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48 Millionen Dollar teuer : Las Vegas bestellt bei Elon Musk einen „Loop“

  • -Aktualisiert am

So stellt sich The Boring Company die Tram-Fahrzeuge vor, die im „Loop“ in Las Vegas fahren könnten. Bild: AP

In Las Vegas soll Elon Musks Boring Company bis 2021 ein Hochgeschwindigkeitsloop-System mit zwei Tunneln bauen. Das lässt sich die Stadt einiges kosten. Der Unternehmer macht dazu wieder einmal großmäulige Versprechen.

          Elon Musks Unternehmen The Boring Company soll in Las Vegas einen Hochgeschwindigkeits-„Loop“ bauen. Die Touristenbehörde der Stadt beschloss am Mittwoch die Genehmigung. Das Verkehrssystem mit dem Namen „LVCC Loop“, das Menschen unterirdisch in Hochgeschwindigkeit über das Messegelände der Stadt transportieren soll, wird aus zwei Tunneln und drei Haltestellen bestehen, berichtet das Technologie-Magazin „The Verge“.

          Geplant ist eine Fertigstellung bis zur Consumer Electronics Show im Januar 2021, einer der größten Fachmessen für Unterhaltungselektronik. Erste Tests sollen ab November 2020 durchgeführt werden. Musk selbst – bekannt dafür, in seinen Tweets gern einmal den Mund zu voll zu nehmen – behauptete auf Twitter, die Tunnelanlage könne schon zum Ende dieses Jahres betriebsbereit sein.

          Kosten soll es die Stadt 48,6 Millionen Dollar (44 Millionen Euro). Zwei Drittel davon erhält The Boring Company erst nach Fertigstellung des Projekts. Noch ist nicht entschieden, was für Fahrzeuge in dem Tunnel in Las Vegas zum Einsatz kommen sollen. Im Gespräch sind aber die Tesla-Autos Model X und Model 3 sowie modifizierte elektrische Tram-Fahrzeuge mit 16 Sitzen.

          Weitere Loops geplant

          The Boring Company ist an mehreren anderen Tunnel-Projekten beteiligt, die aber alle noch in der Planungsphase feststecken. In Chicago wollte das Unternehmen einen Tunnel zum Flughafen bauen, doch seit der Wahl der neuen Bürgermeisterin Lori Lightfoot liegt das Projekt auf Eis. In Los Angeles gab es Gespräche über einen Tunnel zum Baseball-Stadion der L.A. Dodgers. Für einen geplanten Tunnel zwischen Washington, D.C. und Baltimore steht noch eine Studie zur Umweltverträglichkeit aus. Fertiggestellt ist bisher ein etwa eine Meile langer Tunnel im kalifornischen Hawthorne. Musk zufolge dauerte der Bau dieses Prototyps anderthalb Jahre und kostete 10 Millionen Dollar.

          Musk hatte erstmals im Jahr 2013 das Konzept eines „Hyperloops“ vorgestellt. Die Idee damals: Wie in einer Rohrpost werden Passagiere und Güter in Kapseln auf Luftkissen gleitend durch Tunnel geschossen. Das System soll mit Solarzellen betrieben werden und deshalb sehr viel umweltschonender sein als beispielsweise Flugzeuge. In Musks Theorie sollten dabei Geschwindigkeiten bis zu 1200 Kilometer in der Stunde möglich sein. Das, so der Unternehmer, könne außerdem das Verkehrsproblem in den Großstädten lösen.

          Die Praxis fällt eher ernüchternd aus: Durch den Tunnel fahren Tesla-Autos mit eigenem Antrieb, die Geschwindigkeit liegt eher bei 250 Kilometer in der Stunde selbst das ist allerdings bisher nur Theorie: Bei ersten Tests in Los Angeles im vergangenen Jahr waren es lediglich 80.

          Viel Luft zwischen Traum und Realität

          An Musks Ideen gab es reichlich Kritik. Viele Physiker halten die Umsetzung des Hyperloops zwar für theoretisch möglich, aber in der Praxis für zu teuer und zu gefährlich für Passagiere. Unter anderem sei das System anfällig wegen des hohen Luftdrucks und der hohen Temperaturen, die in den Tunneln entstünden.

          Zwischen Traum und Realität gibt es also noch gehörig Luft. Dennoch hat Musks Konzeptpapier vor sechs Jahren einen neuen Pioniergeist im Hochgeschwindigkeitsverkehr ausgelöst. Neben The Boring Company arbeitet in Amerika unter anderem auch das Unternehmen des Milliardärs Richard Branson Virgin Hyperloop One am Transport mit Schallgeschwindigkeit. Virgin kündigte in der vergangenen Woche an, 172 Millionen Dollar Kapital für seine Hyperloop-Pläne eingesammelt zu haben.

          Auch in Deutschland könnte schon bald ein Hyperloop fahren. Auf der stillgelegten Teststrecke des Transrapid im Emsland wollen die Hochschulen Emden/Leer und Oldenburg ein europäisches Forschungszentrum für Hyperloop-Technologie aufbauen und haben dafür Fördergelder beantragt. Über fünf Jahre soll das Projekt zehn Millionen Euro kosten. Im Dezember hatte auch der Hamburger Hafen mitgeteilt, für den Gütertransport eine Hyperloop-Teststrecke zu planen.

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