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Industrie der Zukunft : So digital ist Deutschland

Bild: Getty

Deutschland ist beim Mobilfunkausbau international „völlig abgeschlagen“. In anderen Bereichen steht die deutsche Industrie besser da, als viele vermuten. Doch das Tempo der Veränderungen nimmt zu.

          So wie jedes Jahr die Hannover Messe kommt, so kommen zur größten Investitionsgüterschau der Welt (mehr als 6000 Aussteller) auch die Studien darüber, wo Deutschland im internationalen Vergleich bei der Digitalisierung steht. Die Ergebnisse reichen von Weltspitze oder fast Weltspitze (meist dann hinter China) über Mittelfeld, Schwellenland bis zum Urteil „völlig abgeschlagen“.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Wenn es um den Ausbau des 4G-Mobilfunknetzes geht, liegt Deutschland etwa nach Berechnung des Internetverbandes Eco in Europa auf Rang 32 von 36 Ländern; gemessen an der Geschwindigkeit (Megabytes je Sekunde) liegen nur Georgien, Polen, Russland und Weißrussland hinter der Bundesrepublik. Und das bei 4G wohlgemerkt, nicht im nächsten Mobilfunkstandard 5G, dessen Lizenzen gerade hierzulande versteigert werden.

          Die Fachleute der Unternehmensberatung Boston Consulting Group wiederum analysieren, dass Deutschland in der Künstlichen Intelligenz (KI) besser dasteht, als viele vermuten. Beinahe jedes zweite Unternehmen beschäftigt sich nach dieser Auswertung mit KI – nur in China ist der Anteil demnach größer. „China profitiert davon, dass die Unternehmen dort über alle Branchen hinweg vergleichsweise jung, agil und innovationsfreudig sind“, sagt BCG-Partner Jörg Erlebach: „In reifen Volkswirtschaften und weit entwickelten Branchen tendieren Unternehmen zu einer gewissen Trägheit, was Neuerungen angeht.“

          Mancher Auftrag wird gar nicht mehr manuell betrachtet

          Dieses Ergebnis dürfte realistisch sein. In Deutschland arbeiten viele Unternehmen an den Themen Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Blockchain oder 5G. Der sogenannte Digitale Zwilling, also die digitale Simulation und Begleitung des Produktionsprozesses, ist mittlerweile in neuen Anlagen gängig. Das spart Rüstzeiten und Einarbeitungskosten. Am elektronischen Datenaustausch mit Kunden arbeiten viele Unternehmen – Aufträge werden häufig nur noch digital entgegengenommen, direkt in die Produktionsplanung eingespeist, dort simuliert, automatisch bestätigt, abgearbeitet und bis zum Zahlungseingang verfolgt, so dass mancher Auftrag überhaupt nicht mehr manuell betrachtet wird. In ersten Ansätzen wird auch der unternehmensübergreifende Datenaustausch mit Zulieferern gesucht.

          Auf der Hannover Messe zeigt sich, wie beherrschend die Digitalisierung für die Industrie inzwischen geworden ist. Der Messegesellschaft ist bewusst, dass „5G die Industrie in die Lage versetzen wird, das ganze Potential von Industrie 4.0 zu heben“, wie Jochen Köckler sagt, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Messe AG. Gemeinsam mit dem Netzausrüster Nokia errichtet sie ein 5G-Testfeld, in dem industrielle Anwendungen vorgeführt werden. „Im Rahmen der digital vernetzten Industrie wird es Zehntausende Sensoren auf einem Werksgelände geben, die Daten erfassen und weiterleiten.

          5G erreicht als erste Technologie, so viele Sensoren zu verbinden. Erstmals gelingt es, große Datenmengen in Echtzeit über drahtlose Netze zu senden“, hebt VDE-Präsident Gunther Kegel die Bedeutung der neuen Technik hervor. „Hier verbinden sich erstmals Telekommunikationsindustrie und industrielle Automatisierungstechnik“, beschreibt Andreas Müller dies, er ist Vorsitzender der Initiative 5G-ACIA, in der 40 Industrieunternehmen von Bosch bis Sony und von ABB über die Deutsche Telekom bis hin zu China Mobile kooperieren.

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