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Neue Studie : Smartphone-süchtige Jugendliche sind unglücklicher

Wie viel Handy ist gesund? Bild: dpa

Wie viel Zeit am Handy ist gesund? Eine neue Untersuchung zeigt: Zu viel Bildschirm-Anschauen ist schlecht. Aber auch mit Blick auf Total-Verweigerer ist das Ergebnis sehr erhellend.

          Ist ein Smartphone ungesund? Die Diskussion tobt. Sie ist eine Folge davon, dass immer mehr Menschen die mit dem Internet verbundenen kleinen Supercomputer kaufen, ständig mit sich herumtragen und sie wie eine künstliche Erweiterung des Gehirns verwenden. Schnell wird eine Verabredung geklärt, etwas nachgeschlagen, ein lustiges Bild geteilt. Milliarden dieser Geräte gibt es mittlerweile.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Wie immer, wenn eine neue Technologie über ein Produkt eine breite Masse erreicht, kommen neue Fragen auf: Was bewirkt sie? Worin hilft sie? Schadet sie? Die Frage, ob Smartphones und/oder über Smartphones genutzte Online-Angebote wie beispielsweise soziale Netzwerke süchtig machen, ist daher eine besonders wichtige. Gerade erst haben zwei Aktionäre Apples einen Brief geschrieben an die Führung des iPhone-Herstellers und fordern das Unternehmen darin auf, genauer zu untersuchen, ob und wie Smartphones gerade jungen Menschen schaden (können).

          Amerikanische Wissenschaftler haben nun neue Forschungsergebnisse präsentiert, sie stellen fest: Jugendliche, die viel Zeit vor dem Bildschirm verbringen, zum Beispiel zum Computerspielen, sind im Schnitt unglücklicher.

          „Trefft Freunde, macht mehr Sport“

          Die Forscher um die an der Universität in San Diego arbeitende Psychologin Jean Twenge haben dafür eine Langzeitbefragung von mehr als einer Million amerikanischen Jugendlichen („Monitoring the Future“) untersucht. Darin werden Schüler und junge Erwachsene dazu befragt, was sie in ihrer Freizeit machen, ob und wie häufig sie Sport betreiben, wie viel Zeit sie an Smartphones oder Tablets verbringen, wie oft und lange sie sich mit Freunden treffen und wie glücklich sie sind.

          Twenge fasst ihre Ergebnisse so zusammen: „Jede Aktivität, die keinen Bildschirm beinhaltet, war verbunden mit höherer Zufriedenheit. Und jede Aktivität, die einen Bildschirm beinhaltete, war verbunden mit weniger Zufriedenheit.“ Einen großen Unterschied ermittelte er zum Beispiel zwischen Jugendlichen, die mehr als fünf Stunden am Tag online ihre Freizeit verbringen, und Jugendlichen, die dafür weniger als eine Stunde am Tag aufwenden: Erstere sind im Schnitt doppelt zu unzufrieden wie letztere.

          Die Wissenschaftlerin stellt aber klar, dass dieses Ergebnis nur aussagt, dass ein Zusammenhang zwischen der Bildschirmzeit und der Zufriedenheit besteht. Nicht aber darüber, was Ursache und was Wirkung ist. „Natürlich könnte es auch sein, dass unglückliche Menschen sich Bildschirm-Aktivitäten aussuchen“, schreibt sie.

          Ihrer Ansicht nach verläuft der Zusammenhang allerdings so: Mehr Bildschirm-Angucken führt zu weniger Zufriedenheit. Sie verweist dabei auf vielfältige Analysen nicht nur unter Jugendlichen, die dies nahelegten.

          Besonders das Smartphone hat ihrer Ansicht nach einen wichtigen Einfluss. Twenge stellte fest, dass die durchschnittliche Zufriedenheit der Jugendlichen seit dem Jahr 2012 messbar zurückgeht - und dies sei das Jahr gewesen, in dem mehr als die Hälfte der Amerikaner internetfähige Mobiltelefone besessen hätte.

          Ein wichtiges anderes Ergebnis der aktuellen Forschung ist aber auch: Komplette Bildschirmabstinenz macht ebenfalls nicht glücklich. Die zufriedensten Jugendlichen waren in dieser Untersuchung jene, die etwas weniger als eine Stunde am Tag digitale Medien verwenden. „Der Schlüssel zur digitalen Mediennutzung und Zufriedenheit ist eine begrenzte Nutzung“, stellte Twenge denn auch fest. Und gegenüber dem Internetdienst ScienceDaily gab sie jungen Menschen (und natürlich implizit auch deren Eltern) noch einen Rat: „Versucht weniger als zwei Stunden am Tag in digitalen Medien zu verbringen und wendet mehr Zeit auf, um Freunde von Angesicht zu Angesicht zu treffen und Sport zu machen – zwei Aktivitäten, die verlässlich mit größerer Zufriedenheit verknüpft sind.“

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