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Kampf der Wirtschaftsmächte : So hart treffen Huawei die amerikanischen Sanktionen

Das Huawei Research Center in Schanghai Bild: Reuters

Huawei muss derzeit einen Schlag nach dem anderen einstecken. Jetzt hat sich ein überlebenswichtiger Partner von dem Konzern abgewandt. Das lässt auch andere Unternehmen zittern.

          Alleingänge sind in der Welt der Smartphones unmöglich. Wo Apple draufsteht, steckt ein Bildschirm von Samsung drin. Wer ein Gerät von Samsung kauft, lässt auch die Umsätze von Sony wachsen. Denn die Japaner statten nahezu alle Smartphones dieser Welt mit ihren Kamera-Chips aus. Die Hersteller sind aufeinander angewiesen. Durch die von Präsident Donald Trump verhängten Sanktionen zeigt sich, dass die Abhängigkeit von Zulieferern gefährlich sein kann. Huawei trifft es zurzeit doppelt.

          Marco Dettweiler
          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Erst musste Huawei zur Kenntnis nehmen, dass das Betriebssystem Android, das auf allen Geräten des chinesischen Unternehmens läuft, bald nur noch eine abgespeckte Version sein wird, weil der amerikanische Technologiekonzern Google Trumps Sanktionen folgt. Diese Attacke könnten die Chinesen noch abwehren, wenn sie im Herbst etwas früher als geplant, ihr eigenes Betriebssystem einführen.

          Viel härter aber trifft Huawei, dass der britische Chipspezialist ARM ihnen vorerst wichtige Teile seiner Technologie verwehrt. Diese sei teilweise an Standorten in den Vereinigten Staaten entwickelt worden und unterliege deshalb den amerikanischen Sanktionen. „ARM hält sich an die jüngsten Restriktionen der amerikanischen Regierung“, teilte das britische Unternehmen auf Anfrage mit. Man sei mit den amerikanischen Behörden weiterhin in Gesprächen und hoffe auf eine baldige Lösung. ARM bezeichnete zugleich die von den Sanktionen betroffene Huawei-Chipsparte HiSilicon als „langjährigen Partner“, die Zusammenarbeit werde als wertvoll angesehen.

          Ohne ARM sind alle Innovationen wertlos

          Ohne die Lizenzen des Partners fehlt Huawei das technisch notwendige Fundament für die hauseigenen Kirin-Chipsätze. Auf einem „System on a chip“ (SoC) stecken fast alle Bestandteile, die ein Smartphone braucht, um Hardware und Software zu steuern. Darunter sind Hauptprozessor, Arbeitsspeicher, Grafikeinheit, Batteriemanagement, Mobilfunkmodem und Taktgeber. Viele dieser Elemente hat Huawei in seinen Kirin-SoC selbst entworfen. Die Chinesen haben früh damit angefangen, einen neuromorphen Prozessor in ihren Chip zu integrieren, der Funktionen für Künstliche Intelligenz übernimmt.

          Doch all diese Innovationen sind wertlos, wenn Huawei nicht auf die sogenannte ARM-Architektur zugreifen kann. Das britische Unternehmen hat eine Monopolstellung. Alle Handys und weitere smarte Geräte brauchen die Technik der Briten, damit die einzelnen Elemente auf dem Chipsatz miteinander kommunizieren können. Sie steckt in Apples Chip A12 Bionic, der die aktuellen iPhones antreibt. Ebenso braucht Samsung die ARM-Lizenzen, obwohl die Koreaner eine Chip-Reihe namens Exynos aus eigener Entwicklung produzieren, die in vielen Samsung-Smartphones integriert ist. Die führenden Smartphone-Hersteller Apple, Samsung und Huawei sind also abhängig von dem britischen Unternehmen.

          Auch in der Herstellung der Chips besteht eine Abhängigkeit von einem einzigen Auftragsfertiger. TSMC mit Sitz in Taiwan ist der weltgrößte Mikrochip-Hersteller und baut die aktuellen Chips von Apple, Huawei und Qualcomm. Lediglich Samsung produziert die Exynos-Reihe in den Fabrikhallen seiner Halbleiter-Sparte. Huaweis Chipsparte HiSilicon sollte in diesem Jahr der größte Abnehmer bei TSMC werden. Trumps Sanktionen könnten dieses Unternehmen treffen.

          Pompeo bezichtigt Huawei-Gründer der Lüge

          Ein Sprecherin sagte in einen Interview allerdings, dass das Unternehmen weiterhin Huawei beliefern würde. Egal, ob die Hersteller von Smartphones ihre Chipsätze selbst entwerfen und fertigen oder von Marktführer Qualcomm kaufen: An der ARM-Architektur kommt kein Hersteller vorbei. Dass Huawei dieses Mal sehr wahrscheinlich keinen Plan B hat, zeigt die bisher einzige offizielle Reaktion eines Huawei-Sprechers: „Wir schätzen unsere engen Beziehungen zu unseren Partnern. Wir sind zuversichtlich, dass diese bedauerliche Situation gelöst werden kann.“

          Doch nicht nur Huawei hat ein Problem. Wenn der zweitgrößte Hersteller aus politischen Gründen weniger oder vielleicht gar keine Smartphones mehr herstellen kann, werden auch Zulieferer wie Sony leiden, die mit ihren Kamera-Chips am Huawei-Erfolg mitverdienen. Die Chinesen haben allein im ersten Quartal dieses Jahres sechzig Millionen Geräte verkauft. Dass Trump nicht nur die Chinesen trifft, sondern weitere Branchen aus den Fugen geraten könnten, davor warnte ein Huawei-Manager auf einer Konferenz des Hasso-Plattner-Instituts in Potsdam. „Heute geht es gegen Huawei, morgen könnte es Ihre Branche, Ihr Unternehmen und Ihre Verbraucher sein.“

          Die Amerikaner lässt das indes alles kalt. Außenminister Mike Pompeo hat dem Huawei-Gründer Ren Zhengfei vorgeworfen, über die Verbindungen des Konzerns zur chinesischen Regierung zu lügen. „Das Unternehmen ist nicht nur eng mit China, sondern auch mit der chinesischen Kommunistischen Partei verbunden“, sagte er dem Sender CNBC am Donnerstag. „Die Existenz dieser Verbindungen gefährdet amerikanische Informationen, die über diese Netze übermittelt werden.“ Huawei sei nach dem Gesetz verpflichtet, mit der chinesischen Regierung zusammenzuarbeiten. Er gehe daher davon aus, dass weitere Unternehmen die Kooperation mit Huawei einstellen würden. 

          So hat etwa jetzt auch Panasonic angekündigt, die Lieferungen einiger Bauteile an den Netzausrüster und Smartphone-Anbieter auszusetzen. Das japanische Unternehmen hat seine Entscheidung mit der amerikanischen Regelung begründet, dass Produkte aus anderen Ländern amerikanischen Exportkontrollen unterliegen können, wenn mehr als 25 Prozent ihres Wertes aus den Vereinigten Staaten kommen. Panasonic teilte mit, man müsse Transaktionen mit Huawei und 68 Tochterfirmen der Chinesen „suspendieren“.

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