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Keine Zölle in China : Trump verschont Apple

Ein Apple-Store in Sydney, Australien. Bild: EPA

Es muss ein diplomatischer Balanceakt für Tim Cook gewesen sein: Dem Apple-Chef ist es offenbar gelungen, Trump eine wichtige Ausnahme von Zöllen auf seine in China gefertigten Smartphones abzuringen.

          Für Apple ist China von immenser Bedeutung. Der amerikanische Elektronikkonzern erzielt hier nicht nur einen wachsenden Teil seiner Umsätze. Das Land ist auch sein wichtigster Produktionsstandort, hier lässt er die meisten seiner Produkte von Auftragsherstellern wie Foxconn fertigen. Entsprechend ist Apple im eskalierenden Handelskrieg zwischen den Vereinigten Staaten und China in einer prekären Lage.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Zumindest an der amerikanischen Heimatfront kann der Konzern aber offenbar auf Nachsicht hoffen. Wie die „New York Times“ berichtete, hat die Regierung um den Präsidenten Donald Trump dem Apple-Vorstandsvorsitzenden Tim Cook zugesagt, keine Zölle auf die in China gefertigten iPhone-Handys erheben zu wollen. Apples Vorzeigeprodukt wäre also vom wachsenden Katalog von Produkten ausgenommen, auf die künftig Zölle aufgeschlagen werden sollen.

          Gigantisches Liquiditätspolster

          Wie es dem Apple-Chef gelungen ist, Trump dieses Zugeständnis abzuringen, ist nicht ganz klar. Dem Bericht zufolge traf er sich im Mai mit dem Präsidenten und seinem Wirtschaftsberater Larry Kudlow und er soll auch in konstruktivem Dialog mit anderen Kabinettsmitgliedern stehen, etwa Finanzminister Steven Mnuchin. Bei seinem Treffen mit Trump soll er Sorgen über die geplanten Strafzölle angemeldet, andererseits aber auch die jüngste Steuerreform gelobt haben. Er soll zudem über Apples Beitrag zur amerikanischen Wirtschaft gesprochen haben.

          Tatsächlich hat Apple kurz nach Verabschiedung der Steuerreform im Januar öffentlichkeitswirksam Milliardeninvestitionen in den Vereinigten Staaten versprochen. Das Unternehmen sagte zu, hier in den nächsten fünf Jahren 20.000 neue Arbeitsplätze zu schaffen und einen neuen Campus zu eröffnen, der zunächst für technischen Kundendienst vorgesehen sei. Es ist unklar, inwiefern es diese Investitionen auch ohne die Steuerreform geben würde. In jedem Fall profitiert Apple aber enorm von den neuen Steuerregeln. Vor allem kann das Unternehmen jetzt seine Auslandsgewinne zu einem reduzierten Steuersatz zurückbringen.

          Apple hat ein gigantisches Liquiditätspolster, das zuletzt bei 267 Milliarden Dollar lag, und der größte Teil dieser Summe war ausländischen Tochtergesellschaften zugeordnet. Die Steuerreform gibt dem Konzern viel mehr Flexibilität beim Einsatz des Geldes, was aber nicht zwangsläufig heißt, dass es in Investitionen fließen wird. Apple hat kürzlich angekündigt, sein Aktienrückkaufprogramm und seine Dividende aufzustocken.

          Apple hat in China viel zu verlieren

          Fraglich ist, ob Apple Produktionskapazitäten in Amerika aufbauen will. Trump sagte im vergangenen Jahr, Cook habe ihm versprochen, drei Werke in seinem Heimatmarkt zu erreichen. Der Apple-Chef hat das nie bestätigt, und dem Bericht der „New York Times“ zufolge hat das Unternehmen keine entsprechenden Pläne. Es hat Trumps Aussage aber auch nie korrigiert.

          Cooks diplomatische Manöver beschränken sich nicht auf Washington, denn wie es in dem Bericht weiter heißt, sucht er in jüngster Zeit verstärkt die Nähe zur chinesischen Regierung. Denn Apple fürchte, von Vergeltungsmaßnahmen auf Amerikas Zölle betroffen zu sein, etwa indem die Regierung für Unterbrechungen in der Lieferkette sorge oder dem Unternehmen mit seinen Produkten unter dem Vorwand nationaler Sicherheit das Geschäft erschwere.

          Apple hat in dem Land viel zu verlieren: China steuerte im jüngsten Geschäftsquartal mehr als ein Fünftel zum Konzernumsatz bei. Der Umsatz ist gegenüber dem Vorjahr um 21 Prozent gewachsen, so schnell wie seit zehn Quartalen nicht mehr.

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