https://www.faz.net/-gqe-9dgbu

Musikstreaming : Werden Songtexte Spotify zum Verhängnis?

  • Aktualisiert am

Spotify läuft der Konkurrenz bei Liedtexten hinterher. Bild: Reuters

Spotify ist der Marktführer auf dem Gebiet der Musikstreamingdienste. Doch die Konkurrenz schläft nicht – und hat die Schweden in einer wichtigen Funktion längst überholt.

          Mit seinem umfangreichen Streamingangebot und cleveren Playlisten hat Spotify seit seiner Gründung im Jahr 2006 den Musikmarkt revolutioniert. Mittlerweile tummeln sich dort jedoch auch jede Menge anderer Dienste, die dem börsennotierten Unternehmen Musikfans streitig machen. Noch ist Spotify mit 83 Millionen Abonnenten das Alphatier, doch die großen Konkurrenten – Apple, Google und Amazon – haben dem Pionier einen klaren Wettbewerbsvorteil voraus, der für die Schweden zum Problem werden könnte: Songtexte.

          Während Spotify seinen Hörern nur manchmal und dann auch nicht vollständig Texte zu den Liedern anzeigt, sind Apple und Amazon schon einen Schritt weiter. Die beiden Internet-Giganten liefern sich derzeit so etwas wie einen Wettlauf auf diesem Gebiet.

          So sollen Nutzer der neuen Version von Apple Music, die von Herbst dieses Jahres an gemeinsam mit dem neuen Betriebssystem iOS 12 verfügbar sein wird, nicht nur wie schon bisher Zugang zu Songtexten haben. Darüber hinaus soll es ihnen möglich sein, über Textpassagen nach Liedern zu suchen.

          Spotify-Chef weiß von nichts

          Amazon Music bietet Nutzern seines Sprachassistenten Alexa diesen Service schon seit fast zwei Jahren. Nicht nur können die Songtexte während des Abspielens verfolgt werden. Alexa kann auch aufgefordert werden, über Liedtexte nach bestimmten Songs zu suchen. Seinerzeit galt diese Funktion noch als Geheimtipp – heute ist sie für Alexa-Nutzer Standard.

          Und während Google zwar noch nicht mit den Streamingangeboten von Spotify und Co. mithalten kann, ist auch der smarte Google-Assistent in der Lage, Liedtexte zur Suche von Liedern zu nutzen. Außerdem kann er, wie die App Shazam, Lieder erkennen, die in der Nähe gerade gespielt werden.

          Auf dem Gebiet der Songtexte verliert Spotify den Vergleich mit der Konkurrenz also um Längen. Ähnliche Funktionen sind bislang nur in Japan verfügbar. Informationen darüber, wann die Songtext-Suche auch auf anderen Märkten eingeführt werden soll, sind nicht bekannt. Wie „Techcrunch“ berichtet, testet Spotify die Funktion derzeit nur in Thailand und Vietnam, jedoch ohne großen Aufwand. Demnach soll nicht einmal Konzernchef Daniel Ek über die Tests im Bilde gewesen sein. Ganz anders Amazon und Apple: Hier arbeiten spezielle Teams ausschließlich an der Weiterentwicklung der Songtext-Funktionen.

          Von Apple überholt

          Bislang zeigte Sportify nur zarte Versuche, seinen Mitgliedern einen entsprechenden Service zu bieten. Eine Kooperation mit Genius führte 2016 die Funktion „Behind the Lyrics“ ein. Seither werden zwar für manche Lieder einzelne Textpassagen angezeigt, jedoch immer wieder von Hintergrundinformationen etwa zu dem Interpreten unterbrochen. Im selben Jahr scheiterte eine Partnerschaft mit dem Unternehmen Musixmatch, das das Thema Songtexte für Spotify übernehmen sollte. 

          Die Nachfrage nach einem umfangreichen Angebot von Liedtexten ist jedoch ungebrochen hoch. Auf Social-Media-Plattformen und Foren tauchen immer wieder entsprechende Anfragen auf. Und im Spotify-Feedback-Forum gehören Songtexte zu den am häufigsten nachgefragten Produktideen. 

          Überhaupt scheint Spotify den Trend zu Sprachfunktionen verschlafen zu haben. Erst dieses Frühjahr experimentierte das Unternehmen mit einer Sprachsuche. Jetzt können immerhin die Premium-Abonnenten durch Drücken des Such-Knopfes Spotify dazu auffordern, Musik, Playlisten, Podcasts oder Videos abzuspielen. Bei Apple, Amazon und selbst kleineren Diensten wie Pandora geht das aber schon längst nur über den Einsatz der Stimme. Allerdings: Erst kürzlich ist Spotify eine Kooperation mit Samsung eingegangen, durch die das Musikangebot auch über den Samsung Sprachassistent Bixby abrufbar sein soll. 

          In der Zwischenzeit holt Apple Music kräftig auf. Anfang des Monats hatte Apple mitgeteilt, dass die Nutzerzahlen seines eigenen Musikdienstes in einigen Gebieten mittlerweile über den Abonnenten von Spotify liegen. Insgesamt hören 45 Millionen Menschen ihre Musik über den Apple-Dienst. Apple-Chef Tim Cook sprach sich zudem dagegen aus, Algorithmen zu viel Macht über Musik zu geben, um ihre „spirituelle Rolle“ zu bewahren.

          Weitere Themen

          Dieselskandal kommt vor BGH Video-Seite öffnen

          Showdown gegen VW : Dieselskandal kommt vor BGH

          Der Dieselskandal wird zum Fall für den Bundesgerichtshof (BGH): Der Dienstleister Myright wirft VW wegen des Einbaus von Schummelsoftware in Dieselautos unter anderem Betrug und sittenwidriges Verhalten vor.

          Topmeldungen

          Umstritten: der frühere Präsident des Bundesverfassungsschutzes Hans-Georg Maaßen

          Früherer Verfassungsschutzchef : Maaßen tritt der konservativen „WerteUnion“ bei

          Dem früheren Präsidenten des Verfassungsschutzes Hans-Georg Maaßen und dem sächsischen Politikwissenschaftler Werner Patzelt ist die Union nicht mehr konservativ genug: Sie sind der „WerteUnion“ beigetreten, die vor allem die Migrationspolitik der Kanzlerin entschieden kritisiert.
          Die Macht hält Erdogan allein in seinen Händen, bei Geschäftemacherei lässt er auch andere ran, wenn sie ihm nützlich sind.

          Brief aus Istanbul : Alle Geschäfte aus einer Hand

          Seit dem gegen ihn gescheiterten Putsch setzt Präsident Erdogan überall Vasallen ein – auch bei den von ihm kontrollierten Medien. Sein neuester Coup sind Fußballwetten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.