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Kurz vor Börsengang : Uber erhält eine Milliarde Dollar für Roboterautos

Flotte von Roboterautos von Uber im September 2016 Bild: AP

Uber will mit Roboterautos vorankommen und schließt ein Bündnis mit Toyota und Softbank. Auf dem Gebiet hat der Fahrdienst viele Rückschläge erlitten. Die Konkurrenten scheinen deutlich weiter zu sein.

          Nur wenige Wochen vor seinem geplanten Börsengang hat der Fahrdienst Uber eine weitreichende Allianz auf einem Gebiet geschlossen, das ihm zuletzt einige Sorgen bereitet hat: Der japanische Autohersteller Toyota Motor, sein Zulieferer Denso und der Technologiekonzern Softbank wollen insgesamt eine Milliarde Dollar in Ubers Sparte für autonomes Fahren investieren.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Dieses Geschäft, das den Namen Advanced Technologies Group (ATG) trägt, wird im Rahmen der Transaktion mit 7,25 Milliarden Dollar bewertet. Das ist eine Orientierungshilfe für potentielle Investoren mit Blick auf den kommenden Börsengang. Uber hatte in der vergangenen Woche seinen Börsenprospekt vorgelegt und damit den Countdown für sein Debüt an der Wall Street gestartet, das Anfang Mai erwartet wird. Das Unternehmen peilt angeblich eine Gesamtbewertung von 90 Milliarden bis 100 Milliarden Dollar an.

          Ist Waymo 175 Milliarden Dollar wert?

          Mit der jetzt für ATG vereinbarten Bewertung liegt Uber hinter Wettbewerbern zurück. Der amerikanische Autohersteller General Motors hatte für seine auf autonomes Fahren spezialisierte Gesellschaft GM Cruise im vergangenen Jahr ebenfalls Investoren gewonnen und dabei eine Bewertung von 14,6 Milliarden Dollar herausgeholt. Unter den Geldgebern für GM Cruise ist auch Softbank.

          Als Spitzenreiter auf dem Gebiet gilt Waymo, eine Schwestergesellschaft des Internetkonzerns Google in der Alphabet-Holding. Analysten haben für Waymo Bewertungen von 175 Milliarden Dollar und mehr ins Spiel gebracht.

          Denso-Vizepräsident Wakabayashi, Uber-ATG-Chef Meyhofer, Uber-Chef Khosrowshahi, Toyota-Vizepräsident Tomoyama und Managing Partner des Softbank Vision Fund Tu (v.l.n.r.) bei einer Pressekonferenz am 18. April 2019

          Obwohl die Transaktion mit Uber von solchen Summen weit entfernt ist, ist sie ein wichtiger Vertrauensbeweis. Uber hatte mit dem autonomen Fahren vor etwas mehr als einem Jahr einen schweren Rückschlag erlebt. Damals erfasste eines seiner Roboterautos im amerikanischen Bundesstaat Arizona eine Frau, als sie in der Dunkelheit ihr Fahrrad über die Straße schob. Die Frau starb. Untersuchungen von Behörden warfen Zweifel an der Sicherheit der Uber-Technologie auf.

          Das Unternehmen schraubte seine Aktivitäten rund um autonomes Fahren zwischenzeitlich erheblich zurück. Erst vor wenigen Monaten wurden wieder Tests mit Roboterautos am ATG-Sitz in Pittsburgh aufgenommen.

          Uber in Erklärungsnot

          Schon vor dem Unfall war Ubers Sparte für autonomes Fahren durch eine Klage des Rivalen Waymo in Erklärungsnot geraten, der ihr Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen vorwarf. Die beiden Parteien schlossen am Ende einen Vergleich, bei dem Uber Waymo eigene Aktien im Wert von 245 Millionen Dollar überließ.

          Die Episode wirkt aber bis heute nach. Zu dem Vergleich gehörte es nämlich, dass ein unabhängiger Software-Fachmann regelmäßig überprüft, ob Ubers Technologie geistiges Eigentum von Waymo missbräuchlich nutzt. Im Börsenprospekt heißt es, dieser Fachmann habe kürzlich bestimmte Software-Funktionen für Ubers Roboterautos als „problematisch“ erachtet.

          Von der jetzt mit den japanischen Unternehmen vereinbarten Beteiligung entfallen zwei Drittel auf Toyota und Denso, ein Drittel kommt vom Softbank Vision Fund, dem Anlagevehikel von Softbank. Der Konzern ist mit einem Anteil von 16 Prozent schon jetzt der größte Uber-Aktionär.

          Für Toyota wiederum bedeutet das Bündnis die Vertiefung einer schon bestehenden Zusammenarbeit, denn das Unternehmen hatte schon im vergangenen August 500 Millionen Dollar in Uber investiert. Die neue Investition darf so als Signal gewertet werden, dass der größte japanische Autohersteller mit der Kooperation zufrieden ist.

          Toyota und Uber teilen sich Technik

          Toyota arbeitet an einem eigenen System für selbstfahrende Autos, das in den ersten Jahren des kommenden Jahrzehnts auf Autobahnen, aber noch nicht auf städtischen Straßen einsatzbereit sein soll. In der Zusammenarbeit mit Uber sollen Selbstfahrsysteme als Hardware und Software erforscht werden, die später Eingang in das Uber-eigene System und in das Toyota-System finden sollen, erläuterte eine Sprecherin von Toyota. Der Autokonzern will durch diese Zusammenarbeit die Forschungs- und künftigen Produktionskosten senken.

          Toyota und Uber hatten schon im vergangenen Jahr vereinbart, dass mit dem Ziel 2021 automatisierte Minivans des Typs Sienna im Uber-Mitfahrdienst fahren sollen. Im Rahmen des nun geschlossenen Abkommens mit Uber kündigte Toyota am Freitag weitere Investitionen von 300 Millionen Dollar an, um die Massenproduktion und Kommerzialisierung von Selbstfahrdiensten voranzubringen.

          Uber ATG wurde vor vier Jahren in Pittsburgh gegründet, beschäftigt heute mehr als 1000 Mitarbeiter und betreibt ungefähr 250 autonom fahrende Fahrzeuge. In seinem Börsenprospekt hat Uber die strategische Bedeutung autonomer Fahrtechnologien für das Unternehmen hervorgehoben. Beim Einsatz von Roboterautos müssen die Einnahmen nicht mehr mit Fahrern geteilt werden, somit kann Uber Kosten sparen und womöglich die Preise für seine Kunden senken. In dem Börsendokument sagt Uber aber auch voraus, dass es noch eine lange Zeit der „Hybrid-Autonomie“ geben werde, mit einer „Koexistenz“ von Autos mit und ohne Fahrer.

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