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Kartellamt gegen Riesenkonzern : Ein wachsames Auge auf Amazon

  • -Aktualisiert am

Der Eingang zum Bundeskartellamt in Bonn Bild: dpa

Dass das Kartellamt die AGB eines Unternehmens rügt, ist eher ungewöhnlich – im Falle von Plattformen wie Amazon aber nötig.

          Diese Chuzpe muss man erst einmal haben: Der Online-Händler Amazon hat seinen Kunden in Amerika angeboten, ihnen 10 Dollar dafür zu zahlen, wenn sie ihr Einkaufsverhalten durch ein technisches Werkzeug im Browser überwachen lassen. Bis zu sieben Millionen Kunden sollen das Angebot schon angenommen haben.

          Nun kann man sagen: Schön blöd, wenn man den Preis seiner Daten nicht kennt, wer da mitmacht, ist selbst schuld, abhaken, weitershoppen.Das Beispiel steht allerdings exemplarisch für das Vorgehen von Amazon generell. Der Handelsriese bietet guten Service für die Kunden und ist daher ungemein beliebt. Er ist aber auch schlau und daher gut darin, seine Kunden zu binden und abhängig zu machen.

          Die Händler müssen schließlich nicht mitmachen

          Die große Macht wiederum nutzt Amazon dann auch im Wettbewerb mit anderen Händlern oder mit Verkäufern auf seiner eigenen Plattform. In diesem Marktplatz auf seiner Plattform definiert Amazon natürlich die Regeln und das ist auch das gute Recht des Konzerns, könnte man argumentieren – die Händler müssen schließlich nicht mitmachen.

          Nun ist man als kleiner Händler aber in einer nicht so guten Lage, wenn die Produkte nicht auf Deutschlands größter Online-Handelsplattform gefunden werden. Amazon verdient nicht ohne Grund inzwischen auch sehr viel Geld mit Werbung, die Plattform hat sich zur größten Produktsuchmaschine gemausert.

          Zum Prime Day, also dem jährlichen Verkaufsmarathon auf der Seite, der gerade endete, haben sich einige Hersteller darüber beschwert, dass sie ihren Werbeetat auf Amazon verdoppeln sollten. In ihrer Abhängigkeit von der Plattform haben sie sich dennoch darauf eingelassen, auch zu höheren Preisen Anzeigen zu schalten.

          Ein wachsames Auge

          Dass sich das Bundeskartellamt nun damit rühmt, die Stellung der Händler auf Amazon zu stärken, ist zum Teil Eigenwerbung. Die Behörde will sich als starker Wächter auch gegenüber den Digitalkonzernen präsentieren, so wie sie es schon zuletzt bei Facebook getan hat.

          Dass sie dabei nun die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Amazon untersucht hat, ist eher ungewöhnlich. Wie schon bei Facebook ist der Hebel für das Kartellamt keine Monopol-Ermittlung sondern das Missbrauchsverbot, was früher eher bei monopolistischen Anbietern wie Stromkonzernen benutzt wurde.

          „Wir haben bei den 'Super-Plattformen' Google oder Amazon inzwischen Situationen, in denen nur der beherzte Zugriff der Wettbewerbsbehörden noch die Spielräume anderer Marktteilnehmer sichern kann“, sagt der aufs Kartellrecht spezialisierte Jura-Professor Rupprecht Podszun. Das Verhandeln auf Augenhöhe sei nicht mehr möglich zwischen Amazon und den Marktplatz-Teilnehmern. Daher brauche es so etwas wie das Kartellamt.

          Auch wenn sich an dem Machtgefälle nicht gleich fundamental etwas ändert, hat Amazon einige Anpassungen vorgenommen. Eine große Schwächung des Geschäftes oder gar eine Zerschlagung kann und darf auch nicht das Ziel von Behörden wie dem Kartellamt sein in solchen Fällen.

          Aber genauso wie bei den Strafen, die von der Europäischen Union gegen die amerikanischen Tech-Konzerne verhängt wurden, geht von solchen Aktionen wie nun vom Kartellamt eine Signalwirkung aus. Die lautet: Wir haben ein wachsames Auge auf euch. Und das kann nicht so schlecht sein.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

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