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Kommentar zu Nahles-Vorstoß : Verwegen und charmant

Digitalkonzerne, ich will euch bändigen: Andrea Nahles bei einem Besuch in der Deutschlandzentrale des Softwarekonzerns Microsoft. Bild: dpa

Die SPD-Chefin will Digitalkonzerne wie Google zum Teilen ihrer Daten zwingen. Die Maßnahme wäre zweifellos drastisch – doch sie hätte ihr Gutes.

          Andrea Nahles schärft das Profil der SPD als Dompteurin der Digitalkonzerne: Nach Vorstellungen der SPD-Chefin sollen Konzerne wie Google, Amazon und Facebook Teile ihres Datenschatzes abgeben, damit auch andere eine Chance bekommen.

          Die Idee ist verwegen und charmant. Verwegen, weil der Staat damit beherzt in erwirtschaftete Güter von Privatunternehmen griffe, nämlich ihre Datensilos. Verwegen ist die Idee auch, weil mit jeder Datenkopie die Datenschutzrisiken im Zusammenhang mit Big Data steigen.

          Denn auch anonymisierte Daten lassen sich mit Hilfe von Zusatzinformationen auf Individuen zurückführen – und je mehr Unternehmen Zugriff haben, desto größer ist dieses Risiko rechnerisch. Schließlich sind die Daten nirgendwo sicherer vor Hackerangriffen als in einem Google-Datenzentrum, jedenfalls sicherer als in einem schmächtigen Start-up.

          Doch es gibt auch Gutes

          Charmant hingegen: Die Maßnahme träfe tatsächlich die Großen, nützte den Kleinen und verwendete dabei Mechanismen des Kartellrechts – anders als die vermurkste Datenschutzgrundverordnung oder das freiheitsfeindliche Netzwerkdurchsetzungsgesetz.

          Daten sind aber nicht alles: Man braucht die richtigen Programme, um aus ihnen schlau zu werden. Das kann aber womöglich auch ein David aus Europa hinbekommen – und so vielleicht einmal einen Goliath aus Amerika bezwingen. Das wäre sogar extrem charmant.

          Hendrik Wieduwilt

          Redakteur der Wirtschaft in Berlin, zuständig für „Recht und Steuern“.

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