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Mehr Staus durch Fahrdienste : Wie viel Uber ist gut für Deutschland?

Ziemlich beste Feinde: Uber und die Taxifahrer Bild: Reuters

Eine neue Studie zeigt, dass Fahrdienste wie Uber den Verkehr in Städten zusätzlich belasten. Das könnte dem schon schwelenden Koalitionsstreit über das neue Taxigesetz neues Feuer geben.

          Da es mit den Flugtaxis wohl noch etwas dauern wird, will es Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) nun zumindest Shuttle-Unternehmen einfacher machen, ihre Dienste auf die Straße zu bringen. Dafür sollen das Personenbeförderungsgesetz erneuert werden und einige mitunter strenge Auflagen für digitale Plattformen wie Uber fallen. Auf diesem und anderen Fahrdiensten ruht die große Hoffnung, dass sie den Besitz eines eigenen Autos für viele Menschen überflüssig machen und so zur Reduzierung des Verkehrsaufkommens in den Städten beitragen können.  

          Jessica von Blazekovic

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Doch gegen das Vorhaben des CSU-Politikers formiert sich offenbar reger Widerstand des Koalitionspartners SPD. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) berichtet, lehnt die Partei das Taxi-Gesetz und die damit verbundene Liberalisierung des Marktes aus Sorge um die Zukunft der Taxen und des Nahverkehrs in Deutschland in Weiten teilen ab. Dem Taxigewerbe würde ein Nachteil entstehen, „den es nicht überleben könnte“, zitiert die Zeitung führende Verkehrsexperten der Partei.

          Spielregeln für die Digitalen

          Zwar sehe auch die SPD Reformbedarf bei den herkömmlichen Taxis, etwa hinsichtlich flexibler Preise, geteilter Fahrten („Pooling“) und einer Lockerung der Ortskundeprüfung – schließlich nutzen die meisten Fahrer mittlerweile ein Navigationsgerät. Doch auch neue digitale Dienstleister müssten „nach klaren Spielregeln funktionieren“, sagte SPD-Fraktionsvize Sören Bartol.

          Die SPD stellt sich damit hinter deutsche Taxifahrer, die zuletzt vehement gegen eine Marktöffnung auf die Straße gegangen sind. Noch profitieren die Taxifahrer davon, dass das Geschäft der über das Smartphone bestellbaren Chauffeure in Deutschland durch verschiedene Auflagen eingeschränkt ist. So sorgt etwa die sogenannte Rückkehrpflicht dafür, dass Shuttle-, anders als Taxi-Fahrer, nach einer absolvierten Fahrt zunächst in ihre Garage zurückkehren müssen, bevor sie einen neuen Fahrgast aufnehmen dürfen. In Deutschland hadert Uber, das in dieser Woche an die Börse geht, seit Jahren mit dieser Regelung. Bartol warnte jetzt, es dürfe nicht zu „mehr Staus, Lohndumping und der Kannibalisierung des öffentlichen Nahverkehrs“ kommen.

          Mehr Staus

          Tatsächlich hat die rasant wachsende Präsenz von Fahrdiensten in großen amerikanischen Metropolen zu einem erbitterten Kampf mit dem etablierten Taxigewerbe geführt – und laut einigen Studien sogar das Gegenteil des erhofften Effekts auf das Stadtleben zur Folge gehabt:  Uber, Lyft und Co. hätten nicht etwa zu einer Entspannung des Verkehrs beigetragen, sondern ihn noch verstärkt. Selbst in Amerika verfügbare Dienste wie Uber-Pool, wo mehrere Fahrgäste die Fahrten teilen, verdichteten demnach den Verkehr.

          Der Grund: Die Fahrdienste würden eben nicht in erster Linie private Fahrten verdrängen. Vielmehr würden Menschen nun in ein Auto steigen, die ansonsten Bus, Bahn oder Fahrrad genommen hätten, zu Fuß gegangen wären oder ganz auf den Weg verzichtet hätten.

          Zu diesem Schluss kommt auch eine am Mittwoch veröffentlichte Untersuchung der Universität von Kentucky. Darin stellen die Forscher fest, dass der Verkehr in San Francisco aufgrund der verstärkten Nutzung von Fahrdiensten zwischen 2010 und 2016 stärker zugenommen hat, als es ohne deren Angebot der Fall gewesen wäre. So habe die Fahrtzeit unter Staubedingungen um 62 Prozent zugenommen und sei die Fahrgeschwindigkeit um 13 Prozent gesunken. Ohne die Shuttle-Fahrten hätte der Verkehr nur um 22 Prozent zu- und die Geschwindigkeit nur um 4 Prozent abgenommen, heißt es in der Studie.

          Die Verfügbarkeit von Fahrdiensten hätte demnach nicht zu weniger, sondern zu mehr Autos auf den Straßen gerade in den verkehrsintensiven Gebieten der Stadt geführt. Das Ein- und Ausladen von Fahrgästen an den Straßen führe zudem zu einer zusätzlichen Störung des Straßenverkehrs.

          Diese Erkenntnisse stehen in starkem Kontrast zu der von Uber und anderen Fahrdienstleistern kolportierten Botschaft, die Mobilität in Städten revolutionieren und deren Verkehrsprobleme lösen zu können. Doch gibt es auch Studien, die diese Vision stützen – ein finales Urteil darüber, wie sich Fahrdienste auf die Verkehrsbelastung von Städten auswirken, hat die Wissenschaft noch nicht gefällt.

          In Deutschland soll die Diskussion um das neue Taxigesetz am Freitag fortgesetzt werden. Dazu hat Scheuer offenbar Landes- und Bundespolitiker der Koalition sowie Grüne und FDP in sein Ministerium geladen.

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