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Lukrative Einnahmequelle : Für Amazon wird Werbung wichtiger

Amazon schaltet nicht nur auf seinem Verkaufs-Portal Werbung. Bild: Getty

Google und Facebook dominieren den Werbemarkt in Amerika. Doch Amazon holt auf – denn die Daten des Konzerns sind besonders wertvoll.

          Die Internetkonzerne Google und Facebook machen den größten Teil ihres Geschäfts mit Online-Werbung, und sie dominieren diesen Markt. In den Vereinigten Staaten entfällt mehr als die Hälfte der gesamten Ausgaben für Werbung im Internet auf diese beiden Unternehmen. Aber der Online-Händler Amazon.com versucht mit aller Macht, sich in diesem lukrativen Geschäft zu etablieren.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Eine neue Studie der Marktforschungsgesellschaft Emarketer unterstreicht, dass Amazon allmählich zu einem ernsthaften Wettbewerber wird. Emarketer rechnet damit, dass der Konzern allein in Amerika 2018 einen Werbeumsatz von 4,6 Milliarden Dollar erzielen wird. Bislang hatten die Marktforscher 2,9 Milliarden Dollar vorhergesagt.

          Amazon werde damit hinter Google und Facebook zur Nummer drei auf dem amerikanischen Markt für Online-Werbung und erstmals den Softwarekonzern Microsoft inklusive seines Karrierenetzwerks Linkedin sowie Oath, die Dachgesellschaft der Internetdienste Yahoo und AOL, überholen.

          Die Suche beginnt immer häufiger bei Amazon

          Amazon werde einen Marktanteil von 4,2 Prozent erreichen. Damit hätte das Unternehmen zwar noch immer einen großen Rückstand auf Google (37,1 Prozent) und Facebook (20,6 Prozent). Allerdings würde der kombinierte Marktanteil der beiden Unternehmen von 57,7 Prozent damit unter dem Vorjahreswert von 59,1 Prozent liegen.

          Monica Peart von Emarketer sagte, Amazon sei „eine attraktive Option für werbetreibende Unternehmen“ und hebe sich von Google und Facebook durch seine Kompetenz mit Blick auf das Einkaufsverhalten seiner Kunden ab. Das bestätigten Vertreter von Unternehmen, die Anzeigen auf Amazon schalten, kürzlich der „New York Times“: „Andere digitale Plattformen verfügen über weniger Einkaufsdaten, als sie Amazon über seine Kunden hat“, sagte zum Beispiel Monica McGurk, die das Geschäft mit dem Online-Handel beim Lebensmittelhersteller Kellogg verantwortet. John Nitti vom Telekommunikationskonzern Verizon sagte über das Zielpublikum auf Amazon: „Die haben Leute, die in Einkaufsstimmung sind.“

          Emarketer weist darauf hin, dass immer mehr Menschen ihre Suche nach Produkten auf Amazon anstatt auf Google beginnen. Die Marktforschungsgesellschaft Gartner L2 schrieb vor einigen Monaten in einer Studie, dass der Jeanshersteller Levi Strauss Teile seines Werbebudgets von der zu Google gehörenden Videoseite Youtube abgezogen habe und dafür mehr Anzeigen bei Amazon schalte. Catalyst, ein anderes Marktforschungsinstitut, veröffentlichte im vergangenen Jahr eine Studie, in der 63 Prozent der befragten Unternehmen angaben, 2018 ihr Werbebudget auf Amazons Seite aufstocken zu wollen.

          Amazon hat heute eine Reihe verschiedener Werbeformate. Ähnlich wie bei der Suchmaschine von Google werden zum Beispiel Anzeigen angeboten, die sich nach Schlüsselwörtern richten. Gibt man etwa auf der deutschen Amazon-Seite den Begriff „Smartphone“ ein, erscheinen oben auf der Seite Anzeigen von Samsung. Bei der Suche nach Waschmitteln wird Werbung der Marke Omo eingeblendet.

          Solide Gewinne in jüngster Zeit

          Wie das Beispiel von Verizon zeigt, beschränkt sich die Werbung von Amazon allerdings nicht auf Unternehmen, deren Produkte auf der Seite des Online-Händlers verkauft werden. Amazon schaltet neben diesen auf Suchbegriffe abgestimmten Anzeigen auch Werbung auf seiner Videospiele-Plattform Twitch und bei Übertragungen von Spielen der amerikanischen Football-Liga NFL.

          Das Werbegeschäft von Amazon hat bislang noch seinen Schwerpunkt auf dem amerikanischen Markt, wächst aber nach Angaben des Unternehmens auch im Ausland rasant. Amazon selbst beziffert seinen Werbeumsatz nicht exakt, sondern verbucht ihn in der Sparte „andere Aktivitäten“. In ihr dürfte der größte Teil auf Werbung entfallen, und im zweiten Quartal dieses Jahres hat sich ihr Umsatz auf 2,2 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt. Online-Werbung ist auch ein sehr profitables Geschäft, und sie dürfte mitverantwortlich dafür sein, dass das früher chronisch ertragsschwache Unternehmen in jüngster Zeit solide Gewinne ausweist.

          Zur Profitabilität trägt auch Amazon Web Services bei, die Sparte für Cloud Computing, mit der das Unternehmen seinen Kunden Computerkapazitäten zur Verfügung stellt. Diese Aktivitäten unterstreichen, dass Amazon seinen Aktionsradius immer mehr jenseits des traditionellen Online-Handels ausweitet. Daneben wagt sich Amazon auch zunehmend in den physischen Einzelhandel. Der Konzern übernahm im vergangenen Jahr die Supermarktkette Whole Foods und betreibt eine eigene Kette von Buchläden. Am Mittwoch wurde bekannt, dass er zusammen mit einem Finanzinvestor die indische Supermarktkette More kaufen will.

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