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Neue Höchstgebote : 5G-Auktion knackt Drei-Milliarden-Euro-Marke

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Jochen Homann ist Chef der Bundesnetzagentur, der Mann mit der Uhr und der Herr über die Versteigerung. Bild: Reuters

Erst sah es so aus, als würde sich die 5G-Auktion dem Ende zuneigen. Jetzt bieten die Mobilfunk-Unternehmen aber wieder kräftig. Damit wird die Auktion wohl doch keine Enttäuschung.

          Nach einer Hängepartie nimmt die Auktion von 5G-Mobilfunkfrequenzen wieder Fahrt auf: Die Höchstgebote der vier Telekommunikationsfirmen überstiegen am Donnerstag die Schwelle von drei Milliarden Euro, wie aus der Webseite der Bundesnetzagentur hervorgeht. In der 128. Runde der Auktion summierten sie sich auf mehr als 3,1 Milliarden Euro. Dabei eingerechnet sind Zahlungsverpflichtungen, die sich wegen zurückgenommener Höchstgebote ergeben.

          Die Versteigerung hatte am 19. März am Mainzer Technik-Standort der Bonner Behörde begonnen. Neben der Deutschen Telekom, Vodafone und Telefónica macht auch der Neueinsteiger Drillisch mit, der bisher kein eigenes Netz hat. Aktuell kommt Branchenprimus Telekom auf die meisten Pakete. Im Gleichstand befinden sich Vodafone und Drillisch, während sich Telefonica bislang mit dem geringsten Spektrum zufriedengeben muss.

          In den vergangenen zwei Tagen hatte es weniger Höchstgebote gegeben als zuvor – es sah zwischenzeitlich so aus, als gehe die Veranstaltung bald zu Ende. Während am Mittwoch zwischenzeitlich nur noch für einen Frequenzblock Gebote eingingen, waren nunmehr wieder deutlich mehr Blöcke im Spiel. Im 3,6-Gigahertz-Band zogen Drillisch und Telefónica ihre Gebote für sechs Frequenzblöcke zurück. Insgesamt werden 41 Frequenzpakete im 2-Gigahertz-Band sowie im 3,6-Gigahertz-Band zugeteilt. Die Auktion, die am 19. März in Mainz startete, läuft aus, wenn keine neue Gebote mehr eingehen. Bis zum Ende kann jeder Block abermals aufgerufen werden.

          Keine Enttäuschung mehr

          Nun dürfte die Auktion keine finanzielle Enttäuschung mehr werden für den Staat, der die Einnahmen in die Digitalisierung stecken will. Experten waren vor Auktionsstart von einem Einnahmenkorridor zwischen drei und fünf Milliarden Euro ausgegangen.

          Frühere Versteigerungen haben dem Bund mehrere Milliarden Euro in die Kassen gespült und dauerten drei bis sechs Wochen. Die UMTS-Auktion 2000 war mit mehr als 50 Milliarden Euro das bisher teuerste Bieterverfahren. Bei der letzten großen Frequenzauktion 2015 waren es ungefähr 5 Milliarden Euro. Bereits im Vorfeld warnten die Netzbetreiber dieses Mal aber vor zu hohen Erwartungen und mahnten, jeder Euro könne nur einmal ausgegeben werden. In Norwegen ist den Telekomfirmen angeboten worden, die Zahlung von bis zu 90 Prozent der fälligen Summe für zwei Jahre zu verschieben, wenn sie dafür schneller die Netze ausbauen.

          Diesmal gelten die Ausbauauflagen aber als besonders streng und anspruchsvoll für die Netzbetreiber. Bis Ende 2022 sollen 98 Prozent der Haushalte sowie Autobahnen und andere Strecken mit schnellem mobilen Internet versorgt werden.

          5G soll Datengeschwindigkeiten ermöglichen, die mindestens 100 Mal schneller sind als die der aktuellen 4G-Netze und für sehr niedrige Reaktionszeiten sorgen. Zudem müssen keine Unterbrechungen während der Übertragung befürchtet werden. Das sind Bedingungen, wie sie für künftige Schlüsseltechnologien nötig sind – etwa das autonome Fahren, virtuelle Realität und Industrie 4.0.

          Während in Deutschland noch für die Frequenzen geboten wird, schreiten Telekomfirmen in Südkorea und den Vereinigten Staaten bereits zur Tat. Die drei größten südkoreanischen Anbieter sowie Verizon bieten ihren Kunden seit Mittwoch 5G-Dienstleistungen an – früher als ursprünglich angekündigt. Smartphone-Marktführer Samsung Electronics aus Südkorea stellte im Februar als erstes Unternehmen ein 5G-Smartphone vor. LG Electronics will noch diesen Monat folgen.

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