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Nutzung von Smartphones : Hilfe, was macht mein Kind auf Instagram?

Bloß weg mit dem Ding? Ein Smartphone-Verbot ist keine Lösung. Bild: dpa

Eine Regierungsberaterin bringt ein Smartphone-Verbot für Kinder ins Spiel. Gute Idee? Es gibt bessere Möglichkeiten.

          Eltern machen sich Sorgen um ihre Kinder, das gehört einfach zu dieser Beziehung dazu. Nun bewegen sich Jugendliche aber noch viel selbstverständlicher in einer Welt, die manche Erwachsene immer noch mit Misstrauen betrachten und in die sie wenig Einblick haben: Auf dem Smartphone ist alles jederzeit verfügbar.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Das ist wunderbar, kann aber auch gefährlich sein. Mobbing ist auch auf dem Schulhof schlimm, in einer Whatsapp-Gruppe kann das noch viel schmerzhafter sein. Die Liebeserklärung, die früher auf dem Zettel die Runde gemacht hat, sieht heute in Sekunden nicht nur die halbe Schule, sondern das halbe Netz, wenn es nur „peinlich genug“ ist.

          Apps, die sich vor allem an Jugendliche richten, sind natürlich auch ein Mittel, um sich abzugrenzen. Viele Jugendliche finden nichts uncooler als lustige Bilder von Papa auf Facebook oder die Mama, die Instagram-Fotos kommentiert. Und sie wollen sich auch nicht überwacht fühlen.

          Was also tun? Julia von Weiler, Internetexpertin im Fachbeirat des Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, fordert jedenfalls einfach ein Smartphone-Verbot für Kinder unter 14 Jahren. „So, wie wir Kinder vor Alkohol oder anderen Drogen schützen, sollten wir sie auch vor den Risiken einer zu frühen Smartphone-Nutzung schützen“, sagte sie der Funke-Mediengruppe. Das klingt nach letztem Mittel und irgendwie nach Aktionismus. Zudem schließt es Kinder davon aus, von und mit Technik auch zu lernen.

          Einen Picasso nicht der ganzen Welt zeigen

          Der Vorschlag verwundert auch vor dem Hintergrund, dass es mit Initiativen wie „Apps geprüft“ vom Bildungs- und Justizministerium geförderte Plattformen gibt, die mit Blick auf den Jugendschutz regelmäßig unter Kindern beliebte Apps prüfen und sie sogar mit einem Ampelsystem leicht erkennbar einordnen. Die Plattform Klicksafe.de, auf der sich Eltern informieren können, wurde von der Europäischen Union initiiert und von Landesmedienanstalten umgesetzt.

          Rein auf die Plattformen zu vertrauen als „Gatekeeper“ – das funktioniert natürlich nicht. Die Macher von Instagram empfehlen den Dienst von 13 Jahren an, für Whatsapp schlagen sie mindestens 16 Jahre vor. Im App-Store steht unter der Youtube-App ein 17+, weil es nach einer Anmeldung auch „schwach ausgeprägt: sexuelle Inhalte oder Nacktheit“ zu sehen geben könnte. Facebook hält sich für Kinder unter 13 Jahren für ungeeignet, genauso wie Snapchat gibt das soziale Netzwerk die Möglichkeit, für Nutzer unter 16 Jahren bestimmte Funktionen zu sperren. Ob jemand bei der Anmeldung schummelt, wird nicht immer konsequent verfolgt.

          Die Videoapp Tik Tok, die früher Musical.ly hieß und vor allem unter Jugendlichen beliebt ist, setzt für Nutzer unter 18 Jahren eigentlich eine Einverständniserklärung der Erziehungsberechtigten voraus, fragt diese aber nicht in jedem Fall ab. Allerdings ist Bytedance, das chinesische Unternehmen hinter dieser App, nach wiederholter Kritik von Jugendschützern sensibilisiert: In der Vergangenheit häuften sich Klagen von Eltern (und jugendlichen Nutzern) darüber, dass sich auf der Plattform viele Erwachsene herumtreiben, die Nähe zu Kindern suchen.

          Tik Tok hat in mehreren Blogeinträgen erklärt, worauf Nutzer achten sollten. Sie sind immer in „Du“-Form geschrieben, also mutmaßlich an die jungen Nutzer adressiert. „Wenn bei Euch ein original Picasso im Wohnzimmer hängt, solltet Ihr das wahrscheinlich nicht der ganzen Welt zeigen“, steht etwa darin. Oder: „Auf Tik Tok gibt es keinen Platz für Belästigung oder Cybermobbing, verletzende oder gefährliche Inhalte, Nacktheit oder pornographische Inhalte.“

          Eltern können Apps einschränken

          So oder so ähnlich steht das in allen Nutzungsbedingungen von Technologieunternehmen für ihre Apps. Die Frage ist indes immer, wie so etwas nachverfolgt wird. Auf öffentlichen Druck hin haben Anbieter wie Facebook oder Snapchat zumindest ihre Einstellungen transparenter erläutert, sodass die Möglichkeit leichter zu finden ist, Inhalte nur noch ausgewählten Nutzern zu zeigen.

          Plattformen wie Instagram haben Mobbing-Kommentarfilter eingeführt, auch in Fotos sollen Beleidigungen mittels maschinellem Lernen leichter herauszufiltern sein. Seit den Skandalen mit Fake News und Hass-Rede hat der Facebook-Konzern auch personell deutlich aufgestockt, um die Milliarden Posts jeden Tag besser zu überblicken. 

          Sich alleine darauf zu verlassen, ist allerdings naiv. Die Plattformen haben Interesse an möglichst vielen Nutzern, die möglichst viele Inhalte möglichst öffentlich teilen, kommentieren und weiterverbreiten – um mit diesen Inhalten Werbung zu verkaufen. Es gibt also gegeneinander laufende Interessen in ein und derselben Plattform.

          Auf Smartphones und damit noch vor der App-Ebene gibt es aber einige Einstellungsmöglichkeiten für Eltern. Im Apple-Betriebssystem ist die „Bildschirmzeit“ so eine Möglichkeit. Da können Nutzungszeiten für Apps beschränkt oder Regeln definiert werden.

          Google bietet für seine Android-Plattform mit dem „Family Link“ die Möglichkeit, ein eingeschränktes Google-Konto für das Smartphone des Kindes einzurichten, inklusive Sperrzeiten. Auch da gilt es darauf zu achten: Google sammelt und verknüpft dort ebenfalls Daten – Nutzungsbedingungen zu lesen mag anstrengend sein, schützt aber vor bösen Überraschungen.

          Auch Drittanbieter wie der Entwickler Jonas Lochmann aus Halle an der Saale helfen mit ihren Apps. Seine Programme „JoLo Kindersicherung“ oder „TimeLimit“ geben nicht nur die Möglichkeit, Nutzungszeit zu beschränken. Sie sind zudem Ende-zu-Ende verschlüsselt und tracken ihre Nutzer nicht.

          Darum gilt: Es gibt bessere Alternativen als komplette Verbote, die ohnehin häufig umgangen werden (können). Eltern sollten vor allem mit ihren Kindern darüber reden, was sie interessiert und was sie machen – analog und im Internet. Damit sind sie gute Begleiter beim Erwachsenwerden.

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