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Langsamer Start in neue Ära : Vodafone bringt 5G auf die ersten Handys

  • -Aktualisiert am

Eine Vodafone-Mitarbeiterin hält ein 5G-Smartphone in der Hand. Bild: dpa

Vodaofone hat seine 5G-Tarife vorgestellt – wird aber noch ein paar Jahre brauchen, bis wirklich jeder Zugang zu dem superschnellen Netz bekommt. Für die Kunden wird es teuer.

           Vodafone ist ein wenig später dran und gleichzeitig doch vor der Deutschen Telekom gelandet. Der Telekommunikationskonzern aus Düsseldorf hat am Dienstag sein kommerzielles 5G-Netz vorgestellt. Von nun an können Kunden erste Geräte kaufen, die den neuen Funkstandard beherrschen und die Datenoption in einigen Vodafone-Tarifen hinzu buchen. Die Telekom hatte zwar vor zwei Wochen schon ihre 5G-Ära eingeläutet, musste kurz darauf allerdings zugeben, dass die echte 5G-Verbindung wohl erst in den „nächsten Wochen“ verfügbar sei und die Kunden bis dahin noch mit LTE, also im 4G-Netz unterwegs seien.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Auch der Vorstoß von Vodafone verändert die Welt nicht von heute auf morgen. Im Gegenteil tasten sich die Düsseldorfer ganz langsam an 5G heran. 60 Antennen hat das Unternehmen in 20 Gemeinden und Städten aufgebaut, im August sollen es dann 120 Antennen an gut 50 Orten sein. Zum Vergleich: Für die bisherigen Mobilfunkstandards betreibt Vodafone in Summe derzeit rund 25.000 Stationen. „Das ist ein kleiner Anfang, aber das Netz wird superschnell wachsen“, sagte Gerhard Mack, der Technikchef von Vodafone. Das Unternehmen wolle mit den ersten Masten experimentieren und lernen – also verstehen, wie sich das Netz und die neuen Endgeräte verhalten, die mit 5G funken. So können die Antennen mittels der sogenannten „Carrier Aggregation“ sowohl in 4G und 5G funken, um eine möglichst breite Abdeckung zu bieten.

          Dadurch, dass es zunächst nur wenige Masten sind, könnte gerade etwa eine halbe Million Menschen erreicht werden. Das sei aber keine Zahl, die für Vodafone ausschlaggebend sei, versicherte Mack. Die ersten Masten stehen vor allem in Ballungsräumen, wo sich viele Menschen im Netz tummeln und ebenfalls in eher ländlichen Räumen, wo die DSL-Abdeckung noch nicht so gut ist. Stück für Stück soll das Netz ausgebaut werden und auch von zehn Rechenzentren in Deutschland mit Daten versorgt werden. Ende nächsten Jahres sollen 10 Millionen Menschen in Reichweite einer Antenne wohnen, ein Jahr später soll es dann jeder vierte Bundesbürger sein.

          Teure neue Geräte für 5G

          Das sagt allerdings noch nichts darüber aus, wie viele Menschen dann auch 5G benutzen wollen. Kunden, die jetzt schon schneller surfen wollen, brauchen nämlich neue Geräte dafür. Zu Anfang bietet Vodafone Smartphones des südkoreanischen Herstellers Samsung und des chinesischen Huawei-Konzerns an. Von ihm stammt auch der sogenannte Gigacube, eine Art mobiler Router, mit dem Kunden ihre langsamen DSL-Leitungen durch schnelleren Mobilfunk ersetzen sollen. Das kostet freilich: Das Huawei Mate 20 X 5G gibt es für einen Euro und dann 30 Euro Zuzahlung im Monat, für den 5G-Aufschlag im Tarif berechnet Vodafone jeweils fünf Euro.

          Damit greift das Unternehmen auch die Deutsche Telekom an, die auf einen 24-Monatsvertrag setzen. Bei Vodafone sei die 5G-Option monatlich kündbar. Im Tarif, der keine Einschränkung der Geschwindigkeit nach einem gewissen Datenvolumen hat, verlangen die Konkurrenten aber in etwa gleich viel: Bei der Telekom kostet der Tarif 85 Euro, bei Vodafone 80 Euro im Monat. Die Netzbetreiber Telefónica und der Neueinsteiger United Internet halten sich hingegen noch bedeckt.

          „Wir haben lange geboten und lange gefeilt“, sagte Vodafone-Deutschlandchef Hannes Ametsreiter mit Blick auf die Versteigerung der 5G-Frequenzen. Zudem habe das Unternehmen in der Auktion „viel viel mehr“ bezahlt, als es eingeplant hatte. „Aber das ist eine Revolution und wie wir glauben, zu fairen Preisen“, sagte Ametsreiter. Vodafone hatte 130 Megahertz Spektrum für 1,88 Milliarden Euro ersteigert. Insgesamt flossen dem Bund mehr als 6,5 Milliarden Euro zu. Zwar hat die Bundesnetzagentur noch nicht das Frequenzband von 3,4 bis 3,7 Gigahertz freigeschaltet, in dem Vodafone 90 Megahertz Spektrum ersteigert hatte.

          Doch hatte das Unternehmen schon vor zwei Jahren in einer vorigen Auktion 40 Megahertz Spektrum erworben, das es zunächst für den Ausbau nutzt. Trotz der immer noch anhaltenden Unsicherheit über die Zukunft von Huawei im Ausbau des 5G-Netzes in Deutschland setzt Vodafone auch dabei auf eine Zusammenarbeit mit den Chinesen. Das Unternehmen bezieht schon länger seine Antennen hälftig von Ericsson und von Huawei. Im Kernnetz kommen aber nur die Europäer zum Zug.

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