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Zukunft des Einzelhandels : Dieser Roboter ist ein Publikumsmagnet

Peppers Gehör ist überfordert

Interessant zum Beispiel die Frage, ob kritische Bemerkungen über das Einkaufszentrum dem Roboter leichter anvertraut werden als einem menschlichen Interviewer. Interessant aber auch ganz andere Erkenntnisse: Mit dem Geräuschpegel eines Einkaufszentrums mag das menschliche Gehör ganz problemlos zurechtkommen, aber Pepper versteht seine Gesprächspartner oft nicht, wenn es um ihn herum zu laut ist. Dann sagt er auch mal „tschüss“, obwohl sein Gegenüber noch interessiert am Dialog wäre. Enttäuschung ist programmiert.

Die meisten Passanten im Einkaufszentrum sind geduldig mit dem Roboter. Das ist auch nötig. Denn besonders schlau ist dieser Pepper nicht. Man hat ihm zwar die Spielregeln für „Schnick-Schnack-Schnuck“ einprogrammiert, aber er kann trotz zweier Kameras nicht erkennen, welche Handbewegung sein Gegenüber macht. Stattdessen fragt Pepper den Mitspieler nach seinem Spielzug – und wird von manchem schamlos belogen, während andere mit großer Ernsthaftigkeit selbst dann ehrlich sind, wenn sie damit das Spiel verlieren.

Tendenziell, das ist der erste Eindruck aus der fünftägigen Feldstudie, traut man dem Roboter weit mehr zu, als er kann, wohl wegen seiner menschlichen Figur. Das Problem ist in der Industrie durchaus bekannt: Den Haus-Roboter Kuri etwa, der Geräusche meldet und Kindern Lieder vorsingen kann, hat der Technologiekonzern Bosch bewusst ohne Arme gestaltet, um bei Kunden gar nicht erst den Eindruck aufkommen zu lassen, er könne etwas halten oder transportieren. „Wir wollen mit Kuri zeigen, dass es für den Menschen inspirierend und schön sein kann mit einem Roboter zu interagieren“, heißt es dazu bei Bosch.

Das Potential des Roboters ist enorm

Was die nächste Stufe ist, kann man bisher nur erahnen. Hilfstätigkeiten im Verkauf sind schon denkbar, sagt Berater Rainer Volland: Gut denkbar, dass Pepper aufgrund eingespeicherter Lagerbestandsdaten Auskunft gibt, ob es die gewünschte Hose auch in einer anderen Größe gibt. Sogar eine passende Online-Bestellung könnte er aufnehmen. Pepper könnte auch als Navigator für das Einkaufscentrum auftreten, überlegt Center-Manager Kemal Düzel, oder auch Kunden vom Supermarkt zum Auto begleiten. Letztlich ist alles eine Frage der Programmierung : „Wie beim Handy, wo der Nutzen auch durch die einzelnen Apps entsteht“, sagt Wissenschaftler Patrick Meyer. Klar wäre aber auch, das ein mehrsprachiger Pepper deutlich teurer werden würde. Und das gilt auch dann, wenn er mit künstlicher Intelligenz ausgestattet und aus seinen Begegnungen lernen würde, etwa die Mimik der Menschen zu interpretieren.

Mit solchen Eigenschaften sollte man vorsichtig sein, warnt Berater Volland. Die Menschen dürften nicht den Eindruck gewinnen, ausspioniert zu werden. Und sie sollen sich auch nicht überfordert fühlen. Mit dem niedlichen Pepper, der sich bei „Schnick-Schnack-Schnuck“ problemlos übers Ohr hauen lässt, ist das Risiko gering. Gut unterhalten fühlten sich die Besucher im Einkaufszentrum trotzdem. „Wenn ich den mit ins Altersheim nehmen dürfte“, sagt die ältere Dame, „Wir hätten eine Menge Spaß damit.“

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