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Nahe Karlsruhe : Zweimal Glasfaserkabel für eine Gemeinde

  • -Aktualisiert am

Die Telekom legt nach. Bild: dpa

Die Telekom baut ihr Glasfasernetz weiter aus. Allerdings nicht da, wo es dringend benötigt wird.

          Während viele Gemeinden in Deutschland noch auf ihren Anschluss ans schnelle Internet warten, bekommt die Gemeinde Forst im Landkreis Karlsruhe gleich doppelt Glasfaserkabel: zuerst ein selbst organisiertes und jetzt auch eins der Telekom. Nachdem sich der Landkreis Karlsruhe selbst um den Ausbau der digitalen Infrastruktur dort gekümmert hat, verlegt die Telekom jetzt ein zweites Kabel. Wie kam es dazu?

          Der Landkreis Karlsruhe hatte 2014 gemeinsam mit den Kommunen die flächendeckende Verlegung von Glasfaserkabeln selbst in die Hand genommen. Ein extra dafür gegründetes Unternehmen, an der der Landkreis Karlsruhe Hauptanteilseigner ist, verlegt seitdem die Lichtwellenleiter in der Region. Den eigens initiierten Ausbau des Netzes begründet der zuständige Dezernatsleiter in Karlsruhe, Ragnar Watteroth gegenüber FAZ.NET. Laut Watteroth habe man zuerst bei der Telekom Anträge für den digitalen Ausbau der Region gestellt. Deren Pläne sahen jedoch die flächendeckende Bereitstellung von schnellem Internet vorerst nicht vor. Insbesondere Haushalte außerhalb des Zentrums wären aus wirtschaftlichen Gründen nicht oder nur unzureichend angeschlossen worden. Daher habe man beschlossen, selbst Glasfaserkabel zu den Haushalten zu legen.

          Die Telekom darf das

          Auf ebendiese legt die Telekom in Forst jetzt ihre eigenen. Ginge es nach dem Unternehmen, wären die Telekom-Kabel schon viel früher gekommen. Gegenüber FAZ.NET sagte ein Sprecher, das Unternehmen habe schon 2014 Pläne präsentiert, das Glasfasernetz auch in der Region Karlsruhe auszubauen. Die direkte Umsetzung sei jedoch an Verzögerungen im Genehmigungsprozess gescheitert. Jetzt baue das Unternehmen das Netz gemäß der früheren Pläne aus.

          Aus juristischer Sicht darf die Telekom das: auch wenn in Forst schon Kabel liegen. Verantwortlich dafür ist eine Entscheidung der Bundesnetzagentur aus dem Juli 2017. Aus deren Pressemitteilung geht hervor, dass die Telekom auf Grundlage des Gesetz zur Erleichterung des Ausbaus digitaler Hochgeschwindigkeitsnetze (kurz: DigiNetz-Gesetz) einen Mitverlegungsanspruch zugestanden bekommen hat. Dieser ermöglicht es der Telekom, sich mit eigenen Kabeln bei der Neuerschließung von Gebieten zu beteiligen – sofern sie sich an den Kosten in angemessenem Umfang beteiligt. Begründet wird die Entscheidung mit dem Willen der Bundesnetzagentur, einen Infrastrukturwettbewerb zu ermöglichen und damit verstärkt den Netzausbau zu fördern. In eben diesen Wettbewerb will die Telekom auch in Forst treten.

          Kritik an der Telekom-Aktion kommt von Kreis und Kommunen. Ragnar Watteroth kritisiert, dass die Telekom nur in den Kommunen mit einem eigenen Netz nachrüste, in denen der Landkreis bereits eigene Glasfaserkabel verlegt hat. Schuld an der Doppelverlegung sei der von der Telekom verfolgte Wettbewerb. „Den gibt es nur, wenn die kommunale Seite als erstes ein Netz angelegt hat“, sagt Watteroth. Dabei gäbe es laut Watteroth genügend Gebiete in der Region, die noch nicht angeschlossen seien.

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