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Merkel über KI : „Eine gute Nachricht für alle, die nicht denkfaul sind“

  • Aktualisiert am

Die Kanzlerin auf dem Digital-Gipfel. Bild: dpa

Die Kanzlerin mahnt auf dem Digital-Gipfel, schneller voranzukommen in Deutschland. Und sie erklärt, wieso sie sich dabei weder an Amerika noch an China orientieren will.

          Die Fortschritte in der Informatik beschleunigen sich und wirken sich auf Wirtschaft und Gesellschaft aus – gerade hat nun auch die deutsche Regierung eine eigene Strategie für Künstliche Intelligenz (KI) vorgelegt. Drei Milliarden Euro umfasst sie und beinhaltet zum Beispiel mindestens 100 neue KI-Professuren, Hilfe für Mittelständler und mehr Wagniskapital.

          Auf dem Digital-Gipfel in Nürnberg hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nun bekräftigt, dass mit dem breiteren Einsatzes von KI wichtige Veränderungen auch für das Arbeitsleben einhergehen werden. Besonders sich wiederholende Tätigkeiten könnten wahrscheinlich in großem Umfang ersetzt werden. Merkel regte an, das nicht als Gefahr wahrzunehmen, sondern als Chance. „Es ist eine gute Nachricht für alle, die nicht denkfaul sind.“

          Merkel bekräftigte, dass die Digitalisierung ähnlich wie die Soziale Marktwirtschaft kein Selbstzweck sei, sondern dem Wohle des Menschen zu dienen habe – und nicht umgekehrt. Sie wiederholte auch noch ein Mal, dass die Digitalisierung für viele Menschen weiter eine teils große Herausforderung darstellt. Weil sie für ihren Begriff „Neuland“ einen veritablen Shitstorm geerntet habe, wolle sie ihn nun nicht mehr verwenden, sondern wolle stattdessen von „noch nicht durchschrittenem Terrain“ sprechen, fügte sie schmunzelnd hinzu.

          KI braucht Daten

          Die deutsche Wirtschaft befinde sich in einer „industriellen revolutionären Phase“. Wichtig dafür seien verschiedene Rahmenbedingungen, etwa die Ausstattung mit superschnellem Internet. Merkel sagte zu der „lebendigen Diskussion über 5G“, dass der nächste Mobilfunkstandard nicht sofort überall in Deutschland in demselben Maße verfügbar sein müsse. „Nicht überall braucht man die Tonqualität der Berliner Philharmonie, aber überall sollte man Töne hören.“

          Der in Deutschland geprägte Begriff Industrie 4.0 sei mittlerweile auf der ganzen Welt anerkannt. Die deutsche Wirtschaft müsse aber mehr Gas geben und besonders „die Masse der Mittelständler“ müsse noch mehr tun. Die Bundesregierung müsse ihren Beitrag leisten, etwa durch mehr Hilfe für bessere Bildung. „Wir wollen nicht nur Schulen mit Computern ausstatten, sondern eine Lehr-Cloud, Weiterbildung von Lehrern, Breitbandanschluss für alle Schulen.“ Merkel würdigte dabei durchaus die Kulturhoheit der Länder. Den Streit über den Digitalpakt führte sie denn auch vor allem auf das Geld zurück; Während im Digitalpakt 90 Prozent der Bund und zehn Prozent die Länder zahlten, soll die Aufteilung bei allem weiteren 50 zu 50 sein. „Da liegt glaube ich der Hase im Pfeffer“, sagte die Kanzlerin.

          Merkel bekräftigte, auch in der digitalen Welt müsste jeder das Recht an seinem geistigen Eigentum haben (können). Und sie grenzte Europa insgesamt gegenüber anderen Teilen der Welt ab. In den Vereinigten Staaten gebe es ein hohes Maß an Datenzugriff durch private Unternehmen, in China wiederum durch den Staat: „Wir wollen beides nicht.“ Deshalb sei es die Aufgabe Deutschlands und Europas, „hier den richtigen Weg zu finden“. Merkel sagte mit Blick auf die Datenschutzgrundverordnung, diese werde auf der Welt häufig als der „erste Versuch“ wahrgenommen, vernünftig mit Daten umzugehen.

          „Die Digitalisierung ist das Beste, was uns passieren kann“, sagte der Präsident des Digitalverbandes Bitkom, Achim Berg, gerade weil Deutschland nicht über Rohstoffe verfüge, sondern abhängig von den Ideen seiner Menschen ist. Er mahnte, noch deutlich mehr zu tun. Vor zwölf Jahren hätten sich noch elf Schüler einen Laptop teilen müssen, jetzt seien es neun. „Darauf können wir nicht stolz sein.“ Nur drei Länder machten Informatik zum Pflichtfach. Berg kritisierte dabei den „extremen Föderalismus“ als Hindernis und mahnte mit Blick auf den Streit um den Digitalpakt: „Einigen Sie sich bitte schnell.“

          Darüber hinaus forderte er, gerade Daten besser verfügbar zu machen. Das Thema Datenschutz werde hierzulande dominiert von der „Angst vor Facebook und Google“, aber „KI braucht nun mal Daten“: „Wenn wir das datenpolitische Korsett immer enger schnüren, kann KI nicht funktionieren.“

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