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Cebit-Kommentar : IT-Standort Deutschland ist um eine weitere Ikone ärmer

Die Cebit hat nicht rechtzeitig erkannt, wie schnell sich die Zeiten auch in der digitalen Welt wandeln. Bild: dpa

Die Cebit war einst die größte und bedeutendste Computermesse der Welt. Nun ist sie am Ende. Hohn und Spott oder gar Freude darüber sind fehl am Platze.

          Der IT-Standort Deutschland ist um eine weitere Ikone ärmer. Dieses Mal heißt sie nicht Nixdorf, dieses Mal handelt es sich nicht um das Handygeschäft von Siemens. Es trifft die Cebit, einst die größte und bedeutendste Computermesse der Welt. Als diese Zeitung vor Jahren in einem Leitartikel empfohlen hat, die Messe müsse mit der sehr viel erfolgreicheren Industriemesse am selben Ort zusammengelegt werden, war das Gelächter groß. Das werde in unserem Leben nicht mehr passieren, parierte damals der Hauptgeschäftsführer des Digitalverbandes Bitkom die These. Auch die Bundeskanzlerin, die sich in diesem Jahr schon gar nicht mehr zur Eröffnung der Cebit blicken ließ, wollte sich eine Welt ohne Cebit zu jener Zeit nicht vorstellen.

          Nun kann man also auch mit einem lachenden Auge auf die Nachricht aus Hannover blicken. Denn immerhin ist das eigene Leben noch nicht zu Ende, sondern „nur“ das der Cebit – und die Prognose ist wahr geworden. Hohn und Spott oder gar Freude darüber sind gleichwohl fehl am Platze. Es ist sehr schade, dass es die Deutsche Messe AG als Veranstalter und letztlich das ganze Land es nicht geschafft hat, die Cebit als Schaufenster für die die deutsche IT-Leistungfähigkeit im internationalen Wettbewerb langfristig zu behaupten.

          Wichtiger ist, die richtigen Lehren daraus zu ziehen. Die Cebit stirbt, weil nicht rechtzeitig genug erkannt worden ist, wie schnell sich die Zeiten auch in der digitalen Welt wandeln können. Der letzte Versuch, die Cebit in diesem Jahr zu einem Festival umzubauen, folgte der richtigen Einschätzung. Aber er kam um Jahre zu spät. Das müssen auch die Aussteller und Unternehmen wissen, die der Cebit in den vergangenen Jahren den Rücken gekehrt haben. Wenn sie selbst in ihren Strukturen und Geschäftsmodellen nicht schnell genug auf den digitalen Wandel reagieren, wird ihr Schicksal dem der Cebit folgen. Falls die moderne Cebit dem einen oder anderen konservativen deutschen IT-Mittelständler zu modern geworden sein sollte, wäre eine Selbstreflektion über die eigene Position nicht falsch.

          Sich als Veranstalter jetzt auf die Hannover Messe zu konzentrieren, ist vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Zukunftschancen Deutschlands hingegen konsequent. Das war, bis auf den einen oder anderen damaligen Cebit-Fan, tatsächlich schon vor Jahren klar. Mit der Vernetzung von Maschinen und Gütern im Internet der Dinge kann Deutschlands Wirtschaft noch immer darauf hoffen, Anschluss an die digitale Welt zu finden. Diese Verbindung kann sich künftig in der Industriemesse deutlicher zeigen. Aber: Die Entwicklung von allen Produkten muss schneller werden, man muss bereit sein, auch mal Angebote auszuprobieren, die vielleicht noch nicht ganz fertig sind und erst am Markt perfekt werden. Scheitern muss möglich sein, ohne dass ein Schwarzer Peter ausgeteilt wird. Deutschland muss mit voller Kraft in die digitale Infrastruktur investieren und darf darüber moderne Geschäftsmodelle in einer Welt der Daten nicht außen vor lassen. Die Cebit kann dem Land noch einen letzten Dienst erweisen, nämlich dann, wenn sie das letzte Menetekel für verpasste Chancen in der neuen Welt wird. Alles, was jetzt kommt, muss sitzen. Auf dem Messegelände in Hannover – und bei allen, die auf der Cebit schon einmal zu Gast waren.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

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