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Videospiele : Nintendo versucht es mit einer billigeren Switch

Eine Passantin läuft in Tokio an einer Werbung des Videospiel-Herstellers Nintendo vorbei. Bild: AP

Über Nacht hat Nintendo eine billigere Variante seines Spitzenmodells Switch vorgestellt. Die Erwartungen sind groß. An der Börse in Tokio stieg der Kurs des Videospiel-Herstellers um rund 4 Prozent.

          Der japanische Spielespezialist Nintendo hat im Zeitpunkt überraschend eine billigere Version der Spielekonsole Switch eingeführt, um mehr Kunden auf die Plattform zu locken und so mehr Spielprogramme verkaufen zu können. An der Börse in Tokio stieg der Kurs von Nintendo im Morgenhandel um rund 4 Prozent, während der Markt allgemein gemessen am Nikkei- oder Topix-Index kaum gewann.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Das neue Gerät „Switch Lite“ soll am 20. September in den Handel kommen, rechtzeitig vor dem Weihnachtsgeschäft. In Japan und in den Vereinigten Staaten kostet die Switch Lite rund ein Drittel weniger als das größere Modell. Die Preisdifferenz in Deutschland dürfte ähnlich liegen.

          Spott im Internet

          Der wichtigste Unterschied zwischen den beiden Geräten ist neben dem Preis, dass die Switch Lite nur tragbar zu verwenden ist und nicht stationär an einen Fernseher angeschlossen oder stationär verwendet werden kann. Die dreifache Verwendungsmöglichkeit der originalen Spielkonsole hatte den Namen „Switch – Wechsel“ begründet. Dass die abgespeckte Version nun gleichfalls Switch heißt, führte in sozialen Netzwerken zu spöttischen Kommentaren. „Es ist eine Switch, die, nun ja, nicht switchen kann“, schrieb ein Nutzer.

          Das größere Modell Switch hatte Nintendo im März 2017 eingeführt. Es galt als Hoffnungsträger für den Spielespezialisten aus Kyoto, nachdem das Vorgängermodell nicht so gut lief wie erwartet. An den Erfolg der 2006 eingeführten Spielekonsole Wii, mit der Nintendo sich neue Käuferschichten erschloss, hat Nintendo aber bislang nicht angeknüpft. Im ersten vollen Geschäftsjahr nach Markteinführung verkaufte Nintendo von der Wii 18,63 Millionen Stück. Die Switch verkaufte sich im ersten Jahr 15 Millionen Mal. Für das aktuelle Geschäftsjahr rechnet Nintendo mit einem Verkauf von 18 Millionen Stück, das wäre immer noch weniger als die Wii im ersten Verkaufsjahr.

          Ob die billigere Switch Lite den Verkauf drastisch anschieben wird, ist fraglich. Analysten verweisen darauf, dass viele potentielle Käufer scheinbar den Kauf einer Switch hinausgezögert hatten. Die Gefahr besteht, dass die Switch Lite mögliche Käufer der originalen Switch abzieht.

          iPhone statt Spielekonsole

          Der Verkauf von Spielekonsolen gestaltet sich seit vielen Jahren schwieriger, nachdem tragbare Telefone wie das iPhone den Markt für viele Gelegenheitsspieler bedienen. Nintendo reagierte darauf vergleichsweise spät, bietet mittlerweile aber auch einige eigene Spiele für Smartphones an. Mit diesen Titeln und den Einnahmen aus der Lizensierung beliebter Spielefiguren wie Pokémon an andere Spieleprogrammentwickler erwirtschaftet Nintendo indes weniger als 4 Prozent seines Umsatzes.

          Für das aktuelle Geschäftsjahr hatte Nintendo im April eine sehr zurückhaltende Prognose vorgelegt. Danach soll der Umsatz um 4 Prozent auf 1250 Milliarden Yen (10,2 Milliarden Euro) steigen und der Gewinn um 7 Prozent auf 180 Milliarden Yen sinken. Der Börsenkurs Nintendo hat sich von dem Einbruch im vergangenen Jahr erholt und in diesem Jahr um 48 Prozent zugelegt, in der Hoffnung auf eine billigere Spielekonsole und ein größeres Angebot an Spieletiteln.

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