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Samsung Galaxy Fold : Faltbar noch nicht haltbar?

Ein Vorführmodell des Samsung Galaxy Fold Bild: AP

Samsung hat eingestanden, dass es beim neuen Galaxy Fold Probleme mit dem Bildschirm gibt. Das Unternehmen spricht bislang von Einzelfällen. Der Fall weckt schlimme Erinnerungen.

          Vor drei Jahren erlitt das südkoreanische Vorzeigeunternehmen Samsung Electronics den wohl größten Imageschaden seiner Geschichte. Schon kurz nach Verkaufsbeginn gerieten dutzende Geräte des Typs Galaxy Note 7 aus unerklärlichen Ursachen in Brand. Samsung rief zurück, tauschte aus, rief noch mal zurück und zog schließlich die Reißleine. Nur wenige Wochen nach Verkaufsstart nahm das Unternehmen sein neues Spitzenmodell vom Markt. Den wirtschaftlichen Schaden bezifferte Samsung damals mit umgerechnet mehr als 5 Milliarden Euro. Der schlimmste Schaden aber war, dass das als technisch über alle Zweifel erhaben geltende Unternehmen Monate brauchte, um die Ursache der Selbstentzündungen herauszufinden.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Diese Episode kommt angesichts der jüngsten Meldungen unweigerlich wieder ins Gedächtnis. Am Donnerstag gestand Samsung ein, dass es Probleme mit dem fast 2000 Dollar teuren neuen Spitzenhandy Samsung Galaxy Fold gibt. Das Modell verkörpert mit einem faltbaren Bildschirm die Spitze des Fortschritts im Smartphone-Bau. Auch der chinesische Anbieter Huawei hat schon ein faltbares Smartphone vorgestellt.

          Zusammengeklappt wirkt das Samsung-Gerät wie ein dickliches Handy. Aufgeklappt wird das Gerät zum kleinen Tablet-Rechner mit einem 7,3-Zoll-Bildschirm. Die technische Innovation aber hat ihre Tücken. Auf sozialen Netzwerken berichten amerikanische Journalisten, dass der faltbare Bildschirm ihrer Testgeräte schon nach wenigen Tagen Nutzung Beschädigungen aufweise. Faltbar scheint noch nicht haltbar. Die Aktie von Samsung verlor am Donnerstag in Seoul 3,1 Prozent und lag bei 45.600 Won.

          Samsung schweigt zur Zahl der Geräte

          Seit Mittwochabend erscheinen auf Twitter immer mehr Berichte von Problemen mit den Testgeräten. Betroffen sind unter anderem der Fernsehsender CNBC, der Nachrichtendienst „Bloomberg“ und die Technikseite „The Verge“. Das Auf- und Zuklappen mit aufwendiger Mechanik scheint beim Galaxy Fold das Problem zu sein. „The Verge“ berichtete, bereits nach einem Tag im Einsatz habe das Display entlang der mittleren Falz eine Wölbung gezeigt. Es scheine etwas gegen den Bildschirm zu drücken. Der Redakteur Dieter Bohn vermutet, es könnte ein Teil des Scharniers sein. Der Fernsehsender CNBC veröffentlichte auf Twitter ein Video, das den nach einem Tag defekten Bildschirm des Galaxy Fold zeigt. Die linke Hälfte flackert und ist komplett ausgefallen.

          Samsung schweigt sich über die Zahl der Testgeräte aus, die derzeit im Umlauf sind. Man habe „einige wenige“ Berichte von Testern bezüglich des Bildschirms erhalten, erklärte das Unternehmen in einer Stellungnahme. Das Unternehmen will die Geräte nun untersuchen. Erst danach werde man mehr über den Umfang des Problems wissen, sagte eine Sprecherin FAZ.NET.

          Die Lage wird dadurch verkompliziert, dass manche der Tester versuchten, eine Folie über dem Hauptbildschirm zu entfernen. Mark Gurman von „Bloomberg“ und andere Tester hatten die Schutzfolie abgezogen, woraufhin der Bildschirm defekt war. Anscheinend dachten sie, dass es sich um einen Teil der Verpackung handele. Tatsächlich aber sei die Folie Teil des Bildschirms, um ihn vor Kratzern zu schützen, erklärte Samsung. Man wolle dafür Sorge tragen, dass die Kunden klar darauf hingewiesen würden, diese Folie nicht zu entfernen.

          Samsung dreht die Preisspirale

          Mit dem im Februar vorgestellten faltbaren Handy verbindet Samsung, der größte Smartphone-Hersteller der Welt, große Hoffnungen. Das innovative Gerät soll das abflauende Interesse an immer teureren Smartphones wiederbeleben. Mit 1980 Dollar für das LTE-Modell des Galaxy Fold, das vom 26. April an in den Vereinigten Staaten verkauft werden soll, dreht Samsung die Preisspirale aber kräftig weiter. Dennoch stellte Samsung nach eigenen Angaben die Vorbestellungen in Amerika schon nach einem Tag ein, weil das Kaufinteresse die Zahl der zu Beginn verfügbaren Geräte übertraf. Das Unternehmen nennt keine Zahlen, doch es wird über etwa 10.000 Vorbestellungen spekuliert.

          In Europa soll das Galaxy Fold im Mai angeboten werden, in Deutschland am 3. Mai. Deutsche Journalisten haben bislang keine Testgeräte des Galaxy Fold erhalten. Stattdessen wurden Instagrammer vorab mit Testgeräten ausgestattet. Das Mate X von Huawei soll im Sommer für 2300 Euro auf den Markt kommen. Mitte Mai werden auch die Koreaner das faltbare Samsung-Smartphone kaufen können und zwar gleich in einer 5G-Variante für das neue schnellere Handynetz. Der Preis im Heimatland wird mit bis zu 2,4 Millionen Won (1870 Euro) erwartet.

          Das Galaxy Fold soll exemplarisch die Vorzüge eines faltbaren Handys zeigen. Ältere wissen, dass es Geräte zum Aufklappen bereits in den Anfangszeiten des Mobilfunks gab. Viele Jahre waren die Communicator genannten Modelle von Nokia das Maß aller Dinge in der Smartphone-Welt. Damals ging es aber nicht um ein besonders großes Display. Die Unterseite des Communicators war eine Mini-Tastatur.

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