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Moderne Lieferketten : Eine Blockchain für den Schwarzen Seehecht

Dank der Blockchain kann das Essen mit der App verfolgt werden. Bild: Opensc

Woher kommt mein Fisch? Die Antwort liefert die Blockchain, auf der Infos der ganzen Lieferkette gespeichert sind. Das Start-up Opensc nutzt die Technologie, um ökologische und soziale Standards nachzuweisen.

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          Wer Blockchain sagt, meint Bitcoin – so war es lange Zeit. Die Digitalwährung ist das berühmteste Anwendungsbeispiel der Technologie, die seit knapp zehn Jahren eines der digitalen Schlagwörter ist. Doch die Idee, Informationsstränge in einer dezentralen Datenbank sicher zu dokumentieren, hat inzwischen nicht nur im Finanzsektor Anhänger gefunden. Überall dort, wo Transaktionen stattfinden, vor Manipulation geschützt und nachvollzogen werden sollen, kann die Blockchain-Technologie eine Lösung sein: So haben einige Länder, darunter zum Beispiel Schweden, ein auf der Blockchain basierendes Grundbuch. Vorstellbar ist auch, dass in Zukunft einzelne Nutzer ihren privaten Haushaltsstrom anderen Menschen zur Verfügung stellen – zum Beispiel zum Laden von Elektroautos – und die genutzten Kilowattstunden über die Blockchain abrechnen.

          Jessica von Blazekovic

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Enormes Potential hat der Einsatz von Blockchain-Technologie auch in Lieferketten – insbesondere dann, wenn die Einhaltung von ökologischen und sozialen Standards garantiert werden soll. Denn nachhaltiger Konsum ist zwar im Trend, aber in der Praxis leichter gesagt als getan. Wie sollen Verbraucher im Supermarkt etwa überprüfen, wie viele CO2-Äquivalente für die Herstellung eines Produktes ausgestoßen wurden? Oder ob die Angestellten eines Produzenten wirklich fair bezahlt werden? Ohne aufwendige Recherche oder blindes Vertrauen in Gütesiegel ist das nicht möglich.

          Einige Unternehmen glauben, dass die Blockchain hier Abhilfe schaffen kann. Eines davon ist Opensc. Das Start-up wurde gemeinsam von der Umweltorganisation World Wide Fund for Nature (WWF) Australien und BCG Digital Ventures (BCGDV) gegründet, einem Tochterunternehmen der Beratungsfirma Boston Consulting Group, das Digitalunternehmen aufbaut und fördert. Anfang des Jahres feierte Opensc seinen Launch auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Ähnlich wie IBM Food Trust, Ripe.io oder Bext360 setzt das Start-up Blockchain und andere Technologien wie zum Beispiel Künstliche Intelligenz ein, um die Lieferketten von Produkten nachzuverfolgen und Konsumenten darüber zu informieren. Gerade erst sammelte das Unternehmen dafür 4 Millionen Dollar (3,6 Millionen Euro) frisches Kapital ein, unter anderem von dem umtriebigen Schweizer Risikokapitalgeber Christian Wenger.

          Getaggte Fische

          Markus Mutz, ehemaliger BCGDV-Direktor für den Raum Asien, hat das Unternehmen mit Sitz in Berlin und Sydney von Anfang an begleitet und ist mittlerweile dessen Geschäftsführer. „Unsere Vision war es, ein technologiebasiertes Start-up zu bauen, das einen Beitrag zum Umweltschutz leisten kann“, sagt Mutz im Gespräch mit der F.A.Z. Dieses ambitionierte Vorhaben hat Opensc bislang gemeinsam mit einem Unternehmen erprobt, dem australischen Fischereibetrieb Austral Fisheries, der die Technologie von Opensc seit dieser Saison vollständig in seine Abläufe integriert hat.

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