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Söder macht auf digital : Hyperloop und Lederhose

Markus Söder blickt durch eine Google Glass in die Zukunft (Archivfoto) Bild: Picture-Alliance

Bayerns Ministerpräsident legt eine umfangreiche digitale Agenda vor. Einiges davon ist sehr wichtig, anderes Quatsch.

          6 Min.

          Der frühere bayerische Ministerpräsident Franz-Josef Strauß gab einst in der ihm eigenen Dialektik vor, wie sich das Bewahrende der CSU mit dem Anspruch des Freistaats verbinden soll, wirtschaftlich und technisch Anderen voraus zu sein. Strauß definierte schlicht: „Konservativ sein, heißt, an der Spitze des Fortschritts zu stehen.“

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Lisa Becker

          Redakteurin in der Wirtschaft

          Sein Nachnachnachnachnachfolger Markus Söder hat in seiner Regierungserklärung (hier) nun unmittelbar daran angeknüpft und neben größerer Sicherheit vor allem eine ganze Serie technischer Ziele ausgegeben. „Neben der Migration ist die Digitalisierung die größte gesellschaftliche Herausforderung. Wir werden Bayern zu einem der modernsten Länder in Europa machen. Made in Bavaria ist digital“, sagte er.

          Zum ersten Mal gibt es in der bayerischen Regierung einen Minister für Digitales. Das ist natürlich keine Erfindung aus München. In Berlin hat Angela Merkel mit Helge Braun einen Technik-Fachmann zum Chef des Kanzleramts gemacht und zudem die CSU-Politikerin Dorothee Bär als Staatsministerin für Digitales angestellt. Bär sorgte schon öffentlich für Schlagzeilen etwa mit der Anregung, alle Schüler mit Tablets auszustatten, oder indem sie Flugtaxis in Aussicht stellte. „Wir brauchen mehr Tablets und weniger Büchertaschen“, umschrieb das nun Söder.

          „8000 Euro für Informatiker mit Bachelor-Abschluss“

          Zugleich kündigte er an, in Bayern 50.000 digitale Klassenzimmer entwickeln zu wollen. Die Zahl macht Eindruck. Sie ist tatsächlich allerdings vor allem eine Konkretisierung, denn: Schon vor etwa einem halben Jahr kündigte das bayerische Kultusministerium an, dass das digitale Klassenzimmer an bayerischen Schulen in den kommenden Jahren die Regel werden soll. Man werde dafür ein Förderprogramm in dreistelliger Millionenhöhe auflegen, um die Kommunen bei dieser Aufgabe zu unterstützen.

          Hinzu kommt, dass die Ankündigung auch einiges im Unklaren lässt. Der Teufel steckt wie immer im Detail: Was ist denn ein digitales Klassenzimmer überhaupt? Für viele gehört mindestens eine elektronische Tafel dazu. Doch wie sinnvoll ist eine solche, wenn darauf vor allem Filme geschaut werden und die Schüler nicht über eigene Geräte mit ihr und untereinander verbunden sind? Und selbst wenn alle Geräte hätten (Wer bezahlt eigentlich die Endgeräte der Schüler? Bringen sie eigene mit?) und es sogar ein leistungsfähiges W-Lan gäbe, hieße das noch lange nicht, dass die Lehrer sinnvoll damit unterrichten könnten. Lehrerfort- und -ausbildung zu diesen Themen stecken noch in den Kinderschuhen. Flächendeckende pädagogische Konzepte existieren noch nicht.

          Zweifellos ist die Digitalisierung der Schulen ein eminent wichtiges bildungspolitisches Thema; Unternehmen und (viele) Eltern wünschen sich, dass die deutschen Schulen endlich in der Breite vorankommen. Ein Ministerpräsident im Wahlkampf kann das nicht ignorieren. Söders Formulierung dazu war aber denkbar ungenau – und der Wähler ist nicht schlauer als vorher.

          Superschnelles Internet

          Söder verspricht jetzt außerdem, bis zum Jahr 2025 alle bayerischen Haushalte mit superschnellen Internetverbindungen auszustatten. Den Glasfaserausbau hat sich auch die Bundesregierung auf die Fahnen geschrieben, Berlin wird dafür Mittel bereitstellen, zusätzliche sollen aus der Versteigerung von Mobilfunklizenzen kommen. Wenn es um Hochgeschwindigkeits-Internet geht, sind Kabel übrigens nur eine Möglichkeit. Eine andere ist der Mobilfunk.

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