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Steigende Nutzerzahlen : Facebook schüttelt Datenskandale ab

282 Millionen Nutzer verzeichnet das soziale Netzwerk inzwischen. Bild: dpa

Das soziale Netzwerk wächst weiterhin rasant und kann sogar die Nutzerzahlen wieder steigern. Aber eine neue Kontroverse lenkt von den guten Zahlen ab.

          Facebook ist im vergangenen Jahr von einer Affäre in die nächste getaumelt, und erst am Mittwoch gab es eine abermalige Kontroverse um den Umgang des Unternehmens mit Daten, die auch einen seit längerem schwelenden Streit mit dem Elektronikkonzern Apple weiter eskalieren ließ. Dem Geschäft des sozialen Netzwerks scheint all das aber bislang nicht spürbar zu schaden. Das Unternehmen meldete am Mittwoch nach Börsenschluss deutlich besser als erwartete Quartalszahlen. Der Aktienkurs legte nachbörslich zeitweise um acht Prozent zu.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Vielleicht am bemerkenswertesten war, dass Facebook beunruhigende Trends bei der Entwicklung der Nutzerzahlen stoppen konnte. In Europa, wo die Zahl der täglichen Facebook-Nutzer zwei Quartale in Folge gefallen war, gab es diesmal einen Zuwachs von 278 Millionen auf 282 Millionen. Auf dem nordamerikanischen Heimatmarkt stieg die Zahl nach zwei Quartalen der Stagnation von 185 Millionen auf 186 Millionen. Der Umsatz von Facebook kletterte in den vergangenen drei Monaten um 30 Prozent auf 16,9 Milliarden Dollar, Analysten hatten im Schnitt mit 16,4 Milliarden Dollar gerechnet. Der Nettogewinn stieg um 61 Prozent auf 6,9 Milliarden Dollar, das Ergebnis je Aktie von 2,38 Dollar war um 19 Cent besser als erwartet.

          Neuer Streit um Datenschutz

          Vor der Vorlage von Quartalszahlen hatte eine neue Datenschutzkontroverse für Aufregung um Facebook gesorgt. Wie der Technologieblog „Techcrunch“ berichtete, bezahlte das Unternehmen Teenager und Erwachsene dafür, eine Anwendung („App“) auf Apples iPhones oder Smartphones mit dem Betriebssystem Android zu installieren, die ihm weitreichenden Zugang zu Daten auf den Geräten gab. Zu den Daten, die Facebook über die App sammeln konnte, gehören dem Bericht zufolge private Nachrichten in sozialen Netzwerken, Emails, Suchanfragen im Internet, besuchte Internetseiten und Informationen über den Standort von Nutzern. Der Zugang zu den Geräten sei „fast grenzenlos“, heißt es weiter. Die Nutzer der App seien sogar aufgefordert, über einen „Screenshot“ abzufotografieren, was sie beim Online-Händler Amazon.com bestellt haben. Die App hat den Namen „Facebook Research“ und existiert seit dem Jahr 2016. Wer sie installierte, dem bezahlte das Unternehmen nach „Techcrunch“-Angaben 20 Dollar im Monat, außerdem zusätzliches Geld für das Empfehlen weiterer Nutzer. Für das Programm seien Personen zwischen 13 und 35 Jahren rekrutiert worden, wobei sich Facebook in Anzeigen für die App auch speziell nur an Teenager zwischen 13 und 17 Jahren gerichtet haben soll. Für jugendliche Teilnehmer habe Facebook die Zustimmung der Eltern eingeholt.

          Mit der App soll das Unternehmen dem Bericht zufolge unter anderem das Ziel verfolgen, Daten über Wettbewerber zu sammeln. Ihr Ansatz ähnelt einer anderen Facebook-Anwendung namens „Onavo“, die das Unternehmen im vergangenen Jahr aus dem App Store von Apple entfernen musste, offenbar weil sie gegen dessen Datenrichtlinien verstieß. Mit „Facebook Research“ ist das soziale Netzwerk aber einen anderen Weg gegangen. Es hat die App nicht direkt über den App Store von Apple oder die Android-Plattform Google Play angeboten, sondern auf indirektem Wege über andere Dienstleister. Dabei hat sich Facebook offenbar eines Programms von Apple bedient, das es Unternehmen erlaubt, Smartphone-Apps außerhalb des App Store für ihre eigene Belegschaft verfügbar zu machen, etwa zu Testzwecken. Facebook hat seine „Research“-App aber an außenstehende Personen vertrieben – und damit hat das Unternehmen nun den Ärger von Apple auf sich gezogen.

          „Forschungs“-App für Android soll weiter existieren

          Der iPhone-Hersteller, der Facebook in jüngster Zeit regelmäßig wegen seiner Datenschutzpraktiken kritisiert, hat das soziale Netzwerk jetzt aus diesem Programm für Unternehmens-Apps ausgeschlossen. Facebook habe es genutzt, um eine „App zum Datensammeln“ an Verbraucher zu vertreiben, und das sein „klarer Bruch“ der Vereinbarung mit Apple. Und der Ausschluss von der Apple-Plattform trifft offenbar nicht nur die kontroverse App, sondern auch andere Anwendungen, die Facebook für interne Zwecke nutzt. Die Online-Publikation „Business Insider“ schrieb, der Schritt von Apple habe die Arbeit bei Facebook teilweise zum Erliegen gebracht. Seinen Beschäftigten habe das soziale Netzwerk dem Bericht zufolge in einer internen Nachricht mitgeteilt, es arbeite eng mit Apple zusammen, um Zugang zu den wichtigsten internen Apps wiederherzustellen.

          Die Variante der „Forschungs“-App für Android soll indessen offenbar weiter existieren. Facebook beschrieb die App in einer Stellungnahme als harmloses Forschungsprojekt, das dabei helfe, seine eigenen Angebote zu verbessern. Das Unternehmen sagte weiter, die App habe nichts mit Spionieren zu tun, da alle Teilnehmer klar um Erlaubnis gefragt und bezahlt worden seien. Zudem seien weniger als fünf Prozent der Teilnehmer Teenager gewesen.

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