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Neuer Datenmissbrauch : Facebook ist von innen faul

Daumen hoch? Von wegen: Der Tech-Konzern zeigt einmal mehr, wie man sich nicht anständig verhält. Bild: Reuters

Fast jede Woche kommen neue Belege für ein ruchloses Verhalten von Facebook ans Licht. Jetzt wird bekannt, dass der Konzern munter Daten mit mehr als 150 Unternehmen geteilt hat – ohne Einverständnis seiner Nutzer. Apple zeigt, wie es besser geht. Ein Kommentar.

          Das sogenannte Soziale Netzwerk Facebook kann froh sein, dass die Nutzer sich auf die Konzernmarken Whatsapp und Instagram stürzen. Denn der Kern des Unternehmens, also Facebook selbst, ist von innen faul. Es vergeht fast keine Woche mehr, in der nicht neue Belege für ein aggressives, ja ruchloses Verhalten den eigenen Nutzern gegenüber ans Licht kommen. Und immer wieder beweist die Führung des Unternehmens auch, dass sie nie ein Gespür dafür hatte, was man Menschen zumuten kann, was nicht – und was man tun muss, wenn man Mist gebaut hat.

          Nun also wissen wir, dass Facebook munter Daten mit mehr als 150 Unternehmen geteilt hat, um auf diesem Weg noch schneller zu wachsen. Dabei ging es um die persönliche Suchhistorie der Nutzer, Telefonnummern und Freundeslisten. Die Pointe daran: Die betroffenen Nutzer hatten dieser Verwendung ihrer Daten nicht nur nicht zugestimmt, sie wussten auch nichts davon – und selbst wenn sie konkret widersprochen hätten, hätte ihnen das nichts genutzt. Und wenn die Recherchen der „New York Times“, die das alles aufgedeckt haben, stimmen, dann ging das im Fall der Zusammenarbeit zum Beispiel mit der Suchmaschine Bing von Microsoft bis in das vergangene Jahr hinein weiter. Facebook verteidigte sich in einem Blogbeitrag gegen die Vorwürfe. Das Unternehmen habe die Zustimmung der Nutzer eingeholt.

          Apple leuchtet

          Nun ist es das eine, immer wieder Facebook anzuprangern. Noch interessanter aber ist zu sehen, wie sehr sich Unternehmen im Silicon Valley im Umgang mit dem Thema Datenschutz inzwischen unterscheiden. Als leuchtendes Beispiel ragt derzeit Apple heraus. Der Vorstandsvorsitzende Tim Cook beteuert immer wieder, aus den Daten seiner Kunden kein Kapital schlagen zu wollen. Und bisher gibt es auch keinen Beleg dafür, dass er es tut.

          Wohlgemerkt: Bei Facebook geht das anders. Dort sagt der überforderte Vorstandsvorsitzende Mark Zuckerberg, man verkaufe die Daten der Nutzer nicht. Das stimmt, aber es ist ein Spiel mit Halbwahrheiten. Denn er sagt so etwas, obwohl er zu dem Zeitpunkt weiß, dass er sie in großem Stil – und für das Unternehmen gewinnbringend – geteilt hat. Mit solchen semantischen Spielchen schafft man es, Vertrauen in Rekordzeit zu ruinieren.

          Das Pendel schlägt zurück

          Apple hingegen lobt brav die europäische Datenschutzgrundverordnung, gibt sich als Vorbild mit weißer Weste. Und das Unternehmen geht noch weiter: Aus der Steuerdiskussion mit den europäischen Behörden scheint der Elektronikhersteller aus Cupertino zumindest so viel gelernt zu haben, dass man betont, höchstens minimale Steuervergünstigungen für die Erweiterung oder den Neubau eigener Gebäude zu bekommen. Das ist auf Amazon gemünzt. Denn die Suche des Onlinehändlers nach einem Standort für eine weitere größere Konzernzentrale geriet in Amerika zu einem wahren Steuersubventionswettbewerb.

          Ein solches Verhalten passt in dieselbe Schublade wie das Auftreten von Facebook. Die Menschen wissen, wie gut die Unternehmen verdienen. Sie wollen von ihnen nicht auch noch ausgetrickst werden. Die Amerikaner haben für das, was die Folge eines solchen Verhaltens werden könnte, längst eine passende Beschreibung gefunden: „Tech-Backlash“. Gemeint ist eine Gegenreaktion, das Pendel schlägt wieder in die andere Richtung aus, weg von den Technikkonzernen und weg von dem Glauben an ihrem segensreichen Wirken.

          Außer Tim Cook von Apple haben noch nicht allzu viele von seinen Kollegen begriffen, dass so etwas für das eigene Unternehmen verheerende Folgen haben kann. Apple hat Facebook und Amazon in diesem Jahr gezeigt, wie man sich korrekt verhalten sollte und wie man mit der Öffentlichkeit kommuniziert – die anderen, wie man es nicht macht.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

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