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Konsumelektronik : Smartphones werden teurer, Fernseher billiger

Besucher kommen im Jahr 2017 auf dem Messegelände zum ersten Publikumstag der Elektronikmesse IFA. Bild: dpa

Ohne Innovation verkauft sich Konsumelektronik nur noch schleppend, die Branche stagniert. Jetzt hoffen die Unternehmen auf einen Schub von der größten Elektro-Schau der Welt.

          Fernseher, Handys, Computer, Haushaltsgeräte – das Geschäft mit technischen Konsumgütern ist gigantisch. Mit den sogenannten TCG-Produkten werden auf der ganzen Welt Umsätze im 13-stelligen Euro-Bereich erzielt. 2018 waren es 1,044 Billionen Euro, und noch vor zwei Jahren lag die Wachstumsrate mit 7 Prozent klar über der anderer Wirtschaftsbereiche. Jetzt jedoch müssen sich die Anbieter praktisch auf eine Stagnation einstellen. Nach den am Wochenende veröffentlichten Prognosen des Marktforschers GfK erreichen die globalen Umsätze 2019 ein Volumen von 1,052 Billionen Euro. Das ist gerade noch ein Prozent mehr als 2018. Weshalb schwächelt der einstige Wachstumstreiber?

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          So generell lässt sich die Frage schwer beantworten. Denn regional und produktbezogen zeigen sich erhebliche Unterschiede. Der Aufsichtsratsvorsitzende des deutschen Branchenverbandes GFU, Hans-Joachim Kamp, spricht auch lieber von einem „stabilen Verlauf“, wenn er die unveränderten Welt-Umsätze im größten Teilsegment Konsumelektronik (TV/Foto/Telekommunikation/IT) beschreibt. Sie liegen vor allem darin begründet, dass das wichtigste Elektronikgerät überhaupt, das Smartphone, seine besten Zeiten hinter sich hat.

          Während 2017 knapp 1,5 Milliarden Geräte neu verkauft wurden, waren es 2018 schon gut 50 Millionen Stück weniger. Und auch in diesem Jahr dauert der Abschwung an. Lediglich ein Aspekt sorgt dafür, dass der Markt nicht schrumpft: Smartphones werden immer teurer. Apple, Huawei oder Samsung verlangen für ihre Spitzengeräte hohe dreistellige oder sogar vierstellige Summen. Im Durchschnitt kostet ein Handy in diesem Jahr 323 Euro, ein Prozent mehr als 2018.

          Zahlungsbereitschaft für Zusatznutzen

          Auch für die Produzenten von TV-Geräten sind die rosigen Zeiten vorbei. Sie machen zwar ihre Bildschirme immer größer und schärfer. Von 2014 bis 2018 stieg die Durchschnittsgröße von 38 auf 43 Zoll, und als Nächstes steht der Auflösungsstandard 8K auf der Tagesordnung. Auch sonst legen sie technisch vor, mit aufrollbaren Displays und immer besserer Internetanbindung. Trotzdem halten sich die Konsumenten zurück. Der Absatz stagniert voraussichtlich in diesem Jahr auf 214 Millionen Stück, der Umsatz sinkt um 3 Prozent auf 90 Milliarden Euro.

          Besser läuft es mit den Haushaltsgeräten – also ausgerechnet in einem Bereich, dessen Produkte deutlich längere Lebenszyklen aufweisen als Fernseher oder Smartphones. Insgesamt werden mit Waschmaschinen und Kühlschränken, Küchengeräten und Kaffeeautomaten in diesem Jahr voraussichtlich 273 Milliarden Euro umgesetzt – das entspricht einem Wachstum von 4 Prozent. Sogar um 7 Prozent wächst der Sektor der kleinen Haushaltsgeräte.

          Aber auch hier läuft ohne Innovation wenig. Kunden öffnen ihre Portemonnaies vor allem dann, wenn sie einen Zusatznutzen sehen, stellt der Verband GFU heraus und nennt Beispiele: Waschmaschinen mit Dampffunktion verkaufen sich zu 53 Prozent besser, große kombinierte Kühlgeräte mit No-Frost-Einrichtung zu 22 Prozent, Kochplatten mit integrierten Abzugshauben zu 35 Prozent. Die Lust der Kunden an „normalen“ Geräten aus diesen Produktkategorien nimmt dagegen ab. Kleine Haushaltsgeräte gewinnen an Attraktivität, je leichter sie es den Verbrauchern machen. Espressovollautomaten, Saugroboter und Akkustaubsauger weisen zwei- bis dreifach höhere Wachstumsraten im Vergleich zu den Standardprodukten ihrer Segmente auf.

          Prominenten Gäste

          Wie jedes Jahr verspricht sich die Industrie einen Schub in gut vier Monaten– wenn in Berlin die IFA ihre Pforten öffnet, die nach Angaben der Messe Berlin größte Konsumelektronikschau der Welt. Vom 6. bis zum 11. September sollen dort die ersten serienreifen Smartphones mit dem neuen Mobilfunkstandard 5G ebenso zu sehen sein wie Fernseher mit flexiblen Oled-Displays, die sich wie Rollos aufrollen und in kompakten Gehäusen verschwinden. „Labormuster“, so die Ankündigung der Veranstalter, zeigten, wie Mobiltelefone künftig aussehen könnten: „Wie breite Armreife, die man sich dekorativ um das Handgelenk wickelt.“

          Und Bildschirm-Prototypen können demnach künftig in einen transparenten Modus wechseln, wo sie „aussehen wie Fensterscheiben – bis die Gerätesteuerung ihnen wieder bunte Bilder auf die Oberfläche schickt“. Neben Hightech setzt die IFA auch auf Retro, denn: „Vinylplattenspieler erfreuen sich anhaltender Beliebtheit“, hat die Industrie festgestellt. In Berlin werden Geräte zu sehen sein, die unter anderem mit Bluetooth eine Brücke in die Neuzeit bauen wollen.

          Auch wenn die Konsumelektronikbranche insgesamt schwächelt – auf der IFA macht sich das kaum bemerkbar. Die globale Bedeutung der traditionsreichen Ausstellung, die 1924 erstmals ausgerichtet wurde, wachse, wie Messe-Berlin-Direktor Jens Heithecker versichert. Das zeigt sich auch in prominenten Namen. In diesem Jahr reisen Huawei-Chef Richard Yu und Qualcomm-Präsident Cristiano Amon nach Berlin. Und Japan tritt erstmals als Partnerland an, für den Innovationsbereich IFA Next.

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