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Ein Roboter für Astronauten : Kleiner Helfer im All

Die von Airbus zur Verfügung gestellte Fotomontage zeigt wie der Assistenzroboter Cimon durch die ISS fliegen könnte. Bild: dpa

Cimon heißt der erste smarte Assistent für Astronauten – er ist das beste, was das Gebiet der Künstlichen Intelligenz derzeit zu bieten hat. Bald fliegt der Roboter mit Alexander Gerst auf die Raumstation ISS. Was ist seine Mission?

          Dieser Roboter hat eine Mission. „Horizons“ heißt sie und wird ihn in wenigen Wochen tief in das Weltall führen. Genauer: auf die internationale Weltraumstation ISS, von wo er das Universum erforschen wird, weit über unseren Planeten Erde hinaus.

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft und für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          Dorthin hat es bisher noch nie einer seiner Kameraden geschafft. Der erste Mensch war schon 1961 im Weltall, der russische Kosmonaut Juri Gagarin flog damals um die Erde. Aber dieser kleine Roboter, gerade fünf Kilogramm schwer, etwa so groß wie ein Medizinball und voller Künstlicher Intelligenz, ist „der erste autonom agierende Astronauten-Assistent in der bemannten Raumfahrt“, sagt Matthias Biniok mit unverhohlenem Stolz. Er ist IBM-Projektleiter für die Künstliche Intelligenz mit dem Namen Watson und damit einer der Väter des kleinen Assistenten.

          Projekt Cimon heißt der Kerl, ausgesprochen wie das englische „Simon“. Der Name ist wie häufig in solchen Fällen die Abkürzung für seine Funktionsbeschreibung als interaktiver mobiler Crew-Kompagnon (Crew Interactive Mobile companiON). Die Abkürzung klingt nicht nur niedlich, der Name ist auch eine ziemlich akkurate Beschreibung seiner Aufgabe: Cimon ist nicht nur ein schnöder Computer, er soll Kumpel, Assistent und womöglich sogar Seelentröster für die Astronauten werden, für die einsamen Stunden fernab der Heimat, fernab des blauen Planeten.

          Cimon hat besondere Kompetenzen

          Die Künstliche Intelligenz kommt von IBM, aber erdacht wurde sie vom Raumfahrtkonzern Airbus, der schon allerlei in den Weltraum gebracht hat. Die Ariane-Raketen gehören dazu. Eine ganze Abteilung kümmert sich dort um das Wohlbefinden der Astronauten, um ihre körperliche Fitness, aber nun auch um ihr geistiges Seelenheil. Auftraggeber ist noch ein dritter im Bunde: das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR).

          Cimons Körper, das muss man eingestehen, ist auf das Wesentliche reduziert. Nur einen Kopf gibt es; Arme, Beine oder zumindest Rollen, die sonst seine Artgenossen auszeichnen, sucht man bei ihm vergeblich. Das ist der Sicherheit seiner menschlichen Mitstreiter geschuldet, die nicht verletzt werden dürfen. Deshalb darf er keine scharfen Ecken und Kanten haben.

          Denn Cimon ist Ungeheuerliches gestattet: Er ist das erste Objekt an Bord, das frei herumfliegen darf. Kameras, Sensoren und umfangreiches Kartenmaterial sorgen dafür, dass er sich orientieren kann. Außerdem soll Cimon Harmonie ausstrahlen, auch dabei helfen seine Rundungen.

          Sein Chef wird der deutsche Astronaut Alexander Gerst, hierzulande seit seiner ersten Raumfahrt-Mission Blue Dot vor vier Jahren schon ein echter Star. Aber jetzt wird seine Rolle noch bedeutender: Er wird Kommandant auf einer Raumstation. Dort wird ihm Cimon zur Hand gehen, ihn nach seinem Befinden fragen, hin und wieder ein wenig Smalltalk halten, aber vor allem wird er seine Aufträge ausführen: Bild- und Videoaufnahmen erstellen oder Anleitungen für die Bedienung der Geräte vorlesen.

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