganz ersetzen.

          Der Fonds hatte 2016 begonnen, Geld einzusammeln, und aus diesen ersten Mitteln auch Beteiligungen gespeist. Seitdem wartet die Szene darauf, dass der Topf auch gedeckelt wird; der lange Zeitraum führte mancherorts zu Verwunderung. Brandis erklärte ihn im Gespräch mit der F.A.Z. mit Maßgaben neuer EU-Regeln, die das „Fundraising“ (das Einwerben von Mitteln) bei institutionellen Investoren verzögert hätten. So habe man sich zunächst an vermögende Privatpersonen gerichtet, „um die Zeit zu überbrücken“, wie Brandis sagte. Im vergangenen Jahr ging dann die Werbetour bei Großanlegern los. Eine erste Tranche wurde im vorigen Dezember geschlossen, jetzt ist Earlybird mit dem „Fundraising“ ganz am Ziel. Die Gesamtsumme setzt sich zusammen aus 20 Millionen Euro von Privatpersonen und den zwei Tranchen institutioneller Geldgeber von 63 Millionen Euro und 92 Millionen Euro.

          Für diese neue, sechste Fonds-Generation hat Earlybird schon 13 Investitionen in europäische Digital-Unternehmen getätigt. Insgesamt soll der Fonds nach Brandis‘ Angaben 20 bis 25 Beteiligungen finanzieren. Junge wachstumsträchtige, aber riskante Unternehmen („Start-ups“) beklagen häufig, in Deutschland gebe es nicht genug Wagniskapital (Venture Capital, VC), weil Investoren das Risiko mehr scheuten als in Amerika. Brandis sieht auch für Europa insgesamt Nachholbedarf. Der Kontinent sei „VC-technisch klar unterversorgt“: Im Vergleich zu den Vereinigten Staaten stünden hier, gemessen an der Einwohnerzahl, nur etwa 15 Prozent des Wagniskapitals zur Verfügung. Er zieht daraus den Schluss, dass die Kapitalgeber in Europa besonders gute Chancen hätten.

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