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Platooning-Test auf der A9 : Wenn Lastwagen digital vernetzt werden

  • -Aktualisiert am

Sprechen miteinander: Diese beiden Lkw des DB-Tochterunternehmens auf der A9 zwischen München und Nürnberg. Bild: dpa

Ein führendes Fahrzeug gibt den nachfolgenden Richtung und Geschwindigkeit vor: Mehrere Monate wurde auf der Autobahn getestet, welche Auswirkungen das hat.

          „Wir bringen die Technik von morgen auf die Straßen von heute, erproben das intelligente Zusammenspiel von Mensch, Maschine und Material.“ So beschreibt der Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) den auf der Welt ersten Praxiseinsatz von digital vernetzten Lastwagen, auch Platooning genannt.

          Das Vorhaben entstand durch die Zusammenarbeit des Logistikanbieters DB Schenker mit MAN Truck & Bus und der Hochschule Fresenius. Beim Platooning gibt ein führendes Fahrzeug die Geschwindigkeit und Richtung für die nachfolgenden Lastwagen vor; es bildet sich eine Kolonne. Platoon heißt auf deutsch so viel wie militärischer Zug. In jedem Lastwagen ist ein Fahrer, da man das Platoon erst auf der Autobahn bildet.

          Das Hinterherfahren ist mit einem fast fünfmal kleineren Abstand als dem normalen Sicherheitsabstand möglich. Dafür muss das System so sicher sein, dass der Fahrer des hinteren Fahrzeugs erst bei 50 Meter Abstand wieder das Lenken übernehmen muss. Das Ganze funktioniert über Car-to-car-Kommunikation und mit Hilfe von Sensoren und Steuersystemen. „Ziel des Ganzen ist, das Thema autonomes Fahren näher an den Markt zu bringen und zu zeigen, dass die Technologie robust im täglichen Alltag funktioniert“, erklärt Chung Anh Tran, Projektleiter bei DB Schenker.

          Kamera- und Radarsensoren

          An dem Projekt nahmen zehn Fahrer teil. Sie wurden intensiv geschult. Die Kommunikation von Fahrzeug zu Fahrzeug erfolgt über eine W-Lan-Verbindung. Ein wichtiger Teil ist die Sensorik, die auf Kamera- und Radarsensoren basiert und die zum Beispiel für die Notbremsassistenz und den abstandsregelnden Tempomaten verwendet wird. Ein Lidarsensor mit einem größeren Öffnungswinkel erkennt zudem das Einscheren von anderen Verkehrsteilnehmern früher als die serienmäßigen Sensoren.

          Welche Auswirkungen hat Platooning auf Wachheit und Konzentration der Fahrer?

          Zur Sicherheit der anderen Fahrer führt dies zur automatischen Auflösung des Platoons und der Abstandsvergrößerung auf 50 Meter; der Fahrer des hinteren LKW übernimmt dann wieder das Steuer. „Selbst wenn alle Systeme ausfallen, kann man immer noch mit dem Fußbremsmodul bremsen, welches dann automatisch über Car-to-car-Kommunikation das hintere Fahrzeug bremst“, erklärt Sebastian Völl, Projektleiter von MAN.

          Wenn ein Platooning-Partner da ist, kann das hintere Fahrzeug eine Anfrage an das vorausfahrende Fahrzeug schicken, ob es Platoon fahren möchte. Der hintere Fahrer gibt die Kontrolle per Tastendruck ab. Der Abstand verringert sich automatisch, und die Fahrzeuge können nun mit einer maximalen Geschwindigkeit von 80 Stundenkilometern fahren.

          Test auf der A9

          Testfeld war vom 25. Juni 2018 bis Januar die 145 Kilometer lange Strecke zwischen Nürnberg und München auf der Autobahn A9. Es gab 200 Fahrten und rund 30 000 Testkilometer. Laut Chung Anh Tran „werden pro Fahrt 100 Milliarden Datenpunkte aufgefasst“. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von der Hochschule Fresenius. Es soll auch herausgefunden werden, welche Auswirkungen das Fahren auf Wachheit, Konzentration und Reaktionsfähigkeit der Fahrer hat.

          Das Projekt wird staatlich gefördert. „Die Projektkosten liegen bei rund 4 Millionen Euro mit einer Förderquote von 50 Prozent“, erklärt Völl. Der MAN-Anteil liege bei 2,5 Millionen Euro; damit gingen von der staatlichen Förderung von 2 Millionen Euro 1,25 Millionen Euro an MAN.

          Platooning soll nicht nur der nächste Schritt zum autonomen Fahren sein, sondern auch viele andere Dinge verbessern. Zum einem soll der Spritverbrauch durch die Reduzierung des Windwiderstands verringert werden. „Simulationen haben gezeigt, dass im Idealfall bis zu 10 Prozent in einem Platoon gespart werden können“, sagt Völl. Ein anderer positiver Aspekt ist die bessere Nutzung des Platzes auf Autobahnen.

          Tran sagt dazu: „Dadurch dass die Fahrzeuge gekoppelt sind, bremst das hintere Fahrzeug quasi gleichzeitig. Statt einer normalen Reaktionszeit von 0,5 Sekunden braucht es nur eine Millisekunde. Deswegen konnte der Abstand von 50 Metern auf 10 bis 15 Meter reduziert werden, und es ist trotzdem vollkommen sicher.“ Es müssen noch einige Probleme gelöst werden; zum Beispiel kann bisher nur mit der gleichen Herstellermarke ein Platoon gebildet werden. DB führt dazu in Schweden ein Projekt mit Volvo durch.

          Der Artikel stammt aus dem Schülerprojekt „Jugend und Wirtschaft“, das die F.A.Z. gemeinsam mit dem Bundesverband deutscher Banken veranstaltet.

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