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Daten-Unternehmen : „Wir wollen die Demokratisierung der Daten“

Die beiden Gründer Michael Giese (links) und Alexander Sieverts. Bild: Achim Schmidt

Das Start-up „It’s my data“ möchte die Demokratisierung der Daten: Es lässt Nutzer die Informationen sammeln, die über sie im Netz im Umlauf sind – um selbst über sie zu verfügen.

          Für knapp 700 Euro kann man im Internet die Anschriften, Telefonnummern und E-Mail-Adressen von 3191 Restaurants im Umkreis von 50 Kilometern um Frankfurt kaufen. Auch von Privatpersonen gibt es allerlei Daten im Netz: Das bloße Eintippen eines Namens in eine Suchmaschine liefert häufig schon Beruf, Wohnort, manchmal sogar E-Mail-Adresse oder Geburtsdatum. Auch Anschriften und Telefonnummern können häufig gefunden werden, seitdem die Inhalte von Telefonbüchern online verfügbar sind. Noch viel mehr persönliche Daten speichern Unternehmen über Personen, von sozialen Netzwerken über Versandhändler bis hin zu Auskunfteien wie Schufa oder Arvato.

          Bastian Benrath

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wie wäre es nun, wenn ein Mensch alle persönlichen Daten, die über sie oder ihn in der Welt sind, an einem Ort zusammenführen könnte – um dann nur bestimmten Unternehmen zu erlauben, sie zu nutzen? Genau das ist die Vision des Start-ups It’s my data (deutsch: „Es sind meine Daten“) aus München. „Wir wollen dem Nutzer wieder die Hoheit über seine Daten geben“, sagt Michael Giese, einer der beiden Gründer des Jungunternehmens. „Kurz: die Demokratisierung der Daten.“

          Gegenleistung für persönliche Daten

          Ihr Ziel ist, dass Unternehmen nur dann noch an Daten über Personen gelangen, wenn sie diese selbst von ihnen erbitten und ihnen dafür eine Gegenleistung anbieten. Das ist freilich noch Zukunftsmusik – doch die beiden Gründer haben sich vorgenommen, darauf hinzuarbeiten, fügt sein Partner Alexander Sieverts hinzu. „Wir haben das Unternehmen nicht gegründet, um nach einer Zeit einen profitablen Exit hinzulegen, sondern aus Überzeugung“, sagt Giese. Diese für Start-ups eher ungewöhnliche Haltung erklärt sich ein Stück weit darüber, dass Giese und Sieverts keine typischen Gründer sind: Die beiden sind 53 und 51 Jahre alt und haben beide ansehnliche Karrieren hinter sich gebracht, bevor sie sich entschlossen zu gründen.

          Das Prinzip von It’s my data ist eigentlich simpel: Nutzer können sich auf itsmydata.de kostenlos ein Konto anlegen und dann damit beginnen, die über sie bei Unternehmen vorhandenen persönlichen Daten zusammenzutragen. Vorgefertigte Anträge darauf stellt die Plattform bereit, die Nutzer müssen sie nur ausfüllen und abschicken. Grundlage dafür, dass die Unternehmen auf eine solche Anfrage hin die einen Nutzer betreffenden Daten auch herausgeben müssen, ist die neue europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die jeder Person unter anderem das Recht dazu einräumt, über sie gespeicherte Daten einzusehen, korrigieren zu können oder löschen zu lassen.

          Gewinn mit Daten

          So können recht einfach die eigenen Daten von Twitter, Facebook oder Google abgefragt werden, ebenso wie von Onlinehändlern, zahlreichen anderen Unternehmen und den vier großen Auskunfteien Schufa, Creditreform Boniversum, Arvato und Crif Bürgel. Zurückkommende Daten sortiert die Plattform automatisch in eine von zwölf Kategorien und bereitet sie grafisch auf, damit sie verständlich werden. So können sich Nutzer ein Bild davon machen, was für Daten über sie überhaupt im Umlauf sind.

          Das kann auch durchaus praktisch sein, um die Daten auf ihre Richtigkeit hin zu überprüfen – und nicht erst bei einer negativen Schufa-Auskunft zu merken, dass die dort gespeicherten Daten einen Fehler enthalten. Rund 6000 Nutzer haben sich in den vergangenen knapp zwei Jahren für ein Konto registriert, obwohl das Unternehmen bislang noch keine Werbung macht.

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