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Sorge um Marktdominanz : EU genehmigt Vodafones Milliardendeal

Vodafone-Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter Bild: dpa

Mit der Übernahme von Unitymedia dominiert Vodafone künftig das deutsche Kabelnetz. Der Vodafone-Chef spricht von 25 Millionen Haushalten, die bald mit Gigabit-Tempo an das Internet angebunden werden. Die Wettbewerber sind besorgt.

          Vodafone ist die neue Großmacht im deutschen Kabelgeschäft: Die EU-Kommission hat die 18,4 Milliarden Euro schwere Übernahme der Kabelnetze des Betreibers Liberty Global in Deutschland, Tschechien, Ungarn und Rumänien durch den Mobilfunkkonzern unter Auflagen gebilligt. Die Bedingungen sollten sicherstellen, dass Kunden weiterhin von fairen Preisen, hochwertigen Dienstleistungen und innovativen Produkten profitieren könnten, sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager am Donnerstag in Brüssel. Hierzulande übernimmt Vodafone die Netze der Liberty-Tochtergesellschaft Unitymedia und ist damit künftig in allen 16 Bundesländern präsent.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Insgesamt prüfte die Kommission 272 Tage lang die bereits im vergangenen Jahr angekündigte Übernahme. Am Ende blieben laut Vodafone zwei Bedenken übrig: Zum einen herrschte in Brüssel die Sorge, dass durch den Wegfall des DSL-Angebots im Unitymedia-Verbreitungsgebiet in Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen möglicherweise der Wettbewerb eingeschränkt wird. Zum anderen stieß die künftig größere Verhandlungsmacht im Fernsehmarkt auf Bedenken.

          Dies habe man mit einem Auflagenpaket auflösen können, erklärte Vodafone. Der Telekommunikationskonzern öffnet dafür sein Kabelnetz in ganz Deutschland für den Konkurrenten Telefónica und gewährt TV-Sendern nach eigenen Angaben mehr Flexibilität und Unabhängigkeit. Vestager zufolge dürfen die Gebühren für frei empfangbare Fernsehsender, die ihre Programme über das Kabelnetz von Vodafone in Deutschland übertragen, nicht erhöht werden.

          Besorgte Konkurrenten

          Nach der EU-Genehmigung werde nun das sogenannte Closing, also der Vollzug des Kaufvertrags, zum Monatsende erfolgen, und die Integration könne beginnen. „Damit schaffen wir nach fast zwei Jahrzehnten der Trennung wieder ein vereinigtes Kabelnetz in ganz Deutschland. Und können Deutschland von einem der langsamsten zu einem der schnellsten Digitalstaaten auf dem Kontinent machen“, sagte Vodafone-Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter.

          In den kommenden drei Jahren will Vodafone über sein Kabel insgesamt 25 Millionen Haushalten eine Internetanbindung mit Gigabit-Tempo ermöglichen. Künftig ist der Konzern in Europa nach eigenen Angaben nicht nur der größte Mobilfunkanbieter, sondern auch der größte Anbieter von Internetbreitbandangeboten.

          Bis zuletzt hatten Konkurrenten vor einer Zustimmung der EU-Kartellbehörden gewarnt. Der Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko), der mit 334 Mitgliedsunternehmen den Großteil der Festnetzwettbewerber der Deutschen Telekom verbindet, befürchtet durch das künftige Quasi-Monopol Vodafones im Kabelsektor eine erhebliche Einschränkung des Wettbewerbs. Vodafone und Telekom könnten sich im Rahmen einer „friedlichen Ko-Existenz“ den Markt in einem Duopol aufteilen, so die Sorge.

          Vor etwa zwei Jahrzehnten hatte die Deutsche Telekom ihr TV-Kabelnetz auf Druck der EU-Kommission abgegeben und sie an mehrere regionale Anbieter veräußert. Die Kabel spielen längst auch beim schnellen Festnetz-Internet eine entscheidende Rolle. Vodafone hatte im Frühjahr 2018 den Kabel-Deal mit Liberty angekündigt. Mit dem Zukauf stärkt Vodafone seine Position auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt wesentlich. Die Zahl der TV-Kunden springt von 7,7 auf 14 Millionen, die Zahl der Internetkunden von 6,5 auf 10 Millionen. Viele Kunden haben sowohl einen Fernseh- als auch einen Internetvertrag.

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