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Kommentar zum Mittelstand : Systemfehler

  • -Aktualisiert am

Der Mittelstand sollte sich mehr Digitalisierung verordnen. Bild: Picture-Alliance

Die Auftragsbücher des Mittelstandes sind voll, da bleibt keine Zeit für ein Mammutprojekt wie die Digitalisierung. Das ist gefährlich. Denn es geht um nichts geringeres als den Wohlstand.

          Der Mittelstand gilt zu Recht als Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Wohl kein anderes Land bezieht einen solch hohen Anteil seiner Wertschöpfung aus dem, was kleine und mittlere Unternehmen auf den Weltmärkten erwirtschaften. Doch seit einiger Zeit machen Warnungen die Runde: Der Mittelstand hinke in der Digitalisierung hinterher, heißt es. Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft stehe perspektivisch auf dem Spiel.

          Wahr ist: Vielen Mittelständlern geht es ob der vollen Auftragsbücher einfach zu gut, als dass sie sich um das Thema mit der gebotenen Tiefe kümmern wollten. Häufig fehlt die Bereitschaft, Personal und Kapazitäten in mittelfristige IT-Projekte zu stecken. Wieso auch? Es läuft ja bestens. Ändere nie ein funktionierendes System, lautet ein geflügelter Spruch in der IT.

          Doch könnte diese Haltung ein fataler Systemfehler sein. Denn disruptive Geschäftsmodelle leben gerade davon, dass sie Bestehendes grundlegend hinterfragen. Für manchen Mittelständler könnte das zu einem bösen Erwachen führen. Die Frage ist, wie man Unternehmer bewegen kann, die wichtigen Investitionen lieber heute als morgen zu tätigen.

          Digitalabschreibungen, also steuerliche Bevorzugungen solcher Invests, sind nur ein Instrument, das diskutiert werden muss. Es geht darum, Wohlstand und Wertschöpfung in Deutschland zu sichern.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

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