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Netflix-Kommentar : Für die Kunden ist das super

Die Serie „The Crown“ handelt vom Leben der jungen britischen Königen Elisabeth II. Bild: AP

Netflix trumpft auf, die wichtigste Konkurrenz ist längst nicht mehr das klassische Fernsehen. Großer Gewinner dieser Entwicklung ist aber vor allem – der Konsument.

          Zweifel, welche Zweifel? Beinahe sieben Millionen neue Abonnenten hat der Internetdienst Netflix allein in den vergangenen drei Monaten für sich gewonnen – mehr als 137 Millionen Menschen rund um den Globus sehen nun regelmäßig Serien und Filme aus dem reichhaltigen Angebot des jungen Unternehmens. Die Anleger an der Börse haben bereits klar signalisiert, wie sie das finden: Seit Jahresbeginn ist der Aktienkurs von Netflix um 80 Prozent gestiegen, das ist viel stärker als die Titel vieler anderer Unternehmen, stärker als die amerikanischen Leitindizes oder der deutsche Dax. 150 Milliarden Dollar ist das Unternehmen derzeit am Markt wert und wenn sich der nachbörsliche Kurssprung am Dienstagabend heute materialisiert, dann kommt noch einmal ein satter Milliardenbetrag hinzu – und Netflix ist wieder teurer als der Unterhaltungskonzern Walt Disney.

          Der kometenhafte Aufstieg des erst 1997 gegründeten kalifornischen Unternehmens zeigt einmal mehr: Das Fernsehen, wie wir es kannten und kennen, ist zu Ende. Immer mehr Menschen wollen selbst entscheiden, wann sie ihre Lieblingsserie schauen und sich ihren Tages-Rhythmus nicht von einer Programmzeitschrift vorgeben lassen. Das Angebot, das Netflix bietet, ist breit und deckt alle Geschmacksrichtungen ab. Die Flatrate schreckt niemanden ab – vier Cappuccinos in einem Café in Deutschland kosten derzeit ungefähr so viel wie einen Monat lang Netflix nutzen.

          Und die Qualität gerade auch der eigenen Produktionen des Unternehmens überzeugt ebenfalls. Als die Jury vor ungefähr einem Monat die höchste Auszeichnung für Fernsehproduktionen, die Emmys, verlieh, räumte Netflix mit 23 Preisen ab und zog mit dem mächtigen klassischen Anbieter HBO gleich – auch wenn dessen Serienhit „Game of Thrones“ den Hauptpreis in der Drama-Kategorie gewann und auch der Science-Fiction-Western Westworld die Juroren überzeugte.

          Für den Netflix-Gründer und Vorstandschef Reed Hastings sind die wichtigsten Konkurrenten längst nicht mehr die traditionellen Fernsehsender. Er muss sich vielmehr auseinandersetzen mit den anderen Streamingdiensten, mit der Produktpalette von Amazon, den Ideen des Handyherstellers Apple oder dem angekündigten eigenen Streaming-Angebot des Disney-Konzerns, das im kommenden Jahr starten soll. Das  Micky-Maus-Unternehmen verfügt über hochgradig beliebte Titel, hat die Rechte an der Weltraum-Saga „Star Wars“ schon vor Jahren übernommen und ebenso die Superhelden-Reihe Marvel. In dieser wachsenden Konkurrenz muss sich Netflix künftig bewähren – gegen Tech-Konzerne, die eigentlich über mehr Mittel verfügen.

          Für die Kunden wiederum ist die Entwicklung erfreulich: Sie können sich auf ein weiter wachsendes Angebot einrichten und auf tendenziell sinkende oder zumindest nicht stark steigende Preise.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

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