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Datenskandal und Datenschutz : So können Sie Ihre Online-Daten kontrollieren

Google, Facebook, Amazon und Twitter sind nur die prominentesten Internetunternehmen, die Daten sammeln. Bild: Picture-Alliance

Nutzer der Online-Plattformen können viel darüber erfahren, wer an den eigenen Daten Interesse hat und welche Daten gespeichert werden. Hier steht wie.

          Angesichts der Nachrichten der vergangenen Tage mag manch einer das Gefühl haben, dass es Zeit wäre, den Computer wegzuschmeißen und das Smartphone zu verbuddeln. Der Skandal um Facebook und Cambridge Analytica hat viele Internetnutzer daran erinnert, was man gerne vergisst und verdrängt: Im Internet hinterlassen wir alle Spuren, woraus sich sehr detaillierte Profile ableiten lassen. Manchmal hilft es, sich das mit Zahlen zu vergegenwärtigen. Wer sich seit einigen Jahren auf Facebook herumtreibt, immer mal wieder Inhalte teilt, Status-Updates von Freunden kommentiert oder in Gruppen kommuniziert, häuft allerhand Daten an.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Die Kopie der Facebook-Daten des Autors dieses Textes ist auch in einer komprimierten Datei noch etwa 255 Megabyte groß. Darin zu finden sind Fotos, Videos, Hunderte Nachrichten, sogar Audiodateien. Gespeichert wird die Liste der Freunde, selbst ehemalige Bekannte tauchen auf, von denen man sich auch digital längst verabschiedet hat. Werbeprofile sind aufgelistet genauso wie die IP-Adressen und Standorte der Geräte, mit denen man sich auf dem Profil eingeloggt hat.

          Nur ein Bruchteil der Daten wird angezeigt

          Im Kurzmitteilungsdienst Twitter ging vor einigen Tagen sogar die Aussage eines Facebook-Mitglieds herum mit der Behauptung, dass in seinem Profil Telefonanruflisten und Gespräche aufgezeichnet wurden. Freilich werden überall, wo man sich anmeldet, Daten gespeichert. Internetnutzer können von vielen Internetdiensten aber einiges darüber erfahren, was über sie gespeichert wird. Natürlich sind diese Funktionen meistens sehr versteckt.

          Facebook, Amazon, Google oder Twitter wollen ihre Nutzer nicht die ganze Zeit daran erinnern, welche detaillierten Profile im Laufe der Jahre auf den Plattformen angelegt wurden. So hat Mark Zuckerberg nun angekündigt, dass die Privatsphäre-Einstellungen künftig oben im Nachrichtenstrom der Timeline angezeigt werden sollen. Unklar ist, wie lange sie dort stehen und wann sie wieder tief in den Einstellungen vergraben werden. Um eine Kopie der Facebook-Daten zu erhalten, klickt man sich über die Einstellungen in die „Allgemeinen Einstellungen“ und kann dort die Datei anfordern.

          Allerdings weist der Jurist Max Schrems, der sich lange mit Facebook über die Herausgabe seiner Daten gestritten hat, darauf hin, dass dort nur ein Bruchteil der Daten angezeigt wird. Das Recht auf Einsicht geht viel weiter. Über Beschwerden in Irland kann man die Facebook-Manager ärgern und herausfinden, wie viel das soziale Netzwerk über einen gespeichert hat. Mehr Rechte bekommen Nutzer zudem von Ende Mai an, wenn die sogenannte Datenschutzgrundverordnung in Kraft tritt. Dann müssen Unternehmen, die Kundendaten verarbeiten, auf Anfrage ihrer Nutzer alle persönlichen Informationen herausgeben.

          Nutzer können selbst aktiv werden

          Wer also sein Profil löschen möchte, sollte am besten noch bis Ende Mai damit warten, um dann nachvollziehen zu können, was eigentlich alles wirklich gespeichert ist. Zudem sollten Internetnutzer, die nun so weit gehen wollen, daran denken, dass sie eventuell ihr Facebook-Profil mit anderen Internetdiensten verlinkt haben. So melden sich viele Spotify-Nutzer auf der Streamingplattform mit ihren Facebook-Daten an, um sich nicht noch einen Benutzernamen und ein Passwort zu merken. Wer dann das Profil aus Facebook entfernt, muss mitunter alle seine Play-Listen neu zusammensuchen.

          Verhindern kann man das übrigens, indem man auf „Passwort vergessen“ klickt, den Spotify-Account aus dem Facebook-Profil entfernt und sich dann mit einer neuen E-Mail-Adresse einloggt. Ähnliche Tricks funktionieren auch auf der Wohnungsbörse Airbnb oder der Datingplattform Tinder, die ebenfalls beliebte mit Facebook verknüpfte Apps sind.

          Welche dieser Programme man mit dem Facebook-Account verknüpft hat, ist unter dem Reiter „Apps“ zu finden. Das Feld „Von anderen Personen verwendete Apps“ sollte regelmäßig kontrolliert werden, dort sind standardmäßig allerhand Daten freigegeben. Das gilt vor allem für all jene, die nicht gleich ihr ganzes Facebook-Profil löschen wollen. Dann sollte man auch kontrollieren, welche Informationen unter der Einstellung „Werbeanzeigen“ gespeichert sind. Aufgelistet wird dort nicht nur das Nutzerverhalten, sondern auch die Smartphones, mit denen man auf Facebook zugreift, oder welche Werber sich für die Nutzerdaten interessieren.

          Ähnliches funktioniert für Twitter und Google. Bei dem Kurznachrichtendienst kann man in den Account-Einstellungen sein persönliches Archiv anfordern und in den Apps unter „Datenschutz und Sicherheit“ über den Reiter „Individualisierung und Daten“ herausfinden, welche Werber besonders interessiert am Profil sind, welche Interessen Twitter für einen identifiziert oder welche Standorte gespeichert sind, an denen man sich eingeloggt hat. Google hat unter myaccount.google.com sogar eine Karte angelegt, auf der man seine Wege verfolgen kann, wenn man das denn im Konto zugelassen hat. Dort kann man auch alle eigenen Daten als Kopie herunterladen oder gesammelt und einzeln löschen.

          Wer all diese Kopien einmal studiert hat, kommt gelegentlich zum Schluss, dass Datensparsamkeit auf bestimmten Internetseiten sinnvoll ist. Wer allerdings die meist kostenlosen Dienste nutzen will, muss den Handel eingehen, Daten dafür abzugeben.

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