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Umfrage in Unternehmen : Nicht mal jeder zweite Chef stößt Digitalisierungsprojekte an

Bei Bosch arbeiten die Mitarbeiter mit Smartphones. Bild: dpa

Es herrscht große Zurückhaltung in den Führungsetagen der Unternehmen, wenn es um Digitalisierung geht – auch bei der Blockchaintechnologie. Dabei ist gerade in diesem Bereich wichtig, wer zuerst handelt.

          Die große Mehrheit der deutschen Unternehmen geht die Digitalisierung zwar strategisch an, nur eine Minderheit von ihnen macht das Thema aber zu einer Angelegenheit, um die sich der Chef kümmert. So geben drei Viertel der Unternehmen (74 Prozent) an, dass sie eine Strategie zur Bewältigung des digitalen Wandels haben. Gegenüber dem Vorjahr ist das aber nur eine Stagnation. Der Anteil hat sich damit nicht verändert. Zugleich werden sogar in nur noch 42 Prozent der Unternehmen Digitalisierungsprojekte und digitale Innovationen vom Vorstand oder der Geschäftsleitung angestoßen. Vor einem Jahr war dies noch in 51 Prozent der Unternehmen der Fall.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Ganz anders als von den meisten Branchenkennern empfohlen, kommen sogar wieder mehr Initiativen in den Unternehmen direkt aus den IT-Abteilungen: Ihr Vorschlags-Anteil erreicht inzwischen 86 Prozent (Vorjahr: 78 Prozent). Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage von Bitkom Research im Auftrag von Tata Consultancy Services (TCS) unter insgesamt 905 Unternehmen mit 100 oder mehr Mitarbeitern in Deutschland. Die zugrundeliegenden Interviews wurden mit Führungskräften durchgeführt, die in ihrem Unternehmen für das Thema Digitalisierung verantwortlich sind. Dazu zählen Geschäftsführer und Vorstandmitglieder ebenso wie Entscheider aus den Bereichen Digitale Technologien, Informationstechnik, Operatives Geschäft und Finanzwesen.

          Nachfrage nach IT-Sicherheitsfachleuten

          „Die Digitalisierung verändert nicht nur Geschäftsprozesse, sie verändert vor allem auch die Geschäftsmodelle. Heute können Unternehmen ohne eigenes Warenlager zum Marktführer im Handel werden oder ohne eine einzige Immobilie oder ein einziges Fahrzeug zu besitzen, führend bei Übernachtungsangeboten oder im Beförderungsgewerbe werden“, wird Axel Pols, Geschäftsführer der Bitkom Research, zu den Ergebnissen zitiert, die dieser Zeitung vorab vorliegen. Insofern erstaunt es schon, dass noch nicht einmal jeder zweite Chef hier wirklich noch aktiv eingreift. Die Gefahr, auf diesem Weg ins Hintertreffen zu geraten, ist groß: „Die Studienergebnisse spiegeln die rasante Digitalisierung in Deutschland wider. Unternehmen spüren die disruptiven Effekte deutlich stärker als vor einem Jahr. Wer jetzt noch zögert, riskiert Marktanteile“, wird Kay Müller-Jones, Leiter Consulting und Services Integration bei TCS, in der Mitteilung zur Befragung zitiert

          Entstanden ist durch die Antworten ohnehin ein eher ambivalentes Bild: Grundsätzlich herrscht zwar große Offenheit gegenüber innovativen digitalen Technologien. So sind jeweils rund drei Viertel der Befragten interessiert und aufgeschlossen gegenüber Cloud Computing (77 Prozent) und Big Data Analytics (72 Prozent), jeder Zweite gegenüber dem Internet der Dinge (46 Prozent). Rund jedes dritte Unternehmen interessiert sich für Technologien wie Virtual und Augmented Reality (37 Prozent), 3D-Druck (36 Prozent), Künstliche Intelligenz (35 Prozent) oder Robotik (29 Prozent). Aber nur 7 Prozent geben an, dass sie gegenüber der Blockchain-Technologie, von der derzeit viel die Rede ist, interessiert und aufgeschlossen seien. Unter den Fachleuten sorgt das für Stirnrunzeln: „Unternehmen sollten den Einsatz von Technologien ganzheitlich denken“, sagt Müller-Jones: „Viele Technologien entfalten ihr volles Potential erst, wenn sie miteinander verknüpft werden.“

          Gerade mit Blick auf junge, noch wenig eingesetzte Technologien ergänzt Bitkom-Research-Geschäftsführer Pols: „Unternehmen, die schon heute auf eine Technologie wie Blockchain oder Künstliche Intelligenz setzen, können sich dadurch einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz erarbeiten. Hilfreich kann es dabei sein, den Austausch mit Vorreitern in diesem Bereich, aber auch mit Start-ups aus dem Technologiebereich zu suchen.“

          Der Einsatz innovativer digitaler Technologien hat auch Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. So wollen 11 Prozent der Unternehmen die Stelle eines „Cloud Engineers“ im Unternehmen schaffen, 8 Prozent wollen diese Qualifikation über einen externen Dienstleister nutzen. Jeweils 5 Prozent der Unternehmen planen Stellen für „Data Scientists“ und „Application Developer“ zu schaffen. Die größte Nachfrage besteht allerdings nach IT-Sicherheitsfachleuten. Eine solche Stelle im Unternehmen wollen 15 Prozent besetzen, 20 Prozent wollen das Know-how extern beziehen.

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