https://www.faz.net/-gqe-9d1fk

Behindertenfahrzeuge : Schaeffler kauft Lenktechnologie für autonomes Fahren

  • Aktualisiert am

Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeldund (l.) und Peter Gutzmer, Stellvertretender Vorsitzender des Vorstands, im April in bei der Konzern-Hauptversammlung. Bild: dpa

Auf der ganzen Welt arbeiten Entwickler fieberhaft daran, autonomes Fahren möglich zu machen. Schaeffler hat eine neue Idee: Das Unternehmen möchte sich die Lenktechnologie von Behindertenfahrzeugen zunutze machen.

          Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler will sich mit einem Zukauf auf dem Wachstumsfeld des autonomen Fahrens nach vorn katapultieren. Die Franken übernehmen von einem schwäbischen Spezialanbieter für Behindertenfahrzeuge dessen Technologie für die rein elektronische Lenkung von Fahrzeugen (“drive-by-wire“).

          Wie Schaeffler und Paravan am Montag mitteilten, handelt es sich um das einzige System, das weltweit über Straßenzulassungen verfügt. Schaeffler erhofft sich von einem Einsatz in großem Stil einen Schub beim autonomen Fahren, denn die Sicherheitsanforderungen an selbstfahrende Autos sind hoch. „Unser Fokus ist erst mal das Pkw-Geschäft, aber diese Technologie lässt sich auch woanders einsetzen“, sagte Schaeffler-Vorstandschef Klaus Rosenfeld am Montag. Details wollte er nicht nennen.

          Das Familienunternehmen Paravan aus Pfronstetten-Aichelau in Baden-Württemberg mit rund 180 Mitarbeitern ist den Angaben zufolge Weltmarktführer für behindertengerechte Fahrzeuge. Gründer Roland Arnold entwickelte eine Technologie namens Space Drive, mit der Menschen, die wegen einer körperlichen Einschränkung das Lenkrad nicht bedienen können, ihr Fahrzeug rein elektronisch via Joystick steuern. Rund 7000 entsprechend von Paravan umgerüstete Wagen sind nach Firmenangaben weltweit mit behördlicher Zulassung im Einsatz.

          „Wollen kein Autobauer werden“

          Autonom fahrende Testflotten vieler Autobauer bestehen meist nur aus wenigen Dutzend Fahrzeugen, die über begrenzte Ausnahmegenehmigungen verfügen. Per Computer gesteuerte Pkw und Nutzfahrzeuge gelten als Milliardenmarkt. Autobauer und Zulieferer unternehmen große Anstrengungen, um im Rennen um die Mobilität der Zukunft führend zu sein.

          Wie Schaeffler und Paravan weiter mitteilten, gründen sie ein Gemeinschaftsunternehmen, an dem Schaeffler 90 Prozent besitzt. Paravan-Gründer Arnold, der die restlichen zehn Prozent hält, werde einer von mehreren Geschäftsführern. Wieviel Geld für den Kauf der Technologie fließt, wollten die beiden Firmen nicht verraten. „Die Transaktion passt perfekt in unsere Strategie“, sagte Schaeffler-Chef Rosenfeld. Der Familienkonzern mit gut 90.000 Mitarbeitern hatte angekündigt, sich über kleinere Zukäufe zwischen 100 und 500 Millionen Euro technologisch verstärken zu wollen. So will Schaeffler den Wandel hin zum Zulieferer für neue Mobilitätsformen beschleunigen. Der Fokus auf Lenktechnologie bietet dem Zulieferer dabei den Vorteil, dass die Antriebsart – Verbrenner, Elektro oder Hybrid – unerheblich ist.

          Ziel des neuen Gemeinschaftsunternehmens, das noch von den Behörden genehmigt werden muss, ist den Angaben zufolge die Weiterentwicklung der drive-by-wire-Technologie sowie Entwicklung und Vertrieb von Mobilitätssystemen. Die Franken bringen hier auch ihr elektrisch und autonom fahrendes Transporter-Konzept „Mover“ ein.

          Auf die Frage, ob Schaeffler nach dem Kauf der Lenktechnologie Fahrzeugherstellern Konkurrenz machen wolle, antwortete Rosenfeld: „Wir wollen kein Autobauer werden, wir wollen Zulieferer bleiben.“ Paravan zählt Volkswagen und Mercedes zu seinen Partnern. Der Schraubenhändler Würth, der 2011 bei dem vielfach preisgekrönten Mittelständler eingestiegen war und 2015 auf 51 Prozent aufgestockt hatte, hält laut Paravan seit vergangenem Monat keine Anteile mehr.

          Weitere Themen

          Neuer Interessent für Osram

          Bieterwettstreit? : Neuer Interessent für Osram

          Überraschend ist die österreichische AMS als Bieter für den Münchner Lichttechnik-Konzern auf den Plan getreten. Er will den Finanzinvestoren Bain und Carlyle Paroli bieten. Der Osram-Vorstand hat größte Bedenken.

          Topmeldungen

          Donald Trump am 12. Juli in Milwaukee

          Provokation auf Twitter : Trumps Spiel mit dem Feuer

          Auf Twitter beleidigt Amerikas Präsident vier Parlamentarierinnen rassistisch. Mit der Provokation will er Konflikte unter den Demokraten schüren – und scheitert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.