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Datenleck : Digitale Unbedarftheit

Ein Röntgenbild auf einem Smartphone Bild: dpa

Das Datenleck an sensiblen Gesundheitsdaten offenbart ein frappierendes Maß an digitaler Unkenntnis. Es gibt nur eine Sache, die dagegen hilft.

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          Ist Ihre Wirbelsäule auch schon online? Oder der Herzschrittmacher? Bilder davon haben Rechercheure und IT-Spezialisten nämlich jetzt im Netz gefunden. Es ist eine Datenkatastrophe. Sie zeigt die wahre Gefahr der Digitalisierung: Aus Unwissenheit, Geiz oder Schludrigkeit haben Betreiber von Servern die Tür zu hochsensiblen Patientendaten offen gelassen. Es brauchte also keinen Hackerangriff – wer Interesse an medizinischen Daten anderer Menschen hatte, konnte relativ umstandslos darauf zugreifen.

          Ähnliche Fälle lassen sich häufiger beobachten: Es gibt etwa Websites, die ungesicherte private Webcams verzeichnen. Mit ein paar Klicks kann man überall auf der Welt Menschen beobachten, im Fitnessstudio, am Strand, im Arbeitszimmer.

          Die digitale Unbedarftheit ist groß und wird mit zunehmender Vernetzung von Geräten – dem „Internet der Dinge“ – gefährlicher. Gefährlich ist allerdings auch die demoralisierende Wirkung dieses Datenlecks. Der Fall könnte Patienten und Ärzte verunsichern und so der ohnehin sich dahinschleppenden Digitalisierung im Gesundheitswesen noch einmal einen Dämpfer verpassen. Im Gesundheitssektor argumentieren manche gern mit Datenschutzbedenken, die schlicht technologische Umstellungen scheuen. Schon triumphieren jene, die schon immer vor den Gefahren der Digitalisierung warnten.

          Zu recht? Über die Ursachen des Datendesasters ist bislang zu wenig bekannt, um Schuldsprüche zu fällen. Auf den Servern der oft dämonisierten Digitalkonzerne – der „Cloud“ – sind Daten aber in aller Regel sicherer als auf dem Heimcomputer, dem selbstverwalteten Unternehmensnetzwerk oder im Aktenschrank einer Arztpraxis.

          Auch der Formularwahnsinn der Datenschutzgrundverordnung hilft nicht gegen ungeschützte Server. Immerhin, diese Verordnung verpflichtet zu Sicherheitsmaßnahmen bei der Datenverarbeitung – wie schon das alte Datenschutzgesetz, jetzt aber mit potentiell höheren Geldbußen.

          Grundsätzlich hilft gegen klaffende Sicherheitslücken eine hohe digitale Kompetenz auf allen Ebenen eines Unternehmens – bis in Vorstand und Aufsichtsrat. Es hilft ein Sinn für digitale Verantwortung, anstatt alles Technische an Fachleute zu delegieren und danach die Hände zu falten. Panik macht hingegen nur verwundbarer.

          Hendrik Wieduwilt

          Redakteur der Wirtschaft in Berlin, zuständig für „Recht und Steuern“.

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