https://www.faz.net/-gqe-9gq69

Altmaier rügt Autohersteller : „Wann bauen Sie ein Elektroauto, das nur halb so sexy ist wie ein Tesla?“

  • Aktualisiert am

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) Bild: EPA

Beim Autonomen Fahren und E-Autos machen eher Amerikaner und Chinesen das Rennen als die deutschen Autokonzerne. In einer trauten Runde zur Zukunft der Industrie rutscht dem Wirtschaftsminister eine echte Ohrfeige gegen die Hersteller heraus.

          Es war eine nette Runde: Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und die Vorstandschefs Herbert Diess von Volkswagen sowie Dieter Zetsche von Daimler saßen zusammen mit Axel-Springer-Vorstandschef Mathias Döpfer. Zum Abschluss einer Verlagsveranstaltung von Axel Springer diskutierten die vier über die Zukunft der Mobilität, E-Autos und Autonomes Fahren.

          Eineinhalb Stunden lang diskutierten sie in Berlin, es wurde durchaus auch gelacht. Dann, bei der vorletzten Frage Döpfners, holte Altmaier auf einmal aus. „Deutsche Autos sind immer sexy gewesen: BMW, Mercedes und sogar der VW-Käfer in den 60er-Jahren“, sagte der Minister. Und dann: „Ich frage mich wirklich, wann Sie, Herr Zetsche, oder Sie, Herr Diess, oder Herr Krüger von BMW in der Lage sein werden, ein Elektroauto zu bauen, das nur halb so sexy ist wie ein Tesla. Was die Attraktivität ihrer E-Autos betrifft, könnten Sie tatsächlich noch einige frische Ideen einbringen."

          Es folgt ein abrupter Themenwechsel

          Die beiden Konzernchefs sagten darauf erst mal gar nichts – oder zumindest gibt das Interview, das daraufhin in der „Welt am Sonntag“ erschien, keine Antwort wieder. Ein abrupter Themenwechsel folgt auf das Altmaier-Zitat. Volkswagen-Chef Herbert Diess hatte schon zuvor einen Rückstand bei der Entwicklung von autonom fahrenden Autos eingestanden. Man müsse zugeben, dass etwa die Google-Tochter Waymo bei fahrerlosen Fahrzeugen ein bis zwei Jahre vorn liege, sagte er. „Doch wir sind entschlossen, aufzuholen. Das Spiel ist noch nicht verloren.“ Er verwies darauf, dass dabei viel von der staatlichen Regulierung abhänge.

          Altmaier vertrat die Position, autonome Autos würden sich sicher durchsetzen, wenngleich auch vielleicht nicht so schnell wie erwartet. Er sei aber „sicher, dass das komplett fahrerlose Fahren kommt. Vielleicht etwas später, als wir vor zwei, drei Jahren dachten“. Deutsche Firmen könnten dabei eine führende Rolle spielen. „Die deutsche Automobilindustrie ist absolut stark darin, hochwertige Fahrzeuge zu entwickeln, zu bauen und zu verkaufen. Dieses Wissen kann den einen oder anderen Rückstand ausgleichen, den wir bei der Entwicklung von digitalen Plattformen haben.“ Anscheinend müssen sie nur eben noch sexy werden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

           Ein Flugzeug von Thomas Cook steht auf dem Rollfeld des Flughafens von Manchester.

          Sanierung gescheitert : Thomas Cook ist pleite

          In der Nacht wurde das Aus besiegelt: Der älteste Reisekonzern der Welt steht vor der Zwangsliquidation. Das betrifft auch Zehntausende deutscher Urlauber, die bei Neckermann und anderen Marken gebucht haben.

          TV-Kritik: Anne Will : Welche Zukunft hätten Sie gern?

          Wer Klimaschutzpolitik als Kampf zwischen den Generationen etikettieren will, ist schief gewickelt. Die Zahl besorgter Eltern und Großeltern, die vergangenen Freitag an der Seite von Kindern und Enkeln auf die Straße gingen, war beachtlich. Der ganzen Debatte fehlt es an Optimismus.
           Unsere Sprinter-Autorin: Julia Anton

          F.A.Z.-Sprinter : Wenn einer eine Reise tut

          ... dann kann er was erzählen. Angela Merkel muss beim Klima-Gipfel in New York allerdings zunächst die Reisen ihrer Minister erklären, während andere Reisende Angst um ihren Urlaub haben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.