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Sammelklage erlaubt : Amerikas Oberstes Gericht lässt Apple abblitzen

Der Mitarbeiter in einem Apple-Store in Washington überprüft die angebotenen iPhones. Bild: AFP

Der iPhone-Hersteller muss sich gegen den Vorwurf überhöhter Preise in seinem App Store verteidigen, entscheiden Amerikas höchste Richter. Die Anleger reagieren deutlich.

          Der amerikanische Tech-Konzern Apple hat in einer Kartellauseinandersetzung vor dem Obersten Gerichtshof in Washington eine schwere Niederlage erlitten. Eine Mehrheit der Richter entschied, dass eine Sammelklage von Verbrauchern gegen das Unternehmen weiterverfolgt werden kann. Die Anleger an der Börse reagierten deutlich: Der Apple-Aktienkurs verminderte sich im Handelsverlauf um bis zu 6 Prozent.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          In dieser Klage, die bis auf das Jahr 2011 zurückdatiert, wurde argumentiert, Apple habe aus dem Vertrieb von Softwareanwendungen („Apps“ ) für seine iPhones auf illegale Weise ein Monopol gemacht, und die Provisionen, die das Unternehmen von Entwicklern dieser Apps verlange, würden dazu führen, dass am Ende die Verbraucher überhöhte Preise dafür zahlen. Apple behält üblicherweise 30 Prozent der Einnahmen, die mit Apps erzielt werden, als Provision für sich.

          Entscheidung kommt für Apple zum ungünstigen Zeitpunkt

          Insgesamt fünf der neun Mitglieder des Obersten Gerichtshofs haben sich nun auf die Seite der Kläger gestellt, darunter die vier als liberal geltenden Richter und der erst im vergangenen Jahr berufene Brett Kavanaugh, der dem konservativen Lager zugerechnet wird. Mit ihrer Entscheidung haben die Richter ein Urteil aus einer niedrigeren Instanz bestätigt.

          Ob die Klage der Verbraucher letztlich erfolgreich sein wird, ist damit freilich noch immer nicht gesagt. In jedem Fall kommt die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs für Apple aber zu einem ungünstigen Zeitpunkt, denn die Geschäftspraktiken des Unternehmens rund um den App Store sind zuletzt ohnehin Gegenstand öffentlichkeitswirksamer Kontroversen geworden.

          APPLE

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          Kürzlich hat der Musikdienst Spotify bei der EU-Kommission eine Beschwerde gegen Apple eingereicht, weil er sich im App Store gegenüber Apples eigenen Angeboten benachteiligt sieht. Medienberichten zufolge will die EU-Kommission formelle Ermittlungen in der Angelegenheit einleiten.

          In den Vereinigten Staaten wiederum hat die Senatorin Elizabeth Warren, die sich um die Kandidatur der Demokratischen Partei für die nächsten Präsidentschaftswahlen bemüht, eine Abspaltung des App Store von Apple gefordert. Dies ist Teil einer breiter angelegten Kampagne von ihr, die auf eine Zerschlagung großer amerikanischer Technologieunternehmen abzielt und auch Unternehmen wie Facebook und Google betrifft.

          Der App Store ist für Apple ein sehr wichtiges Geschäft. Er gilt als der umsatzstärkste Teil der Dienstleistungssparte, die für das Unternehmen in jüngster Zeit immer größere Bedeutung gewonnen hat. Sie ist sehr wachstumsstark, während Apple im Geschäft mit dem iPhone zuletzt Umsatzeinbußen erlitten hat.

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