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Gegen den Apple-Chef : Zuckerberg schlägt zurück

Mark Zuckerberg steckt mit seinem Unternehmen derzeit in seiner bislang größten Krise. Bild: AP

Leiden wir am Stockholm-Syndrom, wenn wir glauben, Apple ist besser als Facebook? Das suggeriert der Facebook-Chef, der eine Attacke von Tim Cook nicht auf sich sitzen lassen will. Und sehr klare Worte findet.

          Es war eine Attacke, die es in sich hatte. In der vergangenen Woche wurde Tim Cook, der Vorstandsvorsitzende des Elektronikkonzerns Apple, gefragt, was er tun würde, wenn er jetzt in Mark Zuckerbergs Schuhen stecken würde. „Ich wäre nicht in dieser Situation“, sagte Cook trocken mit Blick auf den Chef des sozialen Netzwerks Facebook. Zuckerberg findet sich wegen einer Affäre um den Missbrauch von Daten von 50 Millionen Facebook-Nutzern derzeit in der wohl größten Krise seines Unternehmens wieder. Und Cook vertritt offenbar die Auffassung, das habe sich Facebook selbst zuzuschreiben.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Das Geschäftsmodell des sozialen Netzwerks basiert auf der Auswertung von Nutzerdaten, die es ihm erlaubt, maßgeschneiderte Anzeigen für seine Mitglieder auszuwählen. Genau davon grenzte sich Cook ab. Apple könne „eine Tonne Geld“ machen, aus Nutzerdaten Kapital zu schlagen, habe sich aber dagegen entschieden. Der Manager sprach sich außerdem für eine stärkere Regulierung von sozialen Netzwerken aus, und er nannte Privatsphäre ein „Menschrecht“.

          „Lächerlich für mich“

          Zuckerberg wollte die Seitenhiebe des Apple-Chefs offenbar nicht auf sich sitzen lassen. In einem Interview mit der Online-Publikation „Vox“ schlug er jetzt zurück und stellte in Zweifel, dass es Apple mit seinen Kunden besser meine als Facebook mit seinen Nutzern. Cook mache es sich „extrem“ leicht, wenn er argumentiere, Facebook liege nichts an seinen Mitgliedern, nur weil sie nichts bezahlen.

          Und mit einem Seitenhieb auf Apple sagte er, man solle doch jetzt nicht in ein „Stockholm-Syndrom“ verfallen und sich von Unternehmen, die hart daran arbeiten, viel Geld zu verlangen, weismachen lassen, sie kümmerten sich mehr um ihre Kunden. „Das klingt lächerlich für mich,“ sagte Zuckerberg. Der Facebook-Chef verteidigte außerdem sein eigenes Geschäftsmodell. „Wenn Du einen Dienst bauen willst, der nicht nur für reiche Leute ist, dann brauchst Du etwas, das die Leute sich leisten können.“ Und wenn man die ganze Welt miteinander verbinden wolle, gebe es nun einmal viele Menschen, die nicht in der Lage seien, zu bezahlen.

          Die Geschäftsmodelle von Apple und Facebook könnten in der Tat kaum unterschiedlicher sein. Apple verkauft seine elektronischen Geräte wie iPhones und iPads sehr teuer, Facebooks soziales Netzwerk ist für seine Mitglieder gratis, freilich stimmen sie mit der Nutzung implizit der Auswertung ihrer Daten zu, auf deren Basis sie Anzeigen präsentiert bekommen.

          Tim Cook hat sich schon öfters öffentlich von sozialen Netzwerken wie Facebook abgegrenzt, zum Beispiel indem er sagte: „Wenn ein Online-Dienst umsonst ist, seid Ihr nicht die  Kunden. Ihr seid das Produkt.“ Kürzlich sagte er, er wolle nicht, dass sein Neffe soziale Netzwerke nutze. Cook versucht allgemein, Apple als Hüter von Nutzerdaten hinzustellen. Vor wenigen Jahren lieferte sich das Unternehmen eine öffentlichkeitswirksame Auseinandersetzung mit der amerikanischen Regierung und weigerte sich, für die Bundespolizei FBI das Handy eines Attentäters zu entsperren.

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