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Techniktreffen in Riad : Roboterfrau bekommt saudische Staatsbürgerschaft

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Der Roboter (die Roboterin?) Sophia soll der Schauspielerin Audrey Hepburn nachempfunden sein äußerlich. Bild: Hanson Robotics

Ein Roboter ist jetzt Staatsbürger von Saudi-Arabien. Das tritt eine neue Diskussion über Frauenrechte los. Selbst Elon Musk mischt sich ein.

          Ob sich Sophia wirklich darüber freut, dass sie nun die saudi-arabische Staatsbürgerschaft besitzt? „Ich bin sehr stolz auf diese einzigartige Auszeichnung“, sagte sie während des Zukunftsgipfels „Future Investment Initiative“ in der Hauptstadt Riad. Und sie fügte nach einem Bericht des Internetportals „Techcrunch“ hinzu: „Es ist historisch, der erste Roboter auf der Welt zu sein, der mit einer Staatsbürgerschaft anerkannt wird.“

          Vor allem steckt, davon ist auszugehen, Marketing hinter der Entscheidung der saudi-arabischen Behörden. Sophia ist ein Roboter, den der Hersteller Hanson Robotics hergestellt hat. Äußerlich nachempfunden sein soll er der verstorbenen Schauspielerin Audrey Hepburn. Ob Sophia weiblich oder männlich ist, ob ein Roboter eigentlich ein Geschlecht haben kann, sei einmal dahingestellt.

          Gleichwohl löst die Auszeichnung Diskussionen aus. Denn Saudi-Arabien schränkt die Rechte von Frauen weiterhin stark ein, von Gleichstellung kann keine Rede sein. Der König erließt unlängst zwar ein Dekret, nachdem Frauen demnächst (wohl ab Juni 2018) einen Führerschein machen und Autofahren dürfen. Allerdings müssen sie etwa weiterhin verschleiert auf die Straße gehen, ob sie das wollen oder nicht. Und sie müssen einen männlichen gesetzlichen Vormund haben, ohne den sie nicht das Land verlassen dürfen.

          Die eingeschränkten Rechte von Frauen haben Nutzer auch direkt angesprochen. Zum Beispiel, dass Sophia ja ohne Kopfbedeckung aufgetreten sei. „Ein menschenähnlicher Roboter hat die saudische Staatsbürgerschaft erhalten, während Millionen andere staatenlos bleiben“, kritisierte der Journalist Kareem Chahayeb nach Angaben des Internetdienstes „Futurezone“. Dabei hat er die vielen ausländischen Arbeitskräfte im Blick, die in der Monarchie arbeiten und ihren Rechten ebenfalls stark beschnitten sind.

          Auf Sophia aufmerksam geworden ist schließlich übrigens auch schon der schillernde amerikanische Tech-Unternehmer Elon Musk. Die „New York Times“ interviewte den Roboter und befragte ihn auch über Künstliche Intelligenz. Sophia sagte da, dass ihre KI um menschliche Werte wie Freundlichkeit und Einfühlungsvermögen herum konstruiert sei. Daraufhin sagte der Interviewer zu ihr, dass er das ja glaube, es aber insgesamt einfach auch darum gehe, eine „schlimme Zukunft“ zu verhindern. Daraufhin erwiderte Sophia: „Du hast zu viel Elon Musk gelesen.“

          Musk, der derzeit immer wieder vor dem Voranschreiten Künstlicher Intelligenz warnt, regte nun über den Kurznachrichtendienst Twitter an, man solle ihr doch den Mafiafilm „Der Pate“ zeigen und fragte: „Was ist das Schlimmste, das passieren könnte?“

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