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Industrie der Zukunft : So digital ist Deutschland

Große Fortschritte bei KI

Der neue Mobilfunkstandard fügt sich nahtlos in den eigentlichen Messeschwerpunkt KI. Die Technik hat in letzter Zeit gerade in der optischen Mustererkennung (Kameras) oder in der Spracherkennung große Fortschritte gemacht. Roboter sind heute in der Lage, mit hoher Sicherheit bestimmte Teile aus Behältern unterschiedlichsten Inhalts zu greifen. Konsumgüterhersteller lassen permanent soziale Netzwerke durchforsten auf der Suche nach negativen Meinungsäußerungen zu ihren Produkten, aus denen sich eventuell ein Shitstorm entwickeln könnte.

In anderen Fällen werten Computer Leasingverträge aus und empfehlen die korrekte Verbuchung dieser Abmachungen. Beliebt ist der Einsatz von KI in der vorausschauenden Wartung, indem der Computer anhand von Produktionsdaten erkennt, wann ein Teil verschlissen ist. Mit dem geplanten Austausch kann ein ungeplanter Stillstand vermieden werden.

Noch stehen viele dieser Ansätze ganz am Anfang wird. „Von der Mustererkennung durch Künstliche Intelligenz erwarte ich noch einmal ein großes Optimierungspotential“, sagt der Leiter der modernen Drahtwalzstraße von Voestalpine Wolfgang Keller. Zunächst gelte es erst einmal, genügend Produktionsdaten zu sammeln, damit überhaupt Muster sicher erkannt werden können. Um bei 400 verschiedenen Stahlsorten, 55 möglichen Drahtabmessungen und elf verschiedenen Walzwegen für jedes mögliche Muster eine ausreichende Datenbasis zu haben, muss man viele Produktionsdaten erheben.

Über 100 Anwendungsfälle für maschinelles Lernen

Franz Kainersdorfer, Vorstandsvorsitzender der Voestalpine Metal Engineering und Mitglied im Konzernvorstand von Voestalpine, verweist auf weitere notwendige Daten zur Kalibrierung (Zuverlässigkeit von Messgeräten) über solche zum Walzenverschleiß bis hin zu Daten zur Metallkörnung. Insgesamt greifen an einer Walzstraße 2000 Sensoren Daten ab. „Das stellt hohe Anforderungen an die Verarbeitungskapazität der Rechner“, weist Kainersdorfer auf eine weitere Voraussetzung für KI hin – ausreichend Verarbeitungskapazität. Entscheidend ist auch: Es reicht nicht, neue Korrelationen herauszufinden. Um aufgrund der Daten die Anlage zu steuern, müssen Kausalitäten nachgewiesen sein.

Auf der Hannover Messe werden am Stand der unter der Schirmherrschaft des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) angesiedelten „Arbeitsgemeinschaft Smart Factory“ Szenarien gezeigt, wie Qualitätssicherung, Zustandsüberwachung oder Anomalieerkennungen dank KI verbessert werden können. Auf der Messe sollen mehr als 100 konkrete Anwendungsfälle für das maschinelle Lernen gezeigt werden, darunter Roboter, die Aufgaben in der Fabrik eigenständig lösen und ihr Wissen an andere Maschinen weitergeben. Oder KI-Systeme, die detaillierte Informationen für Reparaturen liefern. Das System wird mit jeder Anwendung besser, weil es im Dialog mit dem Menschen mit jeder neuen Fragestellung und jedem Feedback dazulernt.

Gerade mittelständischen Unternehmen hat darüber hinaus das vor einem Jahr die Messe beherrschende Thema „Edge-Computing“ sehr geholfen, sich mit KI anzufreunden. Für große Datenmengen steht damit nicht nur die Cloud als Speicher zur Verfügung – viele Daten können vor Ort erfasst und ausgewertet werden, im eigenen Hoheitsbereich.

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