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Online-Bezahldienst : Nintendos neue Gelddruckmaschine

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Nintendo will am Mittwoch seinen Online-Bezahldienst „Nintendo Switch Online“ starten. Viele Kunden sehen ihn skeptisch. Bild: dpa

Der japanische Videospielkonzern nimmt seinen Kunden für das Online-Spielen auf der Switch-Konsole ab Mittwoch Geld ab. Die Konkurrenten machen das bereits seit Jahren – ob Nintendo an ihren Erfolg heranreichen kann, ist aber fraglich.

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          Eine Runde im Rennspiel „Mario Kart 8 Deluxe“ gegen Gegner in aller Welt düsen, den Tennisschläger in „Mario Tennis Aces“ gegen reale Gegner schwingen oder andere Internet-Spieler im Arcade-Shooter „Splatoon 2“ mit bunter Farbe bespritzen. All das soll nach dem Plan des Videospielunternehmens Nintendo für Spieler der neuesten Konsole „Nintendo Switch“ ab Mittwoch Geld kosten.

          Denn der japanische Videospielkonzern will Mario, Luigi und Co. künftig hinter eine Bezahlschranke verbannen. Wer bestimmte Spiele auf Nintendos neuester Konsole online mit Freunden zocken will, muss in die Tasche greifen: 20 Euro pro Jahr und Spieler verlangt Nintendo ab diesem Mittwoch für diese Möglichkeit – die zuvor kostenlos war.

          Das treibt Nintendos Kunden auf die Barrikaden: Das Ankündigungsvideo zum Online-Bezahldienst erhielt auf Youtube fast 20.000 negative Bewertungen, in den Kommentaren machten die Nintendo-Kunden ihrem Ärger Luft: „Herzlichen Glückwunsch an jeden, der 300 Dollar für unsere neue Konsole ausgegeben hat. Sie können uns jetzt dafür bezahlen, Ihre eigene Internetverbindung zu nutzen“, schreibt ein Kommentator. Einige Spiele, die ausschließlich online laufen, wie der Shooter „Fortnite“ werden zwar auch weiterhin online kostenlos spielbar bleiben, der Großteil der Nintendo-Spiele wandert aber online hinter die Bezahlschranke.

          Goldgrube Online-Gebühren

          Warum also bringt Nintendo seine eigene Kundschaft mit dem Online-Bezahldienst so gegen sich auf? Die Antwort: Weil er eine Goldgrube wird. Mit dem Abonnement-Modell für das Online-Spielen schafft Nintendo eine wahre Gelddruckmaschine. Denn grundsätzlich verdienen Videospielfirmen nur an den Verkaufserlösen der von ihnen veröffentlichten Spiele – und tragen somit ein großes finanzielles Risiko: Wenn ihr neuester Spieleblockbuster floppt, bedeutet das oft hohe Verluste für Nintendo und Co.

          Deshalb kommt eine zusätzliche Geldquelle gelegen. Denn all diejenigen, die ihre Spiele mit Freunden zocken wollen, kommen um den Dienst nicht herum und spülen Monat für Monat dem Konzern frisches Geld in die Kasse. Wie viel Geld das sein könnte, lässt sich gut an den Konkurrenten Nintendos ablesen. Denn Microsoft und Sony haben bereits seit Jahren für ihre Konsolen X-Box One und Playstation 4 entsprechende Online-Bezahlmodelle eingerichtet – und verdienen mächtig.

          Nach Angaben des deutschen Verbands der Spielebranche, Game, wuchs der Umsatz mit Gebühren von Online-Netzwerken in Deutschland von 2016 auf 2017 um knapp 60 Prozent auf rund 180 Millionen Euro. Das entspricht fast 20 Prozent des Gesamtumsatzes mit Videospielen in Deutschland. In Zukunft wird der Umsatz wohl noch weiter ansteigen. Durch die Online-Gebühr ist ein komplett neuer Markt für Videospiel-Unternehmen entstanden.

          Wirtschaftlich gesehen ist es also kein Wunder, dass nun auch Nintendo etwas von diesem Geldsegen abbekommen möchte. Doch bieten die Konkurrenten mit ihrem Online-Service deutlich mehr Zusatzinhalte an, als Nintendo bisher angekündigt hat: Sowohl Microsoft als auch Sony stellen ihren Kunden alle paar Wochen ein mehr oder weniger aktuelles Spiel kostenlos zur Verfügung, das nach zwei Wochen gegen ein neues Spiel getauscht wird. So können Nutzer im Jahr 26 Spieletitel ausprobieren.

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