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Jedi-Initiative : Wie Europa in der Forschung aufholen will

Falcon 9, die Trägerrakete von Space X, wurde von der Darpa gefördert. Bild: AFP

Schnell, agil, konzentriert auf wenige Projekte und wagemutig: Rund 100 Fachleute plädieren für eine Forschungsförderung in einer gemeinsamen Agentur. Das Vorbild sitzt in Amerika.

          Jeder Staat auf dieser Welt träumt von seinem eigenen Silicon Valley. Dabei ist der Landstreifen südöstlich von San Francisco nicht immer die früheste Keimzelle der zukunftsweisenden Innovationen. Viele Anstöße kommen von der staatlichen amerikanischen Fördereinrichtung Darpa (Defense Advanced Research Projects Agency) unter Leitung des Verteidigungsministeriums. Von den sechziger Jahren an wurde etwa das Arpanet zu einer der Grundlagen des Internets, dann kamen das Navigationssystem GPS hinzu und später die Spracherkennungssoftware Siri von Apple, die ersten autonomen Autos von Google und die Falcon-Trägerrakete von Space-X-Chef Elon Musk.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          In Europa verstärken sich jetzt die Rufe nach einem europäischen Darpa mit ziviler Verankerung. Ihre Befürworter hoffen auf konkrete Beschlüsse auf dem deutsch-französischen Spitzentreffen am heutigen Dienstag in Meseberg bei Berlin. Einer der wichtigsten Antreiber hinter dieser Initiative ist der Deutsch-Franzose André Loesekrug-Pietri, ein Unternehmer, Gründer eines Technologiefonds und ehemaliger Berater der französischen Verteidigungsministerin. Er plädiert zusammen mit mehr als 100 Persönlichkeiten aus Forschung und Wirtschaft für eine „deutsch-französische Agentur für disruptive Innovation“, die später europäisch werden soll. Die Joint European Disruptive Initiative (Jedi) soll ein neuer Ansatz in der Forschungsförderung sein: schnell, agil, konzentriert auf wenige Projekte und wagemutig. „Wenn beim Darpa 20 Prozent der Projekte ihre Ziele erreichen, dann ist die Agentur der Ansicht, dass sie nicht disruptiv genug war“, berichtet Loesekrug-Pietri im Gespräch mit der F.A.Z.

          Auch verrückte Projekte fördern

          Die Europäische Union gibt 80 Milliarden Euro für die Forschungsförderung aus, doch der Erfolg ist überschaubar. Zum einen verteile Europa die Mittel wie mit der Gießkanne auf zu viele Projekte, zum anderen verlange die EU beim Antrag einen abschreckend hohen Bürokratieaufwand, dem überraschend wenig Kontrolle folge, bemängelt Loesekrug-Pietri. „Anträge mit 150 Seiten soll es bei uns nicht geben, wir brauchen auch nicht 9 bis 18 Monate für die Bewilligung. Wir wollen in sechs Wochen entscheiden“, sagt er. Eine kleine Gruppe von ein paar Dutzend „Programm-Managern“ soll den Fortgang der Projekte eng begleiten und das Projekt, wenn nötig, schnell stoppen können. Loesekrug-Pietri berichtet vom französischen Biotech-Start-up Prophesee, das von der EU, der französischen Investitionsbank BPI und vom Darpa Fördergeld erhalten habe, „doch nur das Darpa bittet den Chef regelmäßig zu einer Präsentation in den Vereinigten Staaten“.

          Mit diesem Vorgehen hofft Jedi Verständnis zu finden – auch wenn es mal danebengeht. Denn ohne die Bereitschaft, vermeintlich verrückte Projekte staatlich zu fördern, kämen keine bahnbrechenden Innovationen heraus. „Wir wollen bewusst nur in jene Bereiche gehen, wo noch keine Gewinne entstehen und sich keine privaten Investoren finden. Dies soll die Lücke vor der Stufe der Venture-Capital-Investoren schließen“, sagt Loesekrug-Pietri. Die Projekte sollen aber schnell zu Prototypen führen. Dabei hoffen die Initiatoren auf weitgehende Freiheiten von der Politik. „Wenn das Ganze vertikal von einem Ministerium gesteuert wird, brauchen wir gar erst nicht anzufangen.“ Man wolle auch kein deutsch-französisches Gleichgewichtsdenken, das zu Eifersüchteleien über die Rückflüsse ins eigene Land führe.

          Rasch will Jedi die Arbeit aufnehmen. 40 bis 60 Millionen Euro für drei bis vier Projekte werden in diesem Sommer von Stiftungen sowie Bundesländern und Regionen in Deutschland und Frankreich bereitgestellt. Für 2019 wünschen sich die Initiatoren rund 300 Millionen Euro aus staatlichen Mitteln und danach eine Steigerung auf 1 Milliarde Euro im Jahr, womit dann 50 bis 70 Projekte gefördert werden könnten. Die Mitarbeiterzahl soll 80 bis 90 Personen nicht übersteigen.

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