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Facebooks Datenskandal : Zuckerberg bricht sein Schweigen

Facebook-Chef Zuckerberg meldet sich im Datenskandal mit Cambridge Analytica zu Wort (Archivbild). Bild: Reuters

Mark Zuckerberg äußert sich erstmals zur Datenaffäre um Cambridge Analytica. Der Facebook-Chef gibt sich kleinlaut und schließt selbst eine stärkere Regulierung seines Unternehmens nicht mehr aus.

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          In der Affäre um missbräuchlichen Umgang mit Daten von Nutzern des sozialen Netzwerks Facebook hat sich am Mittwoch erstmals Mark Zuckerberg persönlich geäußert. In einem Interview mit dem Nachrichtensender „CNN“ gab er Fehler zu und sprach eine Entschuldigung aus: „Es tut mir wirklich leid, dass das passiert ist.“ Er bekundete außerdem Bereitschaft, vor dem amerikanischen Kongress auszusagen, und er suggerierte, Facebook sei nicht dagegen, stärker reguliert zu werden.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Vor dem Interview hatte Zuckerberg schon in einem Eintrag auf seinem Facebook-Profil zugegeben, es habe einen „Vertrauensbruch zwischen Facebook und den Menschen, die ihre Daten mit uns teilen“ gegeben, und das Unternehmen müsse dies reparieren. „Wir haben eine Verantwortung, Eure Daten zu schützen, und wenn wir das nicht können, dann verdienen wir nicht, in Eurem Dienst zu stehen.“ Geschäftsführerin Sheryl Sandberg meldete sich ebenfalls zu Wort und sagte mit Blick auf den Datenmissbrauch: „Ich bedaure zutiefst, dass wir nicht genug getan haben, um damit umzugehen.“

          Wie Cambridge Analytica an die Daten kam

          Die Affäre begann Ende vergangener Woche mit Medienberichten, wonach der britische Datenanalysespezialist Cambridge Analytica sich schon vor einigen Jahren auf unzulässige Weise Informationen von 50 Millionen Facebook-Nutzern beschafft habe. Das Unternehmen ist durch seine Arbeit für Donald Trump im jüngsten amerikanischen Präsidentenwahlkampf bekanntgeworden. An die Facebook-Daten soll es über einen Mittelsmann herangekommen sein, der sie sich zwar auf legitimem Weg über ein Persönlichkeitsquiz von den Nutzern beschafft, sie dann aber missbräuchlich weitergegeben habe.

          Das Quiz wurde von 270.000 Nutzern heruntergeladen, aber da nicht nur deren eigene Daten, sondern auch diejenigen von ihren Freunden weitergegeben wurden, ist die Zahl der Betroffenen viel größer. Facebook hatte diese Zahl zunächst nicht beziffert, Zuckerberg gab jetzt aber zu, dass sie sich im zweistelligen Millionenbereich bewegt habe.

          Das Unternehmen hat nach eigener Darstellung erstmals über einen Medienbericht im Jahr 2015 von der Weitergabe der Daten erfahren. Es habe sich dann von allen Parteien zusichern lassen, dass die Informationen gelöscht werden, was aber offenbar nicht vollständig geschehen ist. Zuckerberg gab zu, es sei ein Fehler gewesen, auf diese Zusicherung zu vertrauen. Das werde Facebook künftig nicht mehr passieren.

          Zuckerberg nicht gegen Regulierung

          Der Facebook-Chef hatte sich in den ersten Tagen nach Bekanntwerden des Datenmissbrauchs zunächst nicht geäußert, wofür er heftig kritisiert wurde. Politiker in den Vereinigten Staaten und in Großbritannien forderten, er solle persönlich bei Anhörungen aussagen. In vergangenen Anhörungen, in denen es um politisch motivierte Manipulationen auf Facebook ging, hatte das Unternehmen andere Manager vorgeschickt, etwa seine Juristen. Nun gab Zuckerberg dem Fernsehsender CNN, wie auch den Zeitungen „New York Times”, „Wired” und „Recode” Interviews.

          In dem Fernsehinterview bekundete Zuckerberg jetzt grundsätzliche Bereitschaft, an solchen Anhörungen teilzunehmen. Er fügte dabei aber einschränkend hinzu, Facebook versuche, sich jeweils von den Personen vertreten zu lassen, die in einer Materie die meiste Expertise mitbrächten. Sollte er selbst das sein, sei er gerne bereit, auszusagen. Auf die Frage, warum er der Auffassung sei, Facebook sollte von der Politik nicht reguliert werden, antwortete er, er sei einer Regulierung gegenüber grundsätzlich nicht abgeneigt. Zum Beispiel wenn es um Regulierung für mehr Transparenz bei Anzeigen gehe. Facebook gebe seinen Nutzern jetzt schon viele Informationen darüber, warum sie bestimmte Werbung zu sehen bekommen.

          In seinem Facebook-Eintrag wies Zuckerberg darauf hin, dass das Unternehmen die Weitergabe der Daten von Freunden, wie sie in dem aktuell diskutierten Fall geschah, seit 2014 nicht mehr erlaube. Er kündigte auch mehrere Schritte an, um etwaigen weiteren Datenmissbrauch zu verhindern. Das Unternehmen wolle alle Anwendungen („Apps“) untersuchen, die so wie im Fall des Persönlichkeits-Quiz bis 2014 Zugang zu großen Datenmengen hatten. Softwareentwickler, die sich dieser Überprüfung nicht stellten oder die Daten missbraucht hätten, würden von Facebook ausgeschlossen.

          Zudem wolle Facebook den Zugang, den App-Entwickler auf Facebook-Daten haben, weiter einschränken. Beispielsweise sollen sie keinen Zugriff mehr haben, wenn Facebook-Nutzer das Programm seit drei Monaten nicht benutzt haben. Facebook wolle es außerdem für seine Mitglieder einfacher machen, zu sehen, welche Apps auf welche persönlichen Informationen Zugriff haben. Zudem sollen Nutzer, die von dem Datenmissbrauch über die Quiz-App betroffen waren, jetzt informiert werden.

          Facebook ist in den vergangenen Tagen dafür kritisiert worden, seine Mitglieder im Unklaren gelassen zu haben, obwohl das Unternehmen offenbar seit 2015 über die unzulässige Weitergabe von Daten Bescheid wusste.

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