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Schutz für das 5G-Netz : Superschnelles Internet aus dem All

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Hilfe aus dem All: So sieht die Aufnahme des Zentrums der Milchstraße aus, die das Hubble-Weltraumteleskop gemacht hat. Bild: dpa

Roboterautos und mehr: 5G heißt der Mobilfunkstandard der nächsten Generation. Unternehmen machen einen Vorschlag, damit das wirklich klappt.

          Für die Automobilindustrie sind selbstfahrende Autos ein wichtiges Zukunftsthema. Wenn Kameras und Sensoren den menschlichen Blick auf die Straße ersetzen und Computer das Steuer übernehmen, soll die Zahl der (tödlichen) Unfälle sinken. Die Fahrzeuginsassen können sich anderen Dingen als dem Fahren widmen, sie können sich Videos ansehen, im Internet surfen oder einfach ein Nickerchen machen.

          Doch diese neue Freizeit im Auto steht und fällt mit dem Mobilfunknetz. Erst mit der nächsten Generation (5G) wird der Austausch enormer Datenmengen in Echtzeit möglich. Ab dem Jahr 2020 werden die ersten Funkzellen in Betrieb genommen, anfangs nur in Ballungsräumen und entlang wichtiger Verkehrsachsen.

          Für das Fahren allein wäre das vielleicht ausreichend, denn die Roboterwagen brauchen dafür keine ständige Anbindung an das 5G-Netz. Sie können zum Teil auf zuvor heruntergeladene Daten zurückgreifen und Daten zudem auf kurze Distanz über Funk untereinander austauschen. Wichtig ist ein flächendeckendes Netz aber für die Zusatzangebote, die die Insassen während der Fahrt konsumieren oder ordern. Denn vor allem damit wird in Zukunft das Geld verdient. Dem Geschäft würde es nicht guttun, wenn der Mobilfunkzugang in ländlichen Gebieten langsamer würde.

          „5G nicht nur in Ballungsgebieten“

          Experten denken deshalb bereits über eine Ergänzung des Netzes durch Satelliten nach. „Wir sehen die dringende Notwendigkeit, dass 5G durch ein Weltraumsegment gesichert werden muss“, sagt Fritz Merkle, Strategiechef des Bremer Luft- und Raumfahrtunternehmens OHB. Er schlägt eine Art Sicherheitsnetz mit Hilfe von Satelliten vor. Überlegungen dafür gebe es bereits. Die neue Satelliten-Generation sei sehr geeignet, um ein integraler Bestandteil des 5G-Ökosystems zu werden, geht aus einer Studie der Analysefirma Globaldata hervor.

          5G-Fachmann Hans Schotten von der Technischen Universität Kaiserslautern sagt, die Einbindung von Satelliten sei bereits Teil der Gespräche des internationalen Mobilfunkgremiums 3GPP zur Standardisierung von 5G. Eine solche Lösung sei aber nachgeordnet – wichtiger sei zunächst, dass der Mobilfunkausbau zügig vorangehe.

          Mit steigender Zahl computergesteuerter Fahrzeuge und vernetzter Geräte wird der Bedarf an leistungsfähigen Funknetzen zunehmen, sind Experten überzeugt. Um diese aufbauen zu können, plädieren Mobilfunkanbieter wie Vodafone und die Deutsche Telekom dafür, dass bei der Anfang 2019 anstehenden Versteigerung der 5G-Lizenzen die Preise nicht zu hoch ausfallen. „Wir fänden es viel sinnvoller, diese Gelder in den Ausbau der Infrastruktur zu stecken, um 5G schnell und großflächig ausbauen zu können“, sagt ein Vodafone-Sprecher: „Für autonomes Fahren darf 5G nicht nur in Ballungsgebieten zu finden sein, sondern darüber hinaus.“

          „Das geht in die Milliarden“

          Noch ist das Zukunftsmusik, denn Autos ohne Pedale und Lenkrad wird es in größerer Stückzahl erst in einigen Jahren geben. Aber Anbieter wie der Fahrdienstleister Uber oder die Google-Schwesterfirma Waymo tüfteln bereits jetzt an selbstfahrenden Taxis. Auch etablierte Autohersteller wie Volkswagen, Daimler und BMW sind auf diesem Testfeld unterwegs.

          Damit alles gleichzeitig reibungslos funktioniert – das Stau-Update im Navigationssystem, das Telefonat mit der Oma, das Film-Streamen und natürlich auch das Bremsen – sind übergreifende Technologien nötig. Mobilfunk, Kamerasysteme und Sensoren müssten sich ergänzen, betont Krzossa von Vodafone. „Ein Auto wird nie komplett nur mit Mobilfunk autonom fahren.“

          Durch den neuen Mobilfunkstandard würden vor allem die Verzögerungen im Netz, sogenannte Latenz-Zeiten, auf wenige Millisekunden schrumpfen. „Bei HD-Filmen, Videostreaming sind Latenzzeiten nicht so wichtig, da brauchen sie die hohen Bandbreiten“, erläutert Krzossa.

          Die Deutsche Telekom macht sich keine Sorgen, dass die Netzkapazität für autonomes Fahren nicht ausreichen könnte. Ein großer Teil der Daten bleibe ohnehin erst einmal im Fahrzeug, sagt Projektleiter Johannes Springer. „Zwar sind ,Over-the-Air’-Software-Updates von Steuergeräten für Autos etwas datenhungriger, auch Karten-Updates von Navigationssystemen, aber auch hier sehen wir keine Kapazitätsengpässe.“ Ein YouTube-Video, das sich ein Kunde während der Fahrt ansehe, verschlinge wesentlich mehr Daten.

          Die Telekom schließt daher eine weltraumgestützte Kommunikation nicht grundsätzlich aus. Es müsse aber nicht immer ein Satellit sein. „Wir beobachten zum Beispiel, was Google mit Heißluftballons macht.“ Die Amerikaner experimentieren damit, um das Internet in entlegene Gegenden zu bringen. Samsung erklärte in der Vergangenheit, dort der neuen Satelliten-Generation LEO den Vorzug zu geben, da dann auch der Luftraum innerhalb der Atmosphäre frei bliebe.

          „Satelliten sind sicherlich eine Alternative. Sie können Breitband-Kommunikation mit zu Glasfaserverbindungen vergleichbaren Latenzzeiten und Geschwindigkeiten gewährleisten“, sagt Gartner-Fachmann Bill Ray. Allerdings seien sie eher für entlegene Gegenden geeignet, da ihre Installation teurer als der Aufbau eines 5G-Netzes sei. „Das geht in die Milliarden“, weiß OHB-Experte Merkle. Für den Anfang könnten bestehende Systeme zur Anwendung kommen. Sandro Scalise vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Weßling hält es für möglich, dass das Inmarsat-System dafür genutzt werden könnte, durch das Reisende in Verkehrsflugzeugen Zugang zum Internet bekommen. „Das hängt davon ab, welche Datenmengen man übertragen will.“ Sollten in Zukunft auch Drohnen und Flugtaxis gesteuert und überwacht werden, müssten Satelliten diese Aufgabe übernehmen.

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