https://www.faz.net/-gqe-9f78b

Mutmaßliche Spionage aus China : Bundesamt fordert Stellungnahme von Apple und Amazon

  • Aktualisiert am

Experten halten einen Spionageangriff mittels manipulierter Mikrochips für ein real mögliches Szenario. Bild: dpa

Experten halten den mutmaßlichen chinesischen Hacker-Angriffe mittels verbauter Mikrochips für ein real mögliches Szenario. Nun sind auch in Deutschland Politik und Behörden alarmiert. Apple und Amazon sollen sich rechtfertigen.

          Der Bericht über angebliche Spionage-Chips aus China in Servern für Apple und Amazon hat Politik und Wirtschaft auch in Deutschland aufgeschreckt. Die FDP forderte von der Bundesregierung Aufklärung über mögliche Auswirkungen hierzulande. Der Digitalverband Bitkom zeigte sich alarmiert. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) erklärte, es nehme den Bericht sehr ernst und habe Apple und Amazon um Stellungnahmen gebeten.

          Das BSI frage jetzt auch bei den Herstellern von Technik, die für den Einsatz in der Bundesverwaltung zugelassen ist, deren Kenntnisstand, mögliche Betroffenheit und getroffene Sicherheitsmaßnahmen ab. Aber: „Dem BSI liegen derzeit keine Erkenntnisse vor, die eine Einschätzung zum Wahrheitsgehalt der Medienberichte erlauben“, schränkte die Behörde ein. Generell sei das Problem der Manipulationen von Hardware aber bekannt: „Chips können heute in sehr kleinen Abmessungen produziert und nahezu unerkannt in vorhandene Schaltungen eingebracht oder versteckte Funktionen direkt in den Schaltplänen berücksichtigt werden.“

          Apple und Amazon dementierten ungewöhnlich scharf

          Der Finanzdienst Bloomberg hatte berichtet, dass chinesische Hacker entsprechende Computerchips direkt in die Elektronik von Servern einer amerikanischen Firma eingebaut hätten, deren Rechner in großen amerikanischen Konzernen sowie Behörden genutzt werden. Die winzigen Bauteile erlaubten es Angreifern, die Kontrolle über die Server zu übernehmen und Informationen abzuzapfen. Bis zu 30 Unternehmen seien betroffen, namentlich genannt wurden Apple und Amazon, die die Berichte allerdings ungewöhnlich scharf dementierten (die Stellungnahme von Apple ist hier zu lesen).

          Dem Bloomberg-Bericht zufolge laufen schon seit drei Jahren geheime Ermittlungen der amerikanischen Behörden im Zusammenhang mit den Spionage-Chips. Die Ermittler hätten herausgefunden, dass sie in Fabriken in China in die Elektronik der Server der Firma Super Micro eingeschleust worden seien. Dahinter würden chinesische Militärhacker vermutet. Der IT-Verband Bitkom warnte, wenn der Bericht zutreffen sollte, könnten deutsche Unternehmen zumindest mittelbar betroffen sein. Die global agierende deutsche Wirtschaft sei entsprechend stark international verflochten.

          Der Hamburger Datenschützer Johannes Caspar hält Hackerattacken über Spionage-Chips für ein reales Szenario. „Solche Angriffe sind nicht nur über winzige Bauteile denkbar, sondern können schon bei der Fertigung einzelner Chips zum Tragen kommen“, sagte Caspar. Die einseitige Abhängigkeit der Hardwarebranche von günstigen Herstellern in China begünstige dies. „Von der Produktion bis zur Auslieferung an den Endkunden gibt es für einen entsprechend mächtigen Akteur alle nur erdenklichen Zu- und Eingriffspunkte.“ Es sei extrem schwierig, eine professionelle Manipulation von Hardware zu erkennen.

          F.A.Z. Digitec: jetzt testen!
          F.A.Z. Digitec: jetzt testen!

          Nehmen Sie die digitale Zukunft selbst in die Hand.

          Mehr erfahren

          „Es ist absolut erforderlich, dass die Bundesregierung die Gefährdungslage schonungslos analysiert“, sagte FDP-Fraktionsvize Michael Theurer. Er sehe die Gefahr, dass die deutsche Wirtschaft „Opfer planmäßiger Industriespionage nicht nur der Chinesen wird“.

          Weitere Themen

          Ab durch den Hyperloop-Tunnel Video-Seite öffnen

          Highspeed-Rohrpost : Ab durch den Hyperloop-Tunnel

          Mit der Hyperloop-Technologie will Hightech-Visionär Elon Musk Passagiere wie in einer Rohrpost von Stadt zu Stadt katapultieren. In Kalifornien ist jetzt ein Testtunnel für das ehrgeizige Projekt eingeweiht worden.

          Topmeldungen

          Neuer Datenmissbrauch : Facebook ist von innen faul

          Fast jede Woche kommen neue Belege für ein ruchloses Verhalten von Facebook ans Licht. Jetzt wird bekannt, dass der Konzern munter Daten mit mehr als 150 Unternehmen geteilt hat – ohne Einverständnis seiner Nutzer. Apple zeigt, wie es besser geht. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.