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Elektroautos : Tesla macht Autos teurer, um Läden zu behalten

  • Aktualisiert am

Ein Tesla-Store in Berlin Bild: EPA

Tesla will weniger Läden schließen, aber die Preise erhöhen. Derweil droht Firmenchef Musk die Suspendierung. Ein Pensionsfonds will ihm nun das Twittern per Gericht verbieten.

          Tesla will nach einem Umstieg auf den ausschließlichen Online-Verkauf nur halb so viele Läden schließen wie geplant, weil auch die Kostensenkungen nur in etwa halb so hoch ausfallen. Deswegen sollen die  Preise nun im Durchschnitt um 3 Prozent steigen. Die Kehrtwende folgt nur gut zehn Tage nach der entsprechenden Ankündigung von Firmenchef Elon Musk.

          Weiter sollen aber alle Verkäufe künftig nur noch online abgewickelt werden. In den Läden solle den potentiellen Käufern nur gezeigt werden, wie man binnen Minuten einen Tesla per Telefon bestellt.

          Ebenfalls entgegen Musks Ankündigung soll es in den Läden weiter Fahrzeuge für Testfahrten geben. Auch eine kleine Anzahl Fahrzeuge soll vorgehalten werden. Die neue Regelung, nach der man einen Tesla innerhalb einer Woche mit bis zu 1600 gefahrenen Kilometern zurückgeben kann, gelte weiter.

          „Preis nach Einsparungen“ entfernt

          Rund jeder zehnte Tesla-Laden ist jüngst geschlossen worden. Ein Teil soll nun mit weniger Mitarbeitern wiedereröffnet werden. Etwa ein Fünftel der Standorte stehe auf dem Prüfstand. Tesla stieß bei der Umsetzung auch auf Probleme mit den Vermietern der Ladenflächen. In Deutschland hat Tesla nach jüngsten Angaben 12 Läden und 7 Service-Center.

          Die Preiserhöhungen treffen vor allem die besser ausgestatteten und teureren Varianten der Tesla-Fahrzeuge Model 3, Model S und Model X. Die Basis-Version des Model 3 werde in Amerika weiter 35.000 Dollar vor Steuern und Elektroauto-Vergünstigungen kosten. Der Konzern hatte sie erst vor kurzem bestellbar gemacht, nachdem zunächst nur die lukrativeren teureren Varianten des Fahrzeug verkauft wurden.

          Nach dem Einschreiten der Wettbewerbszentrale zeigt Tesla für das Model 3 in Deutschland im Internet keinen „Preis nach geschätzten Einsparungen“ mehr an. Die geschätzte Ersparnis im Vergleich zu einem Fahrzeug mit Benzinmotor führt der Elektroauto-Hersteller aber weiter auf – Tesla verzichtet lediglich darauf, sie für eine zweite Preisangabe auch abzuziehen.

          Der Konzern hatte zuvor zwei Beträge für Bar- und Ratenzahlungen ausgewiesen: den vollen „vor Einsparungen“ und einen um 5000 Euro niedrigeren, die man schätzungsweise über einen Zeitraum von fünf Jahren an Benzinkosten sparen werde.

          Die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs hatte dies beanstandet. Tesla führe Interessenten irre und verstoße gegen die Preisangabenverordnung. Die Berechnung sei willkürlich und intransparent, und eine solche „Einsparung“ könne nicht vom Kaufpreis abgezogen werden, da der Kunden beim Erwerb den vollen Betrag bezahlen müsse. Tesla habe sich nun verpflichtet, solche Werbung nicht zu wiederholen.

          Aktionäre wollen Musk das Twittern verbieten

          Unterdessen hat sich Firmenchef Musk abermals Ärger wegen seiner Aussagen über den Kurznachrichtendienst Twitter eingehandelt. Ein Großinvestor in den Vereinigten Staaten will auf dem Klageweg erreichen, dass der mitteilungsfreudige Tech-Milliardär das Twittern  einschränken muss. In einer im Bundesstaat Delaware eingereichten Klage fordert er ein permanentes Verbot von Musks „unkontrolliertem Gebrauch von Twitter für fehlerhafte Statements über das Unternehmen“.

          Das teilte die Kanzlei Grant & Eisenhofer am Freitag mit. Der Kläger ist nicht irgendwer, sondern ein amerikanischer Pensionsfonds. Das Verfahren ist als Sammelklage angelegt, andere Investoren können sich anschließen.

          Musk droht Suspendierung als Firmenchef

          Dem Verwaltungsrat von Tesla wirft der Kläger vor, durch mangelnde Aufsicht über Musks Online-Aktivitäten seine Pflichten gegenüber den Aktionären zu verletzen. Der Rechtsstreit folgt auf den jüngsten Twitter-Fauxpas Musks, mit dem dieser jüngst abermals die amerikanische Börsenaufsicht SEC gegen sich aufbrachte. Der Starunternehmer hatte Im Februar mit einem missverständlichen Tweet zu Teslas Jahresproduktion 2019 für Aufsehen gesorgt und damit laut SEC gegen Auflagen eines Vergleichs mit der Behörde verstoßen.

          Musk war im vergangenen Jahr nach Tweets, die in den Augen der SEC irreführend waren, von der Börsenaufsicht verklagt worden. Um einer Absetzung als Vorstandschef zu entgehen, stimmte er einem Vergleich zu. Dieser verbietet ihm unter anderem, eigenmächtig über seine Social-Media-Kanäle marktbewegende Nachrichten zu verbreiten.

          Musk droht damit abermals die Suspendierung als Vorstandsvorsitzender. Bis zu diesem Montag hat Musk Gelegenheit, sich zu erklären, warum der Tweet keine Missachtung des Gerichts darstellt. Musk hatte mitgeteilt, Tesla werde 2019 500.000 Fahrzeuge produzieren. Später präzisierte der die Aussage, dass nur 400.000 Stück ausgeliefert würden. Musk besteht darauf, dass die Information nicht neu gewesen sei, doch die SEC sieht das anders: Es habe dazu keine schriftliche Kommunikation gegeben.

          Es wurde kein Wertpapier gefunden!

          Schon im vergangenen Jahr waren einige Anlegerklagen gegen Tesla und Musk eingereicht worden, nachdem dieser die Märkte bei Twitter mit einem halbgaren und rasch wieder abgeblasenen Plan überrascht hatte, das Unternehmen von der Börse zu nehmen.

          Der sehr volatile Aktienkurs von Tesla befindet sich seit Dezember abermals in einem kurzfristigen Abwärtstrend. Auf mittlere Sicht geht er seit etwa Mitte 2017 indes seitwärts in einer Spanne zwischen 250 und 375 Dollar. Erst außerhalb dieser Spanne wird es langfristig interessant.

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