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Sinnvoll oder Suchtgefahr? : Nicht ohne mein Smartphone!

Ein Junge hält sich zwei Smartphones wie Scheuklappen neben die Augen. Bild: Frank Röth

Die Jugend hängt am Handy. Wie können Eltern da den Überblick behalten? Die F.A.Z. präsentiert Antworten auf die wichtigsten Fragen.

          5 Min.

          Mein Kind ist ständig am Smartphone. Ist es süchtig?

          Lisa Becker

          Redakteurin in der Wirtschaft

          Die Diagnose Online-Sucht trifft auf etwa 3 Prozent der Jugendlichen ab 14 Jahren zu. Eine problematische Nutzung weisen nach Schätzungen mehr als 10 Prozent von ihnen auf, sie könnten in eine Sucht abrutschen. Die allermeisten Jugendlichen sind also weder süchtig noch gefährdet. Dennoch sind die Zahlen alarmierend – für eine psychische Störung sind sie nämlich hoch.

          Eine Sucht zu erkennen, das ist freilich schwierig, denn eine intensive Nutzung reicht als Hinweis nicht aus. Eltern sollten genau hinschauen und überlegen, ob die Gedanken des Kindes nur noch um das kreisen, was es auf dem Smartphone macht, ob es sich noch abgrenzen kann oder ganz einfach: ob es sich noch mit Freunden trifft. Wichtig dabei ist auch, dass die Mädchen und Jungen nicht nach dem Handy süchtig sind, sondern nach den Inhalten.

          Für Jugendliche besonders relevant ist die Sucht nach Computerspielen. „Computerspiele bieten Jugendlichen die Möglichkeit, sich dem realen Leben zu entziehen und in eine Welt abzugleiten, in der sie eine ganz andere Rolle einnehmen – in der sie stark sind und einen anderen Status haben“, erklärt Birgit Kimmel, pädagogische Leiterin von Klicksafe, einer EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz.

          Für Jugendliche, die nur schwer mit anderen in Kontakt kommen, ist der Rückzug in die Computerspielewelt eine Möglichkeit, damit umzugehen. Beim Spielen werden zudem Glückshormone ausgeschüttet, die relativ schnell süchtig machen können.

          Was soll ich tun, wenn ich den Eindruck habe, dass mein Kind süchtig sein könnte?

          Für jüngere Kinder sowieso, aber auch für Teenager gilt: als Allererstes das Gespräch suchen. Fragen und sich zeigen lassen, was sie im Internet machen, was sie daran so fasziniert und auch, mit wem sie spielen. Und dann gemeinsam überlegen, wie man Auszeiten festlegen kann. „Man darf ruhig sagen, dass man sich Sorgen macht, und erklären, was das Abgleiten in eine Mediensucht bedeuten würde“, sagt Fachfrau Kimmel.

          Wer an sein Kind nicht herankommt, kann sich an Beratungsstellen wenden. Adressen findet man zum Beispiel beim Fachverband Medienabhängigkeit unter fv-medienabhaengigkeit.de. Jugendliche, besonders Mädchen, sind viel in den sozialen Medien unterwegs.

          Dort geht es ja um Austausch und Kommunikation. Kann das schaden? Ja, sagen Fachleute. Nach einer Studie der Krankenkasse DAK sind 2,6 Prozent der Jugendlichen in Deutschland von den sozialen Medien abhängig. Sie sind stärker als andere gefährdet, depressiv zu werden. Klar ist auch, dass die sozialen Medien unglücklich machen können.

          Das gilt weniger für Youtube. Aber umso mehr für Instagram, wo Jugendliche Fotos und Videos teilen. Ein unsicheres Körpergefühl und Selbstzweifel gehören geradezu zur Pubertät – und werden durch das Anschauen der auf Instagram stark aufgehübschten Fotos verstärkt.

          Sind die sozialen Medien schlecht?

          Sie haben auch sehr positive Seiten. Sie unterstützen die Identitätsbildung, eine wichtige Entwicklungsaufgabe in der Pubertät, in der es um die emotionale Ablösung vom Elternhaus und das Finden einer eigenen Weltanschauung geht.

          In den sozialen Netzwerken können Jugendliche Selbstdarstellungen ausprobieren und darauf relativ rasch Rückmeldungen bekommen. Auf Diensten wie Instagram und Youtube suchen sich die jungen Leute, was schon Generationen vor ihnen getan haben: Vorbilder, Idole. Sie heißen heute Influencer und sind viel näher an der Lebenswelt der Jugendlichen als Film- und Popstars.

          Außerdem kann sehr entlastend sein, sich mit Freunden im Internet über Probleme und Sorgen auszutauschen. Und es kann sehr bereichernd sein, sich mit Menschen zu vernetzen, die ähnliche Interessen haben – auch wenn sie weit weg sind. Quasi eine neue Form der Brieffreundschaft.

          Soll ich die Handynutzung meines Kindes begrenzen?

          Beginnen Eltern damit erst in der Pubertät, dürfte es schwierig werden. Medienerziehung muss schon lange vorher anfangen. Smartphones sind schon in der dritten, vierten Klasse stark verbreitet; und die Nutzer werden immer jünger. „Wie im Straßenverkehr müssen Eltern ihre Kinder an die Internetnutzung heranführen. Sie müssen ihre Kinder lange begleiten und ihnen immer wieder zeigen, wie sie sich schützen können“, sagt Kimmel von Klicksafe.

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