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Fortschritte in der Forschung : Mit Künstlicher Intelligenz gegen Parkinson

Schwer an Parkinson erkrankt: Michael J. Fox Bild: dpa

Allein in Deutschland leiden 400.000 Menschen an der zweithäufigsten Nervenkrankheit der Welt. Neue Ansätze mit Hilfe Künstlicher Intelligenz setzen in der Diagnose an.

          Der Boxer Muhammad Ali ging mit seiner Krankheit an die Öffentlichkeit. Ebenso der Schauspieler Michael J. Fox. Der Amerikaner, der mit Filmen wie „Zurück in die Zukunft“ bekannt geworden ist, hat sogar eine nach ihm benannte Stiftung ins Leben gerufen, die sich seither der Forschung gegen Parkinson verschrieben hat.

          Ilka Kopplin

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Schließlich ist sie nach Alzheimer die zweithäufigste neurodegenerative Krankheit auf der Welt: Im Jahr 2016 litten global mehr als 6 Millionen Menschen an der Krankheit, die mit Zittern, verlangsamten Bewegungen und steifen Muskeln einhergeht. Im Jahr 1990 waren es noch 2,5 Millionen gewesen. Allein in Deutschland sind es etwa 400.000 Menschen.

          Die Tendenz ist weiter steigend, da insbesondere ältere Menschen, durchschnittlich im Alter von 60 Jahren, erkranken. In entwickelten Industrienationen wird Parkinson dementsprechend weiter zunehmen.

          Wissenschaftler gehen davon aus, dass vermutlich schon viele Jahre vor Ausbruch der Krankheit, bei der Nervenzellen absterben, die den Botenstoff Dopamin produzieren, Veränderungen im Körper stattfinden, heißt es seitens der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG).

          Start-ups wie Audeering arbeiten an sprachgesteuerten Programmen zur Parkinson-Diagnose.

          Dazu zählten Schlafstörungen, Störungen des Geruchssinns und der Verdauung oder auch ein verändertes Stimmbild, erklärt Günter Höglinger, DPG-Vorsitzender.

          Auf diese Erkenntnis setzen auch neue Technologien, die mit Hilfe Künstlicher Intelligenz (KI) versuchen, die Krankheit früher zu diagnostizieren. „Mobiltelefone und digitale Uhren haben Sensoren, Mikro und Kamera, die Bewegungen und Sprache erkennen und deshalb wichtige Daten generieren können“, sagt Höglinger, der Oberarzt der neurologischen Abteilung im Münchner Klinikum rechts der Isar ist. Bewegungen könnten nachverfolgt, Sprachmuster erkannt werden.

          Enormes Potential für KI in der Gesundheit

          Kleinste Unterschiede fallen der trainierten Maschine eher auf. „Die Sprache wird monotoner und weniger moduliert“, erklärt Höglinger. In der Forschung nutze man durchaus schon Sprachanalyseprogramme, in der klinischen Praxis gebe es sie bislang noch nicht. Auch seien die digitalen Endgeräte hilfreich, um die Patienten kontinuierlich zu beobachten und in der Folge besser zu therapieren.

          So können beispielsweise Medikamente besser eingestellt werden. Gerade auch mit Blick auf das Alter der Patienten und dementsprechend viele Heimbewohner können solche Technologien hilfreich sein, um die Versorgung zu gewährleisten.

          Künstlicher Intelligenz in der Gesundheitsbranche wird ein enormes Potential zugesprochen, egal ob in der Forschung, der Behandlung oder der Diagnose. Unternehmensberater von Accenture haben gar in einer Studie prognostiziert, dass wichtige Anwendungen auf Basis von KI bis zum Jahr 2026 bis zu 150 Milliarden Dollar an Kosten in Amerikas Gesundheitsversorgung einsparen können.

          Ob sich diese Zahlen bewahrheiten, sei dahingestellt. Allerdings zeigt sich schon jetzt, wie sehr Unternehmen aus verschiedenen Branchen auf solche Technologien setzen. Egal ob Konzerne wie IBM oder Apple, Start-ups, Datenanalyse-Unternehmen oder Pharmakonzerne: Sie alle forschen an solchen Technologien.

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