https://www.faz.net/-gqe-9hcoh

Mäzen aus Zimbabwe : „Afrika braucht eine grüne Revolution“

  • -Aktualisiert am

Bauern in Guiledge posieren für ein Foto. Bild: Reuters

Apps, Blockchain und mobile Börsen: Der Mobilfunkunternehmer Strive Masiyiwa ruft die junge Generation Afrikas zu einer radikalen Reform der Landwirtschaft auf.

          In Zimbabwe arbeiten 1,5 Millionen Kleinbauern. Eine Million von ihnen nutzen über ihren Mobilfunk täglich eine App, die ihnen Ratschläge gibt, was sie wann und wie anbauen sollten. Allein diese Zahl widerlegt die Mär, es gehe in Afrika nicht voran; sie entsteht, weil ausländische Beobachter vor allem mit oft träger Regierung und Verwaltung zu tun haben, nicht aber mit der aufstrebenden Zivilgesellschaft der jungen Generation.

          Einige dieser trafen sich im Senatssaal der Humboldt-Universität in Berlin. Unter ihnen waren etwa 50 Doktoranden aus Uganda und Ghana, Nigeria und Tansania, die sich am Zentrum für Entwicklungsforschung in Bonn fortbilden – vier Fünftel von ihnen werden nach Afrika zurückkehren. Ungewöhnlich war dieser Abend: weil unter den Zuhörern fast nur junge Afrikaner waren, darunter viele Frauen, und nicht wie sonst bei Afrika-Veranstaltungen in der Hauptstadt alternde weiße Männer und Regierungsvertreter; weil nicht über die Vergangenheit gesprochen wurde; weil alle Fragen und Antworten kurz, prägnant und konkret waren; und weil bei der Frage des Moderators, wer den Hauptgast befragen wollte, sich fast jede Hand im Saal hochstreckte.

          Der Hauptgast war der Mobilfunkunternehmer Strive Masiyiwa, dem mehr als drei Millionen „Fans“ auf Facebook folgen, mehr als jedem anderen Unternehmer der Welt. Vortrag und Debatte wurden im Livestream auf Facebook übertragen; nahezu im Sekundentakt kamen Kommentare aus jeder Ecke des englischsprachigen Afrika.

          Korruption ist die größte Tragödie

          Masiyiwa lebt nun im Exil in London, ist mit seiner Heimat aber immer noch eng verbunden. Seit vielen Jahren finanziert er die Ausbildung junger Afrikaner an Schulen und Hochschulen, zu jeder Zeit 40.000, bisher waren es eine Viertel Million. Ins Exil getrieben hatte ihn mit Todesdrohungen der ehemalige Diktator Zimbabwes, Robert Mugabe, weil er mit einer erfolgreichen Gerichtsklage das staatliche Telefonmonopol aufbrach.

          Er würde gerne bald in seine Heimat zurückkehren, sagte Masiyiwa. Der Gründer der panafrikanischen Econet-Gruppe wurde schon in jungen Jahren Kultfigur, der vor allem über soziale Netzwerke zum Unternehmertum und zum Handeln aufruft.

          Wie jeder Einzelne mit technischen Hilfsmitteln Korruption in Afrika bekämpfen könne – die „größte Tragödie dort draußen“ –, zeigte Strive Masiyiwa in Berlin mit Beispielen aus der Praxis: mit Geldzuweisungen an Kleinfarmer etwa, über „mobile wallets“ (mobile, auf dem Smartphone installierte Geldbörsen), was eine Abzweigung durch korrupte Beamten umgeht; durch die Nutzung der Blockchain-Technologie, um Geldflüsse jederzeit zu kontrollieren; oder auch, indem man Korruptionsversuche auf Facebook bekannt macht. Auch hier sehe er Fortschritte und Zuversicht in der neuen Generation sowie eine unglaubliche Energie unter den jungen Menschen – das Durchschnittsalter der Afrikaner liege bei 19 Jahren. 

          Masiyiwa warb in Berlin vor den jungen Akademikern für eine Heimkehr nach Afrika und für die Landwirtschaft. Diese sei in Afrika zwar kein Allheilmittel, sagt er. Sie biete aber große Chancen. Noch in diesem Jahrhundert werde es in Afrika zehn bis 15 Millionenstädte von der Größe der nigerianischen Hauptstadt Lagos geben – in der Metropole leben mit acht Millionen doppelt so viele Menschen wie in Berlin. Und deren Bewohner müssten ernährt werden. In Nigeria seien 70 Prozent aller Beschäftigten in der Agrowirtschaft, sie erhielten aber nur ein Prozent aller Bankkredite. Ein Problem seien Landrechte: Überwiegend Frauen arbeiten auf dem Land – einen im Grundbuch verfestigten Landtitel, der ihnen Sicherheit geben würde, hätten sie aber fast nie. Afrika habe als einziger Kontinent bisher keine „grüne Revolution“ erlebt. 

          So ruft der Vorsitzende der Agra (Allianz für eine grüne Revolution in Afrika) die Jungen dazu auf, sich nicht an Regierungen zu klammern, sondern Probleme zu identifizieren und sie selber zu lösen. Die frühere Generation wie Kwame Nkrumah und Julius Nyerere als Afrikas Gründungsväter habe ihre Aufgabe erfüllt, Afrika zu dekolonisieren und zu befreien. Das und auch die Debatten um afrikanischen Sozialismus sei aber Vergangenheit, an die man nicht seine Zeit verschwenden solle; nun gelte es, den Lebensstandard aller anzuheben – das sei die Mission dieser Generation.

          Weitere Themen

          Was Reisende jetzt wissen müssen

          Thomas Cook ist pleite : Was Reisende jetzt wissen müssen

          Die Insolvenz des britischen Reisekonzerns Thomas Cook verunsichert Tausende von Urlaubern. Geht mein Geld verloren? Wie sicher ist das Absicherungsversprechen? Die wichtigsten Fragen und Antworten für Reisende.

          Topmeldungen

          Passagiere des insolventen Reisekonzerns Thomas Cook am Flughafen von Palma de Mallorca.

          Thomas Cook ist pleite : Was Reisende jetzt wissen müssen

          Die Insolvenz des britischen Reisekonzerns Thomas Cook verunsichert Tausende von Urlaubern. Geht mein Geld verloren? Wie sicher ist das Absicherungsversprechen? Die wichtigsten Fragen und Antworten für Reisende.
          Volkstribun? Der Landesvorsitzende der AfD in Brandenburg, Andreas Kalbitz

          Populismus : Die da oben

          Populisten geben sich gerne als Männer und Frauen des Volkes. Am Beispiel der AfD kann man jedoch sehen: Kritiker der „Elite“ sind meist elitärer, als ihre Rhetorik vermuten lässt.
          Glitzernde Autoshows wollen die Marketingstrategen der Firmen nicht mehr.

          War’s das mit der IAA? : Dilettanten am Steuer

          Wie ruiniert man eine IAA? Man nehme streitende Konzerne, einen Frankfurter Oberbürgermeister und einen hilflosen Verband. Schadenfreude? Ist nicht angebracht. In Deutschland sollten die Alarmglocken schrillen.
          Das Mercedes-Benz Logo auf dem Turm des Hauptbahnhofes in Stuttgart.

          Brandbrief : Daimler-Vorstand rüttelt die Belegschaft wach

          Der Daimler-Vorstand Ole Källenius will mit einem Brandbrief seine Führungskräfte wachrütteln: Daimler will kurzfristig mindestens 4,2 Milliarden Euro einsparen. Die Mitarbeiter sollen selbst Ideen dafür finden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.